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Truck-Grand-Prix 2016: Der Höhepunkt der Festivalsaison

Trotz großer Konkurrenz durch das Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft und das Formel-1-Rennen in Spielberg strömten die Massen zum Truck-Grand-Prix.

Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben, auf den Moment, der immer bleibt“, stammt aus dem Nummer-eins-Hit "Auf uns" von Andreas Bourani. Treffender lässt sich die einmalige Atmosphäre am Ring nicht beschreiben. Es ist die Freude am Leben, dem Zusammensein unter Gleichen und dem Feiern, die überall auf dem Gelände zu spüren ist. Der Wetterbericht hatte Eifelwetter mit Starkregen und Gewitter vorausgesagt. Doch Petrus meinte es gut. Besonders am Samstag zeigte sich das Wetter von seiner angenehmen Seite. Das einzige Donnern stammte von den schweren Hubraummonstern auf der Rennstrecke.
Der Industriepark platzte an den drei Tagen aus allen Nähten. Zahlreiche Lkw- und Trailerhersteller sowie Zulieferer präsentierten dort ihre Produkte. 

Mitmachaktionen locken

Vielerorts war Mitmachen angesagt. Bei Fliegl etwa gab es Gelegenheit zum Bierkrugschubsen, LTG Transport lockte mit einem Hau-den-Lukas, Herpa mit einem speziellen Grand-Prix-Sondermodell, nämlich mit dem neuen FERNFAHRER-Sattelzug von Justen Transporte.

FERNFAHRER selbst war im Rahmen seiner Drive-your-Dream-Tour vor Ort: mit einem Willkommenspaket für die ankommenden Lkw-Fahrer, mit der Marktschreier-Show von Diesel-Dieter, mit Abo-Aktionen und mit dem FERNFAHRER-Biergarten, zu dem alle Abonnenten kostenlos Zutritt hatten. Flankiert wurde der FERNFAHRER-Stand vom Dekra-Lkw-Simulator und dem Auftritt der Autobahnkanzlei rund um Rechtsanwalt Peter Möller.

FERNFAHRER-Biergarten und ZF Speditionslounge

Traditionell sind FERNFAHRER-Abonnenten unsere VIPs und herzlich im FERNFAHRER-Biergarten willkommen. Entsprechend voll war der Laden an allen drei Tagen. Das Konzept kommt auch in der Fahrzeug- und Zulieferindustrie an. In diesem Jahr war die ZF Speditionslounge zu Gast im FERNFAHRER-Biergarten, wo ZF Friedrichshafen seine Gäste bewirtete – ein tolles und lebhaftes Miteinander von Fahrern, Truck-Fans und Kunden.

Fester Bestandteil des Truck-Grand-Prix waren auch in diesem Jahr wieder die Oldie-, US-Truck- und Road-Truck-Camps. Das älteste Exponat kommt gleich am Eingang zum Oldtimer-Camp um die Ecke geknattert: ein Opel 1040, Baujahr 1927, in den Farben der Düsseldorfer Bäckerei Westerhorstmann. Jüngstes Fahrzeug im Camp dürfte der Renault Magnum sein, der neben einem gepflegten Mercedes-Benz NG 1926 V8 – ebenfalls in den Farben von Obermann Mühlheim – steht. Stolz prangt "Truck of the Year 91" auf der Sonnenblende des damals wie heute futuristisch wirkenden Franzosen.  

Lichterglanz in der Dämmerung

Richtiges Truck-Grand-Prix-Feeling kommt in den Abendstunden auf, wenn die Sonne hinter dem Michael-Schumacher-S versinkt und die Lichter, Fanfaren und Musikanlagen angeworfen werden. Die vielen Lkw-Fahrer waren auch in diesem Jahr wieder hervorragend ausgerüstet: Grill, Musik, Stehtisch, Klappstuhl oder gleich die ganze Couch – alles dabei. Einige ließen uns an der Party rund um ihre Lkw teilhaben, darunter die Mannschaft von Wolters aus Saerbeck, das Team von Hartung Güterkraftverkehr aus Moosach, die Angestellten von Heuro Trans aus Kleve, Martin Stollenwerk aus Monschau, Josef Rösgen aus Königswinter, die Truppe von Thermo King Süd aus Ulm und die Mitarbeiter von Heide Logistik aus Verden. 

Apropos gut gerüstet: Der Truck-Grand-Prix braucht sich als Sportgroßevent nicht zu verstecken. Parallel zur Truckfete am Ring fand auch das Formel-1-Rennen im steirischen Spielberg statt. Während am Nürburgring 123.000 Fans die Rennen abfeierten, verbuchten die Verantwortlichen in der Steiermark lediglich 85.000 Zuschauer. Ein Hoch auf euch!

Die Sponsoren der Drive your Dream-Tour

Die komplexen Ursachen bei Lkw-Unfällen am Stauende

Fehlender Abstand

Besonders im Überholverbot fahren Lkw oft viel zu dicht auf und der Sicherheitsabstand (50 Meter) schrumpft auf 15 oder teils fünf Meter zusammen. Eine Statistik über die Verteilung Nationen liegt nicht vor.

Ablenkung

Immer mehr Fahrer sind im Lkw abgelenkt – beginnend bei der Tasse Kaffee, gefolgt vom regelmäßigen Blick auf Bordcomputer, Navigationsgeräte und Smartphone bis hin zum Schauen von Videos beim Fahren. In Österreich beinhaltet das Handyverbot jetzt auch das Internetsurfen sowie das Schreiben und das Lesen von SMS und E-Mails beim Fahren.

Eintönigkeit

Die Arbeit hinterm Lkw-Steuer wird immer eintöniger. Automatik, Tempomat, öde Autobahnen und Kolonnenfahrten im Überholverbot führen bei langen Strecken unweigerlich zu Müdigkeit, schlechter Konzentration und dem Wunsch nach Ablenkung. Fahrerassistenzsysteme sollen helfen.

Tourenstress

Viele Lkw, besonders auf nächtlichen Linienverkehren, sind nach wie vor deutlich zu schnell unterwegs. Ein Grund ist, so klagen Fahrer, dass viele Touren zwischen den Depots oder Begegnungsverkehre viel zu knapp getaktet sind, ein anderer Druck entsteht durch Zeitfenster. Selbst auf der dritten Spur überholen gehetzte Fahrer zuweilen. Der Tacho wird manipuliert. Die Polizei Dortmund erwischte jetzt zwei Fahrer von Paketdiensten, die ohne Fahrerkarte unterwegs waren. 

Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten

Nach der letzten Kontrollstatistik des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG, 2014) wurden 201.032 deutsche und 304.797 ausländische Lkw kontrolliert. Gegen das Fahrpersonalrecht verstoßen haben 83,2 Prozent der Fahrer deutscher Unternehmen und 61,8 Prozent der ausländischen. Oftmals sind es kleinere Verstöße. Viele Fahrer stellen jedoch beim Abladen den Tacho nach wie vor auf Pause und arbeiten so, unerkannt von Polizei und BAG, weitaus länger, als erlaubt ist.

Risiko bei Kolonnenfahrt

Überlastete Autobahnen bei gleichzeitigem Überholverbot führen zu Kolonnenfahrten mit deutlich zu geringem Abstand. Immer wieder entstehen dieselben Gefahren, wenn plötzlich ein Hindernis oder ein Stau auftaucht. Da es das sogenannte Platooning vorerst noch nicht im Realeinsatz gibt, kann daher nur der erste Fahrer rechtzeitig bremsen, der zweite oft gerade noch ausweichen und der dritte kracht ins Stauende oder in ein Fahrzeug der Straßenverkehrsmeisterei. Notbremsassistenten sind oft deaktiviert.

Übermüdung

Immer wieder berichten Medien über Fahrer, die 20 Stunden oder länger ohne Pause am Steuer saßen. Ein Fehler: Die Kontrollsoftware von Polizei oder BAG wertet etwa eine Pause des Fahrers von acht Stunden (statt neun) nicht und zieht beide Lenkzeiten zusammen. Weitaus größer ist die Gefahr eines Schlafdefizits, wenn Fahrer im überhitzen Fahrerhaus ohne Standklimaanlage nach einer nächtlichen Tour tagsüber nicht zur Ruhe kommen und schläfrig auf Tour fahren. Der verpflichtende Einbau von Standklimaanlage ist aber derzeit in der EU nicht vorgesehen.

Autor

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Foto

Thomas Kueppers

Datum

29. Juli 2016
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