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Trend Elektromobilität: Werkstattgespräch e-mobil BW

Neue Elektroantriebe wirbeln die Kfz-Branche durcheinander. Das hat auch starke Auswirkungen auf die Werkstätten, wie bei einem Werkstattgespräch deutlich wurde. Veranstalter war e-mobil BW.

In Baden-Württemberg bringt e-mobil BW, die Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellen-Technologie, regelmäßig Akteure der Kfz-Wirtschaft an einen Tisch. Beim jüngsten Werkstattgespräch im Autohaus Karl Russ in Nürtingen ging es um das Thema "Automatisiert – Vernetzt – Elektrisch".

"Die Automobilindustrie vollzieht gerade einen tief greifenden technologischen Wandel", stellte Hubert Wicker fest, Ministerialdirektor im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Er sei überzeugt, dass die Branche von der Digitalisierung profitieren werde. Die Landesregierung wolle dabei gezielt kleinere und mittlere Unternehmen und die Zuliefererindustrie unterstützen.

"In der Werkstatt wird bald mehr mit dem Laptop als mit dem Schraubenschlüssel repariert", sagte Franz Loogen, Geschäftsführer von e-mobil BW voraus. Wer die Verbindung von Hard- und Software nicht beherrsche, werde Schwierigkeiten haben, am Markt zu bestehen.

"Die Absicherung der Daten ist extrem wichtig"

Wie sich das Werkstattgeschäft verändert, erläuterte Stefan Russ, geschäftsführender Gesellschafter des Autohaus Karl Russ. Künftig werde die Werkstatt weniger Kontakte zum Kunden, dafür aber mehr Schnittstellen zum Fahrzeug haben. "Wir werden weniger Öl und Ersatzteile verkaufen", sagte Russ. Es würden mehr Fachleute wie Diagnosetechniker und Hochvolttechniker in den Werkstätten benötigt. Im Pkw-Bereich sei der Wandel bereits stärker im Gange als im Nutzfahrzeugbereich. "Dort dauert das länger", sagte er.

Auf das Thema Datensicherheit ging Erich Nickel ein, Director of Automotive Solutions CoC DACH von IBM Deutschland. Autos seien heute Computer, die jede Menge Daten produzieren. "Die Frage ist, wie gehen wir mit den Daten um?" Er plädierte dafür, dass im Voraus nur der Hersteller Zugriff auf die Daten bekommt, aber der Fahrer bestimmen solle, wer womöglich noch auf die Daten zugreifen kann. "Die Absicherung der Daten ist extrem wichtig", betonte Nickel. Stefan Russ machte dazu auf ein Problem aufmerksam: "Wir haben regelmäßig Kunden, die die Datenschutzerklärung nicht unterschreiben wollen."

Kluft zwischen Ingenieuren und Informatikern

Professor Dr. Hans-Christian Reuss, Vorstandsmitglied beim Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart, plädierte in seinem Beitrag für eine Allianz der Fahrzeughersteller bei der Batterieproduktion. "Wichtig ist für unser Land, dass wir Batterien in Großserie produzieren können." Für ihn sei die entscheidende Frage: "Glauben wir daran oder nicht?" Ein weiteres Problem sieht er in der bisherigen Kluft zwischen Ingenieuren und Informatikern. "Beide Seiten müssen voneinander lernen und sich aufeinander zubewegen", forderte er. Dass sich durch automatisierte Fahrzeuge die Zahl der Unfälle drastisch reduzieren lässt, sagte Dr. Dieter Rödder voraus, Entwicklungsleiter bei Bosch.

"Als Entwickler haben wir eine hohe Verantwortung dafür, was wir unseren Kunden zur Verfügung stellen", erklärte Rödder. Ähnlich wie Reuss plädierte Rödder dafür, dass ein Autokunde die Herrschaft über seine Daten behalten müsse. Einig waren sich die Experten darin, dass das Innovationstempo der Branche extrem angezogen hat und der Wettbewerbsdruck durch Akteure wie Google oder Apple deutlich gestiegen ist.

Autor

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carsten lange

Datum

30. November 2016
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