Abenteuer Bologna-Bari 20 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

Traumroute Bologna-Bari

Entlang der Adria

Die Fahrt über knapp 700 Kilometer von Bologna nach Bari erlaubt den Blick auf prächtige Landschaften.

Berühmt ist die italienische Ostküste für ihre Urlaubsgebiete um Rimini und Riccione. Die Adria hat aber weit mehr zu bieten. Auf der Reise von Bologna nach Bari sind prächtige Landschaften und große Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden des Landes zu entdecken. Die Autostrada Adriatica bringt die Gegensätze zusammen. Die Strecke beginnt westlich von Bologna als Abzweig von der Autostrada del Sole, die von Mailand über Florenz und Rom nach Neapel geht. Im nördlichen Bogen führt die "Adriatica" zunächst um die Hauptstadt der Region Reggio Emilia herum. Dabei ist sie zunächst in eine kostenpflichtige Hauptstrecke und eine kostenfreie Nebenfahrbahn getrennt. Letztere bewältigt den stauträchtigen Nahverkehr, sodass man als Durchreisender in den hektischen Zeiten meist unbehelligt bleibt. Bologna ist eine stolze und vornehme Stadt. Lange vor unserer Zeitrechnung von den Etruskern gegründet, voller historischer Raritäten und mit vielen durch Arkaden überdachten Einkaufsmeilen. Stolz ist man dort auf die älteste Universität Europas. Knapp 400.000 Menschen leben hier, Schwerindustrie und Unternehmen mit Zukunftstechnologien bieten gute Arbeitsplätze.In südöstlicher Richtung geht es weiter Richtung Meer. Die Adriatica, kurz A 14, führt parallel zur alten Römerstraße Via Emilia, heute die SS 9, die alte Städte wie Imola, Faenza, Forli und Cesena in dichtem Abstand miteinander verbindet. Hier ist die Autobahn noch großzügig ausgebaut: dreispurig mit Pannenstreifen, dazu absolut flach. Der Fluss Po hat in seiner langen Vergangenheit eine weite Ebene ausgewaschen. Köstliche Heißgetränke und Snacks zu erschwinglichen Preisen Obwohl die privaten italienischen Autobahnen schon seit den 50er-Jahren Maut kassieren und damit ein Vermögen gemacht haben müssen, ist der verkehrsgerechte Ausbau der Rastanlagen längst weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückgeblieben. Zusätzlich verschärft wird die Lage, weil die Polizei das früher übliche Parken in Pannenbuchten oft nicht mehr toleriert. Als Alternative zum Pausieren auf diesem Abschnitt empfiehlt sich ein großes Gewerbegebiet hinter der Zahlstelle der Ausfahrt Cesena Nord (Navi: Via Anna Kuliscioff). Dort gibt es für Eilige einen Fahrerimbiss und für Hungrige ein gemütliches und erschwingliches Fahrerlokal. Wenn man in Italien einkehrt, ganz gleich ob an oder neben der Autobahn, darf man sich an köstlichen Heißgetränken und leckeren Snacks zu vollkommenen realen Tarifen erfreuen. Das gute Beispiel hier lässt den häufigen Wucher von Kaffeepreisen und Rastkosten in den deutschsprachigen Ländern noch befremdlicher wirken. Nach rund 120 Kilometern kommt erstmals das Adriatische Meer in Sicht. An dem noch flachen Stück der Küste ist Tourismus das absolute Hauptgeschäft. Einst war Rimini römische Garnisonsstadt im Kampf gegen die Goten, heute fallen hier in der warmen Jahreszeit Heerscharen von Deutschen und Russen zum Urlauben ein. Knapp neben der Autobahn passiert man bald noch den Zwergstaat San Marino. Ein Stück weiter führt ein Abzweig in die Hafenstadt Ancona. Die Stadt wurde schon fast 400 Jahre vor Christus von Griechen erschaffen. Heutzutage ist sie ein bedeutender Fährhafen zu den Küsten ihrer Gründer. Wenn man mit dem Lastwagen auf ein Schiff warten muss, gelangt man mit wenigen Schritten in das muntere Stadtleben. Der Südosten ist ein landschaftlicher Traum Weiter auf der Autobahn Richtung Südosten wird es hügeliger, und die Autobahn ist nur noch zweispurig. Landschaftlich ist diese Strecke ein Traum, herrlich anzusehen mit den verschneiten Gipfel der Bergketten im fernen Hintergrund. Für die Straßenbauer war die Errichtung der A 14 eine Herausforderung. Davon zeugen zahlreiche Tunnelbauwerke auf dem Abschnitt bis Pescara, deren Länge zusammengezählt auf fast 20 Kilometer kommt. Lobenswert ist das Verkehrsmanagement der privaten Autobahn­gesellschaft. Zahlreiche Servicefahrzeuge patrouillieren ständig und leisten schnelle Hilfe. Das ist auf der stark befahrenen A 14 aber auch wichtig, zumal es häufig Baustellen mit nur einer Fahrbahn je Richtung gibt. Gute Infos und Verkehrskameras findet ihr auf der Webseite. Die Staatsstraße SS 16, die parallel an der Küste entlang führt, ist nur zum Essen gehen oder Einkaufen eine Alternative. Wirklich vorwärts kommt man auf ihr nicht wegen der unzähligen Ortsdurchfahrten. Die Hafenstadt Pescara wird von der Autobahn in weitem Bogen umfahren. Leider sind größere Städte auch mit Vorsicht zu genießen, je weiter man in den Süden kommt. Italiens gesamte Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren arg gelitten, offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei 12,5 Prozent, nach anderen Berechnungen bei bis zu 20 Prozent. Das schafft den Nährboden für allerlei Kriminalität. Für denjenigen, der in dieser Gegend in Ruhe rasten will, folgender Tipp: Das Städtchen Ortona nahe Pescara hat einen für Lkw zugänglichen Industriehafen (Wegweisung von der Zahlstelle in Richtung porto), von dem aus man auf steiler und kurzer Strecke zu Fuß in das schöne Zentrum mit seiner Zitadelle oben auf dem Berg kommt. Italiens Wirtschaft verzeichnet ein zartes Wachstum Ein Stück weiter, vor Vasto, wechseln viele Lastwagen auf die Landstraße. Erstens wird die Landschaft nun wieder flacher und zweitens führt die Straße durch eher dünn besiedeltes Gebiet, sodass man nun auf der SS 16 auch ohne Mautkosten zügig vorankommt. Die nächste Großstadt ist Foggia mit rund 150.000 Einwohnern und einer lebendigen Fußgängerzone. Drumherum liegt fruchtbares Land. Die Tiefebene hier gilt als landwirtschaftliche Kornkammer. Noch ein guter Tipp: Kurz vor Termoli lohnt es sich, auf die Trasse der alten SS 16 zu fahren, von der Ausfahrt Nord auf der Zweispurigen entlang der Küste wieder drei Kilometer nordwestlich von der Stadt weg. Hier haben Luigi und Jolanda kürzlich die Esso Station übernommen. Ihre Gastfreundschaft ist wunderbar, es gibt Brot mit Schinken und Käse, Pizza, Süßigkeiten und Wein. Gerade sind die Duschen erneuert und eine Videoüberwachung installiert worden – ein guter Ort auch für eine längere Pause. Hier treffe ich Ralf Scharte und Hans Abel. Der eine ist Disponent bei Röhlich in Marktoberdorf, der andere Pensionär und seit 31 Jahren aus Freude am Fahren feste Aushilfe bei derselben Firma. Für beide ist die Tour weit in den Süden größtes Vergnügen, immer wieder gehen die alten Freunde zwischendurch gemeinsam auf Achse. Ralf bezeichnet Hans gar als seinen Ziehvater. Die gemeinsame Tankstellenrast wird zum unvergesslichen Erlebnis. Ab Cerignola geht es auf der SS 16 dann durchgehend vierspurig weiter. Entlang der Küste liegen kleinere Städte wie Bari, Trani oder Molfetta. Wer es gerne etwas ruhiger als in großen Orten wie Bari hat, dem sei das nahe gelegene Bisceglie mit seinem malerischen Hafen empfohlen. In den Restaurants zeigen die Italiener auf eindrucksvolle Weise, wie sie mit ihrer Liebe zu Lebensmitteln die köstlichsten Speisen zaubern, und das auch noch zu vernünftigen Preisen. Bari selbst präsentiert sich dem Besucher als nicht besonders einladend. Die rund 320.000 Einwohner der Hauptstadt der Provinz Apulien erleben jedes Jahr zwei Millionen Fährpassagiere auf der Durchreise nach Griechenland und in die verschiedenen Balkanstaaten. Mit den ganzen Vororten kommt der Ballungsraum um Bari sogar auf eineinhalb Millionen Einwohner. 2015 hat Italien nach finanziellen Krisenjahren erstmals wieder ein zartes Wachstum verzeichnet. Man wünscht dem Land, dass nicht nur der Norden, sondern auch der ärmere Süden davon profitieren wird.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 06/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

24. Mai 2016
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