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Fehrenkötter-Test: Kulanzverhalten nicht überall gleich

Schon im eigenen Interesse wünschen Speditionschef Joachim Fehrenkötter und Speditionsleiter Robert Theis ihren sieben Lastzügen im Praxistest alles Gute. Pannen kosten schließlich Geld. Selbst wenn die Hersteller sich bei der Behebung des Defektes kulant zeigen, bringt der Lastzug während der Standzeit in der Werkstatt keinen Ertrag.

Die sieben Motorwagen von sieben verschiedenen Herstellern im Fehrenkötter-Fuhrpark sind zum Stichtag der Abrechnung beinahe genau zwei Jahre alt und haben um die 300.000 Kilometer auf den Uhren. Genauer gesagt: Der DAF XF markiert mit 291.000 Kilometer Laufleistung das untere Ende, der Actros mit 333.500 das obere.

Auch jetzt, nachdem die Lkw allesamt weitgehend stabil laufen, sind Kulanz und Servicequalität der jeweiligen Fahrzeughersteller die großen Themen für Firmenchef Fehrenkötter und Speditionsleiter Theis.

Große Unterschiede bei der Kulanz

Hierbei kommen deutliche Unterschiede bei den sieben Marken zutage. Da wäre Renault Trucks. Das Unternehmen zeigte sich sehr kulant, zuletzt bei der Reparatur der Lenkschubstange und dem Ersatz der Wasserpumpe. Die Kosten dafür übernahm der Hersteller.

Einseitig abgefahrene Reifen verrieten, dass die Lenkung zu viel Spiel hatte. Zudem versagte das Kühlerthermostat, was die Motortemperatur in die Höhe trieb. Übrigens sorgte die Motorkühlung nicht zum ersten Mal für Probleme, die Werkstatt hatte den Kühlmittelstandsensor schon ein halbes Jahr zuvor tauschen müssen.

Unterm Strich liegt der Premium bei Reparatur und Wartung mit knapp 5.300 Euro Kosten im hinteren Mittelfeld. Insgesamt 13-mal rückte der Franzose seit Beginn des Tests in die Werkstatt ein, siebenmal davon außerplanmäßig; Gewaltschäden stets außen vor gelassen.

Teurer Iveco Stralis

Teurer ist mit rund 6.300 Euro nur der Iveco Stralis. Verhältnismäßig viel Geld musste
die Spedition für den Wartungsdienst M2 bezahlen. Ordentlich zu Buche schlug obendrein die Reparatur der Standheizung. Die Werkstatt führte den Defekt auf mangelhaften Treibstoff zurück. Der Fahrer habe jedoch immer herkömmlichen Markendiesel getankt, widerspricht der Speditionsleiter.

Beide Schäden sind schuld, dass der Iveco in dieser Disziplin zumindest vorübergehend auf den letzten Platz rutscht. Und hätte Iveco gerade zu Beginn des Tests nicht so kulant gehandelt, wer weiß, welche Kosten dann aufgelaufen wären - etwa für die Reparatur des Turbos. Ebenfalls 13-mal musste der Stralis in der Werkstatt vorfahren oder unterwegs wieder flottgemacht werden. Im Gegensatz zum Premium jedoch nur viermal turnusgemäß. Die meisten Pannen passierten im ersten Jahr des Tests. Theis attestiert dem Stralis zum zweiten Geburtstag, dass das Fahrzeug inzwischen sauber läuft.

DAF sehr kundenfreundlich

Auch bei DAF wurden seit Beginn des Tests zahlreiche Arbeiten ohne Kosten für die Spedition erledigt, zuletzt am Anlasser. »Es ist nicht üblich, dass der Hersteller nach zwei Jahren noch die Kosten für eine derartige Arbeit übernimmt«, sagt Theis. Ohnehin wickelten die Niederländer gerade zu Beginn des Tests oft Arbeiten auf Garantie ab, weswegen der DAF als Zweitbester die Disziplin Reparatur und Wartung absolviert.

Doch selbst wenn kein Geld den Besitzer wechselt, belasten Ausfalltage das Transportunternehmen. 1,5 Tage dauerte eine aufwendige Reparatur am Motor samt Einund Ausbau unter anderem von Getriebe und Kupplung. Sie kostete allerdings nur knapp 650 Euro, weil DAF einen Teilbetrag aus Kulanz erstattete. Bei der turnusgemäßen Wartung des XF105 war aufgefallen, dass der Motor nahe am Kompressor Öl verlor. Bis zum Stichtag mussten Mechaniker 18-mal an den XF105 ran, siebenmal davon wegen turnusgemäßer Wartungen.

MAN-Werkstätten können nicht überzeugen

Am MAN bereitete das kundenspezifische Modul (KSM) öfter Probleme. Diese beseitigte MAN stets auf Garantie und nach zwei Anläufen auch auf Dauer. Dennoch ist Theis mit der Leistung der MAN-Werkstätten nicht zufrieden. »MAN hat entlang unserer Routen im Ausland ein Werkstattproblem«, kritisiert Theis. Das sei gerade deswegen schade, weil das Auto ihn an sich überzeuge.

Ein Beispiel: Das Fenster auf der Fahrerseite löste sich aus der Halterung. Eine Schiene hatte sich losgerappelt und purzelte in die Tür. Dabei kappte sie zwei Kabel, was zu einem Stromausfall am Armaturenträger führte. In Le Mans suchte der Fahrer eine MAN-Vertragswerkstatt auf. Der Defekt schien behoben, der Fahrer machte sich wieder auf Achse. Nach nur 1,5 Stunden erlosch der Armaturenträger erneut. Erst in Deutschland, am Tag darauf, schafften es die MAN-Mechaniker, den Defekt endgültig zu beseitigen.

MAN Deutschland erteilte über den Betrag der Rechnung aus Le Mans eine Gutschrift. Es ist nicht das erste Mal, dass eine französische MAN-Werkstattder Spedition eine saftige Summe in Rechnung stellte. Rund ein halbes Jahr zuvor musste der Fehrenkötter-Fahrer in den Pyrenäen an einem Sonntag die Batterien tauschen lassen, was mit beinahe 2.800 Euro zu Buche schlug. Auch hier übernahm MAN Deutschland nachträglich mit 1.500 Euro einen Großteil der Rechnung.

Eine Rechnung aus Spanien für Arbeiten am KSM über 630 Euro übernahm MAN sogar vollständig. Mit insgesamt 19 Werkstattstopps, darunter fünf turnusgemäße Wartungen, rangiert der Münchner im hinteren Feld.

Scania mit hohem Preisniveau

15-mal suchte der Scania die Werkstatt heim, sechsmal war es nur Routine. Die Kosten für die Maßnahmen lagen im Mittelfeld, aber die turnusgemäßen Serviceleistungen waren nicht billig. »Wer einen Scania kauft, weiß, dass Kauf, Reparatur und Wartung teurer als bei anderen Marken sind«, kommentiert der Fuhrparkchef. Ähnliches gilt für den Mercedes, allerdings nur, was den Kaufpreis angeht. Reparatur und Wartung schlugen aber nicht übermäßig zu Buche. Das beschert ihm bei den Kosten für Reparatur und Wartung den ersten Platz.

Im vergangenen halben Jahr fielen nur Service und kleinere Reparaturen an. Davon über die gesamte Laufzeit aber einige: 17 Stopps, vier davon Routine - das ist wiederum hinteres Mittelfeld. Daimler zeigte sich bei gravierenden Problemen wie der defekten Motorkupplung kulant, die Kleinigkeiten ärgern Theis jedenfalls nicht. »Ein unauffälliges Auto«, urteilt er.

Volvo FH mit nur zehn Werkstattstopps

Am besten meisterte der Volvo FH die Disziplin: zehn Stopps, sechs davon nur Routine zu Kosten von rund 3.000 Euro, also etwas teurer als der Actros. »Ein ausgereiftes Auto«, lobt der Speditionsleiter. Ärgerlich sei nur der Defekt an den Sperrstiften zur Synchronisierung der Split-Gruppe, den Volvo auf Garantie repariert hat. Immerhin drei Tage Ausfallzeit schlagen negativ in der Fahrzeugbilanz zu Buche. Dafür ist der Spritverbrauch des FH vergleichsweise niedrig, nur noch unterboten vom Renault Premium. Hinzu kommt ein günstiger Kaufpreis. Das ergibt die zweitbesten Gesamtkosten.

Der Premium profi tiert bei den festen Kosten noch vom niedrigsten Kaufpreis. Dafür verfügt er aber auch über die kleinste Kabine im Feld, was den Fahrer störte. Gleichfalls sehr gute variable Kosten führt der Actros ins Feld. Aufgrund des hohen Einstandspreises verharrt er dennoch auf einem Platz im Mittelfeld. Am TGA verblüfft Theis der hohe Verbrauch. »Ich kann mir das nicht recht erklären. Der Fahrer ist top«, erklärt Theis. Unterm Strich sind die Gesamtkosten aufgrund der niedrigen festen Kosten dennoch gut.

Das Mittelfeld ergänzt der Stralis mit gleichfalls günstigen festen Kosten. Nur einen halben Liter weniger Sprit als der TGA verbrauchte der DAF, der dazu noch teurer in der Anschaffung ist. Noch vor dem DAF landet der Scania, dem der hohe Einstandspreis die Bilanz verhagelt. Dazu kommt obendrein ein hoher Verbrauch. Das Wichtigste für Theis ist aber letztendlich, dass die Lastzüge rollen. So bleibt nach zwei Jahren und 300.000 Kilometern quer durch Europa das Fazit: Alles gut zum Geburtstag - zumindest fast alles.

Foto

Renault Trucks

Datum

26. Februar 2010
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