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Transport im Kombinierten Verkehr: Das kommt in die Tüte

Vom niedersächsischen Acker bis zur lombardischen Chipsfabrik: trans aktuell hat einen Transport im Kombinierten Verkehr begleitet.

Wer erinnert sich nicht gern an den letzten Italienurlaub – die kleine Osteria mit den Tischen vor dem Haus, das Glas Vino oder Aperol Spritz am Abend, das Tellerchen mit Oliven oder Chips? Dazu beigetragen haben eine ganze Reihe von Leuten, etwa in Bremen, Frankfurt, München, im Rahmen eines gut abgestimmten Prozesses, der sich Logistik nennt.

Alles fängt an einem sonnigen Tag in Niedersachsen an: Auf den Feldern des Hofguts Sandering in Helmsloh ist die Kartoffelernte in vollem Gange. Betriebsleiter Marco Süllow überwacht die nachfolgenden Arbeitsschritte: Nach der automatischen Sortieranlage lesen nochmals fleißige Hände defekte Knollen und Pfanzenteile aus. Das Agrarunternehmen hat auf dem Hof Lagermöglichkeiten für 25.000 Tonnen Ware mit der für Kartoffeln perfekten Lagertemperatur von sieben Grad.

Heute werden die Kartoffeln der Sorte Lady Rosetta aber direkt in Big Bags zu je einer Tonne Gewicht verpackt und in den bereitstehenden Lkw verladen. Auftraggeber Bernhard Kleer vom Friedrich Fangmeier Agrarhandel– die Firma aus Diepholz ist internationaler Spezialist für Chipskartoffeln und exportiert bis nach Südostasien – hat die Ware an einen Kunden im Ausland verkauft. Wenn möglich, setzt der Großhändler auf den intermodalen Transport: "Da wir auch im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv sind, ist es ein zusätzlicher  Pluspunkt aus Kundensicht, dass wir auch nachhaltige Wege beim Transport gehen." Rund 200.000 Tonnen Chipskartoffeln bezieht das Unternehmen von Partnern, die etwa 60 bis  80 Kilometer rund um Diepholz anbauen. Allein dafür werden schon 8.000 Lkw-Ladungen benötigt.

Eigene Lkw unverzichtbar

Transportpartner von Fangmeier ist Paneuropa Rösch mit Sitz in Vechta. Das Unternehmen hat 158 Mitarbeiter, 60 Millionen Umsatz und nutzt für rund
80 Prozent seiner Transporte den Kombinierten Verkehr (KV). "15 Prozent machen dabei die Lebensmitteltransporte aus", sagt Paneuropa-Exportleiter Mario Stömer: Schinken, Tiefkühlpizza oder auch Cornflakes setzt Paneuropa auf die Schiene. Insgesamt bis zu 22 Komplettzüge laufen pro Woche für das Unternehmen. Dennoch bilden die 90 eigenen Sattelzugmaschinen das Rückgrat des Transportunternehmens. ­Eines der Fahrzeuge transportiert die Kartoffeln von Fangmeier in einem Kühlauflieger direkt zum 80 Kilometer entfernten Terminal der Roland Umschlagsgesellschaft für kombinierten Güterverkehr im Bremer Güterverkehrszentrum (GVZ).

100.000 Ladeeinheiten schlägt das Terminal jedes Jahr um, dazu kommen nochmals rund 100.000 Container – und nach oben ist weiter Platz, wie der geschäftsführende Gesellschafter Christoph Holtkemper erzählt. Neben Schienenverbindungen zu den Seehäfen Bremerhaven, Hamburg sowie seit einiger Zeit auch Wilhelmshaven bietet das Roland-Terminal erfolgreich Hinterlandverbindungen in den Süden Deutschlands, in die Schweiz und nach Italien an. Den Weg retour, nämlich in den Süden, nehmen die Kartoffeln aus Niedersachsen: Der Kranführer im Terminal verlädt innerhalb weniger Minuten den Kühlauflieger auf den unternehmenseigenen Ganzzug, den Paneuropa gemeinsam mit der Bremer Spedition Terratrans sechsmal wöchentlich organisiert und der von dem KV-Operateur Kombiverkehr betrieben wird. Die geplante Laufzeit Bremen–Verona beträgt 48 Stunden. Um 20 Uhr hat Zug 42179 Abfahrt in Bremen.
750 Kilometer weit fährt der Zug und kommt um 9.30 Uhr am folgenden Morgen in München an. Dort ist Lokführerwechsel: Maximilian Saller übernimmt den Zug aus Norddeutschland und führt die Abfahrtskontrolle durch. Saller arbeitet sowohl als Lokführer als auch im Vertrieb bei dem Münchner Unternehmen, das als Schienentraktionär im Auftrag von Kombiverkehr den Zug bis zur italienischen Grenze ziehen wird. Aktuell rund 200 Züge je Woche bringt Kombiverkehr nach ­Italien, den Großteil davon über die Brennerverbindung. 2014 waren das rund 213.000 Sendungen, gemessen am Gesamtaufkommen wurde fast jede vierte Sendung über den Brenner transportiert.

Gegen 12 Uhr startet Saller die Lok. Damit der Zug mit seinen 32 Wagenlängen auch die Steigungen durch die Alpen schafft, sind zwei Loks mit zusammen knapp 14.000 PS angehängt – bei einem Ladungsgewicht von 837 Tonnen und einer Zugkraft von 300 Kilonewton schafft der Zug so eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 110 km/h. Während der Zug durch das Alpenvorland fährt, kommen ihm im Gegenverkehr auf der Schiene einige Fern- und Regionalzüge, aber mindestens doppelt so viele Güterzüge entgegen.

Gesamtfahrzeit: 1:26 Stunden von Kufstein zum Brenner

Den Bahnhof in Kufstein in Sicht, holt Lokführer Saller sein Tablet aus der Tasche: Während die deutsche Bahn noch Fahrpläne auf Papier ausdruckt, setzen die Österreicher auf sogenannte Muster, die den Fahrplänen ähneln, aber flexibler sind, und die auf Tablets aufgespielt werden können. Muster 4131 von Kufstein nach Brenner sieht eine Gesamtfahrzeit von 1:26 Stunden vor.

15:15 Uhr, leichter Schneefall am Brenner. Saller fährt das längere Gleis 12 an, weil die Zuglänge heute statt 600 Metern 604 Meter beträgt. Er schaltet schon mal auf den italienischen Stromabnehmer und die italienische Zugsicherung um. Da öffnet sich bereits die Tür der Lok: "Ciao!", sagt der italienische Kollege von der Partnerfirma Rail Traction Company, der die interoperable Lok ab hier übernimmt. Um 20 Uhr kommt Zug 42179 an seinem vorläufigen Zielort an – Terminal Interporto Verona Quadrante Europa.
Am nächsten Morgen ist wieder ein Paneuropa-Lkw zur Stelle, der den Auflieger aus Deutschland am Terminal anhängt. Es geht weiter in das rund 40 Kilometer entfernte Castiglione delle Stiviere in der Provinz Mantua, auf den Hof des Snackherstellers Pata. Nach der Verwiegung und der Probenentnahme wartet der Fahrer, bis er grünes Licht für die Entladung bekommt. Die Pata-Mitarbeiter gehen routiniert zur Sache – insgesamt knapp 25 Tonnen niedersächsische Kartoffeln kullern aus den Säcken und werden auf große Kunststoffkisten verteilt.

Ihrem Schicksal begegnen sie ein Stockwerk höher, im Produktionsbereich: Gewaschen, geschält und in Scheiben geschnitten, werden sie in 150 Grad heißem Öl frittiert, danach gesalzen und verpackt. 300 Tonnen Kartoffeln verarbeitet der Hersteller hier jeden Tag zu 100 Tonnen Chips, die an Supermärkte, Gastronomie und Tankstellen geliefert werden. "„Una bella storia Italiana", heißt einer der Werbesprüche des Snackherstellers – eine schöne italienische Geschichte. Möglich gemacht durch Logistik made in Germany.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

8. Oktober 2015
5 4 3 2 1 5 5 1
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