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Transport: Brüssel muss handeln

Die europäische Politik müsste sich auf drei Problemfelder konzentrieren – die steigenden Kosten, die negative Umweltbilanz und den Personalmangel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der EU-Kommission.

Noch rangiert die europäische Güterverkehrslogistik über dem weltweiten Durchschnitt, aber das muss nicht so bleiben. Bereits jetzt wird sie von Japan und den USA klar in den Schatten gestellt, hält die Untersuchung fest, die von den Beratungsgesellschaften Ecorys, Fraunhofer, TCI, Prognos und AUEB-RC/Translog erstellt wurde. Zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten gibt es dabei ein starkes Gefälle. So fallen insbesondere die osteuropäischen Länder beispielsweise in Bezug auf ihre Infrastruktur weit zurück. Die drei Problembereiche, die die Experten ausgemacht haben, seien nicht nur eine vorübergehende Erscheinung, sondern blieben dem Sektor strukturell auch in Zukunft erhalten.

Die Logistikkosten sind zwischen 2006 und 2012 im Straßentransport um 19 Prozent angestiegen, im Schienenverkehr waren es 13 Prozent, die Binnenschifffahrt war mit 18 Prozent und der Seeverkehr mit 19 Prozent dabei. Getoppt wurden alle von der Luftfracht mit 23 Prozent. Ausschlaggebend dafür waren auch steigende Personal- und Treibstoffkosten. Kosten, die auch durch Leerfahrten, sinkende Auslastung und längere Transportzeiten aufgrund von Staus auf Autobahnen oder an Terminals verursacht seien, ließen sich verringern. Von Land zu Land unterschiedliche Vorschriften könnten stärker vereinheitlicht werden.

Grundsätzlich gebe es zu wenig Innovationen, so die über 400 Seiten umfassende Studie. Die Haltung des Sektors sei zu viel "business as usual", was auch an seiner Kleinteiligkeit liegen könne. So seien Flottenmanagern Systeme zur Optimierung des Fahrzeugeinsatzes unbekannt, viele kleine Unternehmen wüssten nicht, wie man ­Verkehrsträger vorteilhaft kombiniere. Die Interoperabilität müsse aber auch infrastrukturseitig verbessert werden, um Verkehre von der stauanfälligen Straße zu verlagern.

Intermodale Transportinfrastruktur fehlt

Eine Befragung in der Branche hatte ergeben, dass 72 Prozent der Interessenvertreter das Fehlen von intermodaler Transportinfrastruktur als bedeutendes Problem sehen, 68 Prozent beklagten einen Mangel an gut vernetzter Infrastruktur. Für 68 Prozent sind aber auch die steigenden Energiekosten eine Erschwernis, zunehmende Staus sowie zu viel Verwaltungsaufwand beklagen 63 Prozent.

Das zweite Problem seien negative Umweltauswirkungen durch Energieverbrauch und CO2-Emissionen. So wurden 2007 rund 24 Prozent der in der EU emittierten Treib-hausgase dem Transportsektor zugeschrieben. An erster Stelle steht dabei der Flugverkehr, gefolgt von Straße und Schiff. Die Schiene schneidet etwas besser ab. Die Langlebigkeit von Schiffen oder Zügen verhindere aber die Einführung neuer Technologien. Hier könnte man mit Steuermaßnahmen eingreifen.

Bessere Koordination zwischen Verlader und Transporteur

Negativ wirkten sich auch die Rücksendungen von Online-Bestellungen auf die Umwelt­bilanz aus. Als Gegenmaßnahme müssten die Verbraucher sensibilisiert werden, außerdem gelte es die Koordination zwischen Verladern und Transporteuren zu verbessern. Nach wie vor würden zudem die externen Kosten nicht in die Transportpreise einberechnet. Hier sei eine Regulierung erforderlich.

Ein weiterer Knackpunkt sei die fachliche Qualifika­tion der Mitarbeite angesichts schrumpfender und überalterter Gesellschaften. Der Fahrermangel wurde bereits 2008 EU-weit auf etwa 75.000 Kräfte geschätzt. Mit der Wirtschaftskrise wurde das Problem zunächst abgeschwächt, ist aber nicht behoben. Analytische und IT-Kenntnisse würden in der Branche immer bedeutender, was einen niedrigschwelligen Einstieg in das Arbeitsfeld der Logistik erschwere. Es fehlten angesichts von zunehmender Automatisierung auch qualifizierte Logistikmanager.

Um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, sehen die Experten die EU-Kommission in der Pflicht: "Die Analyse hat ganz klar gezeigt, dass die Europäische Kommission eine neue mittel- bis langfristige Logistikpolitik entwickeln muss." Eine bloße Fortführung des EU-Aktionsplans aus dem Jahr 2007 reiche nicht aus. Stocke man ihn lediglich durch einzelne Maßnahmen auf, überlasse man Entwicklung und Innovationen im Wesentlichen dem Markt.

Logistikmarkt unterstützen

Die Autoren plädieren aber dafür, dass die Kommission die Richtung zur Lösung der Branchenprobleme vorgibt, auch wenn als Nebeneffekt die Freiheit des Marktes eingeschränkt wird. Ziel müsse es sein, den Logistikmarkt durch ein Bündel von Maßnahmen besser zu unterstützen. Diese Vorgehensweise wäre die effektivste, erfordere aber auch am meisten finanzielle Unterstützung und einen vorausschauenden Aktionsplan.

Die Leerfahrten

Einer der Gründe für ansteigende Leerfahrten ist der Studie zufolge der E-Commerce. Um Kunden zu binden, seien mehr und mehr Internet-Shops dazu übergegangen, kostenlose Rücksendungen anzubieten. Untersuchungen aus den USA hätten gezeigt, dass Verbraucher zwischen 58 Prozent und 357 Prozent mehr Geld ausgeben, wenn die Retouren nichts kosten. Diese Möglichkeit werde zunehmend genutzt, hat "Ecology of Shopping 2020", ein Forschungsprogramm mit 460 Experten in 19 Sektoren, herausgefunden.

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DPD; Montage: Mannchen

Datum

7. Mai 2015
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