Alles über transport logistic 2013
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trans aktuell-Symposium: Erfolgsrezepte der Speditionsbranche

Fahren Speditionen besser mit standardisierten oder kundenspezifischen Leistungen? Beide Bereiche haben ihren Charme und bergen gleichermaßen Risiken, wie ein Symposium von trans aktuell, Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VLS) und Hochschule Heilbronn in München zeigte.

Wer Unternehmer ist, darf das Risiko nicht scheuen. Erst recht nicht, wenn er sich in den Bereichen Transport und Logistik betätigen will. Dort ist das Risiko besonders hoch - die Branche gilt als diejenige mit der höchsten Insolvenzgefahr. Um so mehr müssen Spediteure ihre Geschäftskonzepte ständig hinterfragen.

Welche Aktivitäten sind zukunftsträchtig und werfen gute Renditen ab, und von welchen sollte man sich tunlichst trennen? Leider gibt es darauf keine verbindliche Antwort. Der Erfolg kann in der Nische liegen. Der Erfolg kann aber auch im Standardgeschäft liegen. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht.

Symposium der Praktiker

Das zeigte sich bei einem Symposium von trans aktuell, der Hochschule Heilbronn (HHN) sowie dem Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) auf der Messe Transport Logistic in München. Praktiker beider Lager stellten vor, wie sie sich im Wettbewerb erfolgreich behaupten.
 
Prof. Dr. Dirk Lohre vom Studiengang Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik an der HHN gab daher bewusst keine Empfehlung ab, für welchen Bereich sich Speditionen entscheiden sollten. So können sich Logistiker mit kundenspezifischen Leistungen gut vom Wettbewerb abheben. In den jeweiligen Nischen gibt es tendenziell weniger Marktbegleiter und damit gegebenenfalls auskömmlichere Preise. Auch müssen Kontraktlogistiker nicht zwanghaft wachsen. Ganz anders die Spezialisten für Systemverkehre: Sie können sich aufgrund der standardisierten Prozesse kaum über ihre Leistungen differenzieren. Dafür profitieren sie erheblich von Skaleneffekten. Mehr Volumen steigert die Wirtschaftlichkeit. "Das fördert den Zwang zur Größe", erklärte Lohre. Es kommt seiner Ansicht nach also nicht von ungefähr, dass sich die zehn stärksten Akteure im Markt drei Viertel des Umsatzes teilen. In der Kontraktlogistik ist dagegen Vielfalt Trumpf. Dort verhält es sich bei der Umsatzverteilung genau umgekehrt: Die zehn größten Unternehmen stehen zusammen gerade mal für ein Viertel der Erlöse.

Duvenbeck setzt auf professionelle IT

Ob individuell oder standardisiert: In jedem Fall müssen Unternehmen ihr Handwerk beherrschen. Im ersten Fall ist Flexibilität, hohe Fachkenntnis und Riskikobereitschaft gefragt, im zweiten eine hohe Netzqualität und eine leistungsfähige IT. Ebenfalls unverzichtbar sind hier vorgegebene Prozesse und ein ausgereiftes Controlling. Im Idealfall hat das Unternehmen jeden Lkw in Echtzeit im Blick - so wie die Unternehmensgruppe Duvenbeck aus Bocholt. Eine entsprechende IT ist dabei das A und O. "Eben erst haben wir fünf weitere Programmierer eingestellt", erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter Thomas Duvenbeck. Dadurch verschafft sich die Gruppe einen Wettbewerbsvorteil und geht auf Nummer sicher.

Zwar weicht das Unternehmen zunehmend vom Standard ab, indem es individuelle Logistikleistungen anbietet. Auf konsequente Standardisierung setzt es aber in der Flotte. "Unsere Fahrzeuge haben keine Truckeranmutung", betont Duvenbeck. Er verzichtet auf Spoiler und zustätzliche Lampen und setzt auf 360 PS-Zugmaschinen, die bei 83 Kilometer pro Stunde abriegeln. Zum guten Ton des Hauses gehört es, dass die Lkw gekauft werden. Für Spezialequipment gibt Duvenbeck nur dann Geld aus, wenn der Auftraggeber ihm einen Drei- bis Fünfjahresvertrag anbietet. Einen Lang-Lkw holt sich das Unternehmen deshalb ebenfalls nicht in die Flotte. Da seine Fuhrparkverantwortlichen die Lkw jederzeit im Blick und die Kosten im Griff haben, steht Duvenbeck weiterhin uneingeschränkt zu seiner großen Flotte. "Ich bin froh um jeden Lkw", bekräftigte er.

Spedition Lakner ist ein Elvis-Fan

Froh um ihre 100 Lkw ist auch die Spedition Lakner aus Schwäbisch Gmünd. Denn das Unternehmen kann nicht zuletzt aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der Ladungskooperation Elvis seine Fahrzeuge noch effizienter einsetzen. Das Netzwerk steht für Standardisierung wie kaum ein anderes - und gilt als die Referenz schlechthin in Sachen Industrialisierung. Für Lakner-Geschäftsführer Rolf Scheifele ist dieser Weg nur konsequent: "Denn das Produktionsmittel Lkw wird am Tag nur zu 27 Prozent genutzt", sagte er. Hier gelte es den Hebel anzusetzen, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Die Fahrzeuge sollen getaktet sein und im Idealfall rund um die Uhr laufen.

Eine Erfolgsgeschichte ist für Lakner-Mann Scheifele auch das vor zwei Jahren bei Elvis in Betrieb genommene Netzwerk für Teilpartien, das inzwischen mehr als 100 Linien bedient. Das Zentralhub in Knüllwald setze Maßstäbe in Richtung Effizienz: Jede Nacht werden dort mindestens 1.000 Tonnen umgeschlagen. Im Schnitt ist jeder Lkw in 13 Minuten entladen. Längst hat das Netzwerk für Teilpartien eine europäische Anbindung: Über Knüllwald laufen inzwischen schon Verkehre von Spanien bis nach Finnland.

Fels in der Brandung für den Kunden

Auf Individualität hingegen setzt die Spedition Fels aus Heidelberg mit ihren zehn Lkw. Spezialgebiet des Unternehmens sind Maschinen- und Umzugstransporte, die mit einem Höchstmaß an Individualität verbunden sind. "Das beginnt damit, dass unsere Außendienst-Mitarbeiter zum Kunden gehen und sich ein Bild von den Örtlichkeiten machen", sagt Geschäüftsführer Thomas Beck. Wie ist es um die Statik des Gebäudes bestellt, sind Absperrungen nötig und muss man mit der Anlieferung auf das Wochenende ausweichen? Das alles wird in ersten Gesprächen hinterfragt, ehe die Maschine - der Fokus liegt auf Druckmaschinen - angeliefert wird.

Auch die Zustellung gibt es nicht von der Stange: Die Fels-Mitarbeiter verpacken die Maschinenteile, fixieren sie auf speziellen Transportböden und heizen sie gegebenenfalls beim Transport, um Korrosion zu vermeiden. Fels-Chef Thomas Beck fühlt sich mit seinem 80 Mitarbeiter starken Unternehmen in der Nische wohl. Zwar besetzt er auch diese nicht allein. "Doch haben wir es tendenziell mit weniger Marktbegleitern zu tun." Und die Erfolge sprechen sich in einem überschaubaren Umfeld schnell herum - so dass auf der Habenseite laut Beck auch zufriedene Kunden und Mitarbeiter stehen. Größere Risiken muss die Fels Spedition damit auch künftig nicht eingehen - denn noch wirft die Nische gute Geschäfte und Erträge ab.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

5. Juni 2013
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