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trans aktuell-Symposium bei Karldischinger: Anforderungen an Automobillogistiker steigen

Die Räder drehen sich immer schneller. Das gilt für die Automobilindustrie und damit auch für die in dieser Branche tätigen Logistikunternehmen. Worauf sich die Dienstleister einstellen müssen, zeigte ein trans aktuell-Symposium bei Karldischinger Logistikdienstleister in Ehrenkirchen.

Um die Zukunft gut zu meistern, sollten sich die Automobillogistiker mit an die Spitze der Digitalisierung setzen. Davon zeigte sich Karlhubert Dischinger, Präsident des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), überzeugt. Derzeit gebe es aber nur einen Anteil von sechs Prozent der Vorstände und Führungskräfte in deutschen Großunternehmen, für die das Thema digitale Transformation oberste Priorität habe.

Jede Herausforderung berge Chancen, betonte Dischinger. Er erwähnte neue Techniken im Lager wie Robotics oder im Fuhrpark, wo Platooning und autonomes Fahren derzeit diskutiert würden. "Die Robotik wird ein schnell wachsender Bereich, das sieht auch der  Verband so", sagte Dischinger. Auch auf die Verbreitung des 3D-Drucks gelte es sich einzustellen.

Der Fachkräftemangel werde die Branche dazu zwingen, noch mehr in Aus- und Fortbildung zu investieren. Und auch die Löhne blieben nicht außen vor. "Wir müssen unsere Mitarbeiter mittel- und langfristig besser bezahlen", sagte der Verbandspräsident. Das werde angesichts der immer noch günstigeren Konkurrenz aus Osteuropa eine Herausforderung für den Mittelstand, der sich außerdem immer größeren Kunden gegenüber sehe.  Hier stelle sich die Frage, wie groß seine Investitionsfähigkeit sei.

Risiken und Unsicherheiten in der Automobillogistik haben zugenommen

Dischinger verschwieg nicht, dass Risiken und Unsicherheit zugenommen haben. Aber es sei schließlich die Aufgabe des Unternehmers, die Folgen dieser Risiken für die eigene Firma abzuschätzen und entsprechend zu reagieren. So lasse sich der Fachkräftemangel durch eine stärkere Attraktivität des Unternehmens abmildern und die günstigere Konkurrenz sollte dazu führen, die eigenen Geschäftsmodelle zu überdenken. Grundsätzlich gelte es, mehr in die Zukunft zu schauen, als der Vergangenheit nachzutrauern: "Mehr Fernglas als Rückspiegel", empfahl Dischinger.

Prof. Dr. Frank Bayer von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Lörrach betonte, dass die zu erwartenden Veränderungen in der Logistik massiver ausfallen werden, als angenommen. Das gelte auch für die Geschwindigkeit, mit der sie sich durchsetzten, sagte Bayer, der den Studiengang Spedition, Transport und Logistik an der DHBW leitet. Es gelte, sich auf radikale Brüche und eher nicht auf eine Evolution einzustellen. Momentan seien das Platooning, der E-Highway oder LNG als Treibstoff Vorboten einer völlig neuen Mobilität. Das autonome Fahren sei eine Chance für die Branche, nichtsdestotrotz werde es einen Fachkräftemangel auch bei Fahrern geben.

Der 3D-Druck gilt als Hoffnungsträger

Die Industrie messe dem 3D-Druck, der zu einer dezentralen Produktion führen könne, eine große Bedeutung bei, sagte der Wissenschaftler. Kontraktlogistiker könnten sie als Value-added Service in der Ersatzteillogistik anbieten. Das bedeute zwar eine geringere Anzahl von Transporten, eröffne aber die Chance neuer Geschäftsmodelle.

Eine zu erwartende Veränderung könnte laut Bayer auch eine Verringerung der Wertschöpfungs­tiefe beim Autohersteller sein. Die könne dann zum Ausscheiden des Logistiker führen – oder aber es entstehen neue Services. Eine Steigerung der Wertschöpfungs­tiefe, die nicht zuletzt aufgrund der Lieferanten-Blockade bei VW im August vorstellbar sei, bewirke eine neue Zusammenstellung der Supply Chains. Und wenn Wettbewerber wie Google auf den Markt drängten, gebe es zu ihnen zwar zunächst keine Beziehungen, sie könnten aber auch zu neuen Auftraggebern werden. Verschärfte Compliance-Vorgaben in der Lieferkette könnten schließlich zu einer besseren eigenen Aufstellung führen.

Trotz Digitalisierung braucht es das richtige Gespür

Bayer unterstrich, dass trotz aller Digitalisierung eins bei der Zukunftsgestaltung nicht verlorengehen dürfe – das sei der gute alte Geschäftssinn. "Man kann nicht alles errechnen, man braucht auch das richtige Gespür", sagte er. Ebenso unverzichtbar seien die richtigen Mitarbeiter, die flexibel und prozessorientiert seien und mitdächten. Auch eine Vernetzung zwischen Automobilindustrie und Logistikern auf unterschiedlichen Arbeitsebenen könne sich als sehr hilfreich erweisen.

Beim Automobilzulieferer Muhr und Bender (Mubea) aus Attendorn wurde die Beherrschung der zunehmenden Komplexität der Supply Chain als wichtiges Thema definiert und angegangen. So wurde gemeinsam mit einem Logistikdienstleister die Lieferkette vereinfacht und beweglicher gestaltet, berichtete der Leiter der Unternehmenslogistik, Arno Runte. "Wer seinen Informationsfluss beherrscht, beherrscht auch die steigende Komplexität der Prozesse", sagte Runte.

Er erläuterte, dass Mubea von einer Sendung alle relevanten Daten erfasst und eine Vorkontierung in Bezug auf die Leistungs-Empfänger erfolgt. Die Eingaben werden anschließend plausibilisiert. Das Ergebnis ist nicht nur eine einheitliche Kommunikation sondern auch eine Erhöhung der Qualität von Adressstammdaten sowie des Informationsgehalts der Transportdaten. Es gibt eine klare Zuordnung der Abrechnungsdaten zur Sendung und somit zum Leistungsempfänger.

Real Time-Datenbank zeigt den aktuellen Status

Eine Real Time-Datenbank, die den jeweiligen Status – wie avisiert, beauftragt oder storniert – darstellt, sorgt dafür, dass aus der Gesamtheit der Aufträge eine sofortige Optimierung erreicht werden kann. Durch die Abbildung der Sendungskosten entsteht zudem ein Bewusstsein für diese. Und bei der Beauftragung eines Frachtführers werden transport- und abrechnungsrelevante Daten mitgeliefert sowie eine Referenznummer zum Transport gebildet. So werden laut Runte beispielsweise Rückfragen in Bezug auf Durchführung und Vergütung vermieden und durch die eindeutige Zuordnung zum Auftrag wird auch die Rechnungsprüfung vereinfacht.

Eine Vereinfachung erhofft sich die Automobilbranche auch vom Thema 3D-Druck, den etwa MAN Truck & Bus bereits erfolgreich umsetzt. "Mit der generativen Fertigung kann das Kundenversprechen verlässlicher und wirtschaftlicher realisiert werden", sagte Felix Beck, Vice President Logistics Center und verantwortlich für die Ersatzteillogistik bei MAN Truck & Bus in Salzgitter. Als Pilotprojekt diente eine ZSB Liegenaufnahme, ein Kunststoffteil, das für die Schlafliege im Fahrerhaus benötigt wird.

Das Teil war seit 2014 lieferkritisch, die dafür notwendigen Werkzeuge nicht mehr vorhanden. MAN rechnete nur noch mit einem Restbedarf von 300 Stück bis 2021. "In diesem Fall waren Lieferzeit und Fixkosten der Hebel für die Entscheidung", sagte Beck auf dem Symposium. Im Vergleich zwischen konventioneller und generativer Fertigung ergab sich ein Break Even bei einer Stückzahl  von 220 Stück – statt im üblichen Spritzguss wurden die Teile also im 3D-Druck erstellt. Bis der 3D-Druck aber zum Standard wird, ist noch einiges zu tun. Laut Beck ist die Qualitätsfreigabe die größte Herausforderung – eine Werkstoffprüfung und die konstruktive Prüfung mit den Ergebnissen des Werkstoffs stehen dabei an erster Stelle.

Schmitz Cargobull und Dekra Arbeit arbeiten zusammen

Von einer Daueraufgabe kann sprechen, wer mit der Personalarbeit in der Automobilbranche betraut ist. "Gute Mitarbeiter sind wichtig, um Prozesse weiterentwickeln zu können", sagte Johannes Fischer, für den Trailerhersteller Schmitz Cargobull, Leiter der Personalbetreuung im Werk Altenberge. Eine volatile Marktlage und die Entwicklung  zum Systemanbieter seien weitere Herausforderungen. In Summe verlange all dies einen flexiblen Einsatz auch beim Personal.

Um das umzusetzen, arbeitet Fischer mit dem Personaldienstleister Dekra Arbeit auf Basis der Arbeitnehmerüberlassung zusammen. Schmitz Cargobull hat eigene Instrumente entwickelt, derer sich alle Beteiligten bedienen: Es gibt ein standardisiertes Anforderungsprofil für den Dienstleister, regelmäßige Einarbeitungsveranstaltungen für die neuen Mitarbeiter sowie Feedback-Bögen.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden Schmitz Cargobull und die geforderten Kenntnisse über die Arbeitsprozesse seien kein Problem für Dekra Arbeit, sagte  Suzana Bernhard von der Geschäftsführung der Dekra Arbeit Gruppe: Der  Standort Altenberge werde durch ein fünfköpfiges Team der Dekra Arbeit mit immer gleichen Ansprechpartnern betreut.  Über die Schwesterorganisation Dekra Akademie gebe es zudem auch ein gutes Rekrutierungspotenzial.

Ein besondere Herausforderung sei die regionale Bündelung von mehreren großen Unternehmen: "Das spitzt sich immer mehr zu – viele Unternehmen suchen damit zunehmend im gleichen Pool nach Mitarbeitern." Als seriöse Arbeitgebermarken könnten Schmitz Cargobull und Dekra allerdings bei der Mitarbeitergewinnung punkten.

IG Metall ist im Bereich industrielle Kontraktlogistik zuständig, wenn…

  • der Kontraktlogistiker seiner Arbeit auf dem Betriebsgelände eines Unternehmens verrichtet, das in den Organisationsbereich der IG Metall fällt
  • an einem Satellitenstandort der Logistiker zu mehr als 75 Prozent für ein OEM Tätigkeiten aus dem Bereich industriellen Kontraktlogistik ausübt
  • der Bereich Aftersales im Betrieb es Hersteller ausgeführt wird

Verdi ist zuständig, wenn…

  • der Kontraktlogistiker nicht im Wesentlichen nur für einen Abnahmekunden seine Arbeit ausführt
  • eine Abgrenzung nach den genannten Kriterien nicht möglich ist, wird das wirtschaftliche Gepräge betrachtet und dann entschieden.
  • der Kontraktlogistiker Leistungen wie  Fahrzeugversand (bis zum Verkehrsträger Lkw, Zug, Schiff),  Verpackung und Versand von CKD-Teilen erbringt

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karldischinger logistikdienstleister

Datum

16. November 2016
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