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Trailertelematik von Novacom Europe : Der fliegende Holländer

Novacom Europe aus Amsterdam setzt dazu an, den deutschen Markt zu erobern. Dabei greift der Anbieter auch auf das Netz des Fahrzeugvermieters GE Tip zurück.

Was ist die entscheidende Einstiegsbarriere in der Telematik? Für Ulrich Zygmanowski, Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Trailertelematik-Hersteller Novacom Europe, liegt die Sache auf der Hand: "Die meisten schreckt die doch erhebliche Anfangsinvestition in die Hardware ab."

Trailermatics gibt es zu monatlichen Festpreisen

Für den Lösungsanbieter mit ein Grund, sein Produkt namens Trailermatics zu monatlichen Festpreisen anzubieten. "Da ist dann alles drin: von den nötigen Geräten über die Nutzung des Portals und einen entsprechenden Serverplatz bis hin zu den Mobilfunkkosten für die Datenübermittlung", erklärt Zygmanowski. Zwar sei die Rate dann etwas höher, dafür aber gleichbleibend abschreibbar. "Wer es möchte, kann die Hardware aber natürlich trotzdem kaufen und somit die monatliche Belastung senken. Hier richten wir uns nach den Kunden", sagt er. Davon hat Novacom Europe schon einige namhafte gewonnen, darunter  Quehenberger und Sterac.

Mehrere Pakete mit unterschiedlichen Leistungen

Entscheidend sind aber natürlich nicht nur die Kosten, sondern vor allem die Möglichkeiten, die eine Telematik bietet. Und die sind überaus vielfältig. Daher hat das Unternehmen gleich mehrere Pakete mit unterschiedlichen Leistungen geschnürt. Die Basislösung nennt sich "Utilisation", was so viel wie Auswertung bedeutet. Um diese zu ermöglichen, sendet das im Trailer verbaute Gerät standardmäßig alle 15 Minuten ein Signal. "Wobei der Kunde diese Taktfrequenz etwa bei Sicherheitstransporten auch auf fünf Minuten heruntersetzen kann", erläutert Zygmanowski.

Ein Signal gibt es auch immer dann, wenn ein Ereignis eintritt. Diese sogenannten Events kann der Kunde festlegen. Sie reichen vom Eintreten in eine vordefinierte geografische Zone über das Öffnen einer Tür bis hin zum Stehen in einer Region, die verboten ist. Über beides kann man sich per Mail und SMS alarmieren lassen. Die Datenübertragung innerhalb Europas ist dabei inklusive.

Mobilfunkanbieter Telenor ist Partner

Novacom hat sich dazu den Mobilfunkanbieter Telenor aus Norwegen als Partner ausgesucht. Der hat in den einzelnen Ländern Roaming-Verträge mit den dortigen Telekommunikationsunternehmen. "Das Besondere bei uns ist, dass wir nicht auf einen Anbieter beschränkt sind. In Deutschland beispielsweise sucht sich das System einfach das jeweils stärkste der vier Mobilfunk-Signale aus", erklärt Zygmanowski. Da es sich um eine Dual-SIM-Lösung handelt, kann man sogar noch einen zweiten Chip verwenden.
Einen Chip? Ja, denn bei der Hardware geht Novacom auf Nummer sicher. Daher hat sich der Telematikanbieter gegen SIM-Karten entschieden und verlötet stattdessen SIM-Chips in den Geräten. Die sind weniger anfällig – vor allem was Vibrationen betrifft.
Die Infos landen dann in einem Webportal namens Geoflex, wo die Historie der Flotte über vier Monate hinweg abrufbar ist. Darüber hinaus lassen sich dort auch Fahrzeuggruppen bilden und verwalten sowie das Geofencing und die Alarme konfigurieren. Abgerundet wird das Ganze durch manuelle und auch automatische Berichte über die Fahrzeugauslastung, Stand- und Ladezeiten. Außerdem erkennt die Telematik, ob das Kabel des Elektronischen Bremssystems (EBS) angeschlossen ist. Optional lassen sich anhand der EBS-Daten auch das Bremsverhalten ablesen sowie  Beladungsgewichte, um damit eine Überladung festzustellen.

Temperatur- und Türsensoren sorgen für Sicherheit

Wer sich für das Paket Coldchain entscheidet, hat die Funktionalitäten der Basislösung inklusive. Darüber hinaus sorgen drahtlose Temperatur- und Türsensoren für Sicherheit beim Kühltransport. Dazu gehört natürlich auch ein Bericht über die Kühlkette sowie entsprechende Alarme, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Novacom arbeitet hier übrigens sowohl mit Carrier als auch mit Thermoking zusammen.

Auch bei der Dienstleistung Maintenance, also der Instandhaltung, ist das Basispaket bereits inbegriffen. Hier sind dann die Services rund um die EBS-Daten enthalten. Auch gibt es Benachrichtigungen zur Hauptuntersuchung oder zu Sicherheitsprüfungen. Des Weiteren ist die Anzeige der Kühlaggregate-Diagnostik enthalten. Optional sind hingegen Warnungen bei falschem Reifendruck, Lufttemperaturen oder Luftverlust.

Paket Security verspricht Sicherheit für Fracht und Fahrzeug

Zu guter Letzt gibt es noch das Paket Security, das Sicherheit für Fracht und Fahrzeug verspricht. Das System erkennt unerlaubte Bewegungen, und die Infos werden alle fünf Minuten übertragen – oder eben bei einem sogenannten Ereignis. Das kann in dem Fall auch das Öffnen der Türen in einer nicht autorisierten Zone sein. Optional gibt es die Möglichkeit, ein Sicherheitsschloss anzubringen, das entweder mit RFID-Schlüssel oder per Zahlen-PIN zu öffnen ist. Im Ernstfall rücken dann die Mitarbeiter des Wachschutzdienstes Eurowatch aus. Das Modem ist an das EBS angeschlossen und verfügt über einen aufladbaren Akku. Damit das alles auch wirklich immer funktioniert, ist eine zusätzliche Stromversorgung möglich. Das Ganze ist so verbaut, dass es sozusagen unsichtbar ist. "Die Sensoren für die Überwachung bleiben im Batteriebetrieb aktiv. So kann man auch einen abgesattelten Auflieger überwachen", erläutert Zygmanowski.
Damit das technisch machbar ist, hat Novacom auch hier auf belastbares Equipment verbaut. Die Lithiumbatterie beispielsweise arbeitet von minus 50 bis plus 60 Grad Celsius. Ab minus 20 Grad ist sie sogar aufladbar.

Interner Beschleunigungssensor und Kilometerzähler

Es gibt einen internen Beschleunigungssensor und Kilometerzähler, um Manipulationen vorzubeugen. Damit die Software immer aktuell ist, gibt es Aktualisierungen "Over the air", das heißt per Mobilfunk. Zudem ist die Telematikeinheit nach den Schutzklassen IP 66k, 67k und 69k zugelassen. Das heißt, das Gerät ist nicht nur staub- und wasserdicht, sondern hat sogar einen Schutz gegen einen sehr intensiven Wasserstrahl, wie etwa bei einem Hochdruckreiniger. Das alles gibt es zwar nicht umsonst. Aber aufgrund der monatlichen Raten bleibt der finanzielle Einsatz dennoch überschaubar.



Das Unternehmen

Novacom Europe ist ein Joint Venture des Spezial-Telematikanbieters Novacom Services aus Frankreich und dem Trailer-Vermieter GE Tip Services aus den Niederlanden. Unter dem Produktnamen Trailermatics bietet das im Mai 2010 gegründete Gemeinschaftsunternehmen, das seinen Hauptsitz in Amsterdam hat, eine auf den Straßengütertransport spezialisierte Lösung an. Die gab es von GE Tip Services zwar unter dem Namen Veri Wise auch schon – doch das Joint Venture soll weitere Möglichkeiten eröffnen. Nach Unternehmensangaben sind derzeit rund 14.000 Trailer in Europa mit Trailermatics ausgerüstet. Wobei die Servicedienste auch weiterhin in den Werkstätten von GE Tip ausgeführt werden.

Portraits

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TIP GE

Datum

30. August 2013
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Fred Dremel, Experte für Sozialvorschriften für das Fahrpersonal im Strassenverkehr, Arbeitszeitrecht , Kontrollgeräte Fred Dremel Sozialvorschriften
Von 1980 bis 2013 Betriebsprüfer Arbeitsschutz in Aachen auf dem Gebiet Sozialvorschriften für… Profil anzeigen Frage stellen
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