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Trailerhersteller mit leichtem Papierauflieger: Höhere Effizienz mit weniger Kilos

Der Trailerhersteller Schwarzmüller aus Österreich hat bei seinem Papierauflieger RH 155 die Kilos purzeln lassen und die Ladungssicherung in den Aufbau integriert. Für Spediteure ist das Fahrzeug deshalb ein Beitrag zu einer höheren Effizienz.

Altpapier ist vielen lästig – vor allem, wenn sie es am Samstag zum Container bringen oder zur Abholung zusammenschnüren müssen. Doch das alles ist noch harmlos: Was sind schon ein paar alte Zeitungen verglichen mit 27 Tonnen Altpapier, die über den ganzen Hof verstreut liegen? Michael Paul jedenfalls hatte ein solches Szenario befürchtet, als er einen bis zum Anschlag mit Altpapier beladenen Auflieger in dynamischen Fahrversuchen auf Herz und Nieren testete. »Ich hatte Angst davor, hinterher alles wieder einsammeln zu müssen«, gesteht der Prokurist bei Palm Logistik in Eltmann bei Bamberg.
Der Auflieger bog sich, die Räder qualmten, doch die Plane hielt und die Ladung blieb an Bord. Paul konnte aufatmen: Der Test war erfolgreich, die jahrelange Entwicklungsarbeit hat sich gelohnt. Der Trailerhersteller Schwarzmüller aus Hanzing in Österreich hat dem Fahrzeug noch den letzten Schliff gegeben und bringt es nun auf den Markt.
Der Dreiachs-Schiebeplanenauflieger RH 155 ONP (Old New Paper) schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Durch die integrierte Ladungssicherung sparen sich Unternehmen beim Transport von Altpapier oder anderen Produkten wie Wellpappe Gurte und zeitaufwendiges Verzurren. Bestätigt haben das Experten von Dekra und Fraunhofer IML mit sechs Zertifikaten für unterschiedliche Einsatzzwecke und Ladevarianten.
Zusätzlich profitieren Transporteure von reichlich Nutzlast: Durch verschiedene Maßnahmen hat Schwarzmüller das Leergewicht auf 6,2 Tonnen gedrückt. Zusätzlich gibt es eine Mega-Variante (RH 80), die unbeladen sieben Tonnen auf die Waage bringt. »Im Vergleich zum Wettbewerb ist das die höchste Nutzlast«, bescheinigt Hartmut Kassuhn, Logistikchef bei der Papierfabrik Palm in Aalen und verantwortlich für 23 Standorte in Europa.

»Wir arbeiten europaweit mit 600 Speditionen, da können wir schon beurteilen, was alles auf dem Markt ist«, sagt er. Liege das Ladegewicht bisher im Schnitt bei 23,5 Tonnen, seien mit dem Schwarzmüller-Produkt RH 155 durchschnittlich 25,5 Tonnen möglich. »Das sind immerhin zwei Zeitungsrollen mehr.«
Entsprechend groß ist das Interesse an dem Auflieger aus Österreich. Das trifft nicht nur auf die Verantwortlichen bei Palm Logistik zu, die das Fahrzeug mitentwickelt haben. Auch andere Speditionen wollen den Schwarzmüller-Auflieger alsbald in ihren Fuhrpark aufnehmen, wie bei der Präsentation des Fahrzeugs deutlich wurde. »Wir unterstützen das System voll und ganz«, betont Andreas Bachstädter, Prokurist bei der Spedition Nuss aus Wörth. Sie ist für die Automobil- und die Papierbranche tätig. Die Unternehmensgruppe Nuss beschäftigt 160 Mitarbeiter. Täglich disponiert sie 90 Fahrzeuge, davon mehr als 80 eigene.
Die höhere Nutzlast ist für Spediteur Volker Nuss und Prokurist Bachstädter ein absolutes Plus. Ein Beitrag zu einer gesteigerten Wirtschaftlichkeit stellt ihrer Ansicht nach aber auch die integrierte Ladungssicherung dar. »Wenn wir dank Zertifikat ohne Gurte fahren dürfen, haben wir eine echte Zeitersparnis«, sagt Bachstädter. Der Nuss-Prokurist rechnet mit bis zu einer Stunde, die bei konventionellen Aufliegern für Verzurren und Anbringen der nötigen Hilfsmittel draufgeht. Wenn bei drei Ladestellen also bereits drei Stunden Zeitersparnis drin sind, ist eine zusätzliche Tour möglich.
Bachstädter ist überzeugt, dass sich das Fahrzeug trotz des höheren Kaufpreises rechnet. Die Spedition Nuss hat gleich zehn Auflieger geordert. Vom Vorgängertyp sind bereits sieben im Fuhrpark. Das Unternehmen aus der Südpfalz plant, eine Art Trailerpool aufzubauen, auf den mehrere Unternehmen zurückgreifen können.
Der höhere Kaufpreis ist auch für Palm Logistik-Geschäftsführer Matthias Palm das einzige Manko. »Dafür bietet das Fahrzeug enorme Möglichkeiten, einzusparen«, sagt er. »Wir sparen zehn Prozent Zeit ein und haben zusätzlich zehn Prozent mehr Ladekapazität.« Deshalb ist er überzeugt: »Spediteure bekommen ihr Geld wieder zurück.« 25 eigene Lkw hat die mittelständische Spedition, die ihren Fokus ebenfalls auf Papierlogistik gelegt hat, im Einsatz. Dass die Ladungssicherung beim Transport von Altpapier und Wellpappe entfällt, stößt nicht nur wegen der Zeitersparnis auf Zustimmung. Entsprechende Maßnahmen sind ohnehin umstritten. Denn im Grunde sind sich die Spediteure einig, dass Ladungssicherung hier ins Leere läuft. »Der Aufbau ist das Einzige, was Altpapier zusammenhält, nichts anderes«, bestätigt Unternehmer Klaus ­Peter Röskes aus Heiligenhaus in Nordrhein-Westfalen, der dem Arbeitskreis Papierlogistik beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) vorsteht. 

Zudem sei es kritisch, wenn ein Fahrer zur Sicherung auf vier Meter Höhe klettere – zumal auf ein so instabiles Gut wie Altpapier. Dass der Aufbau die Ladung ohne Sicherung schützt, ist das Ergebnis langer Vorarbeit. Schließlich sahen Unternehmen die Plane lange Zeit nur als Wetterschutz an. 2002 traten die Verantwortlichen bei Palm Logistik an, um diese Aussage zu widerlegen. Sie verbesserten gemeinsam mit anderen Experten Material und Aufhängung der Plane sowie die Beschaffenheit der Latten. Die Fortschritte wurden im ersten ONP-Auflieger festgehalten, dem Vorgänger des RH 155, der 2004 auf den Markt kam. Seitdem haben die Entwickler die Festigkeit weiter optimiert und sich verstärkt der Nutzlast angenommen. Palm Logistik-Prokurist Paul ist überzeugt, dass die Möglichkeiten zur Optimierung noch nicht ausgereizt sind. Ein neuer Boden – bestehend aus einer neun Millimeter dicken Holzplatte und einer Aluwabenstruktur darunter – sowie gewichtsoptimierte Achsen und eine Alu-Sattelkupplung lassen das Gewicht um weitere 140, 100 und 30 Kilos purzeln. Ein entsprechender Prototyp ist bereits bei Palm im Fuhrpark. Der leichte Trailer sei auch eine Antwort auf Euro 6, sagen die Palm-Leute. Denn das Mehrgewicht für die aufwendigere Abgasnachbehandlung müsse an anderer Stelle kompensiert werden. Und dafür lohnt es sich, zu experimentieren und Versuche zu fahren – auch auf die Gefahr hin, dass tonnenweise Altpapier auf dem Hof landet.

Alternative zu Joloda
Längst ist er etabliert – der Joloda-Palettenroller, der auf speziellen Schienen hohe Gewichte ohne Kraftaufwand ins Fahrzeuginnere befördert. Problematisch ist für viele aber der Hebel, der dazu dient, die Ladung anzuheben beziehungsweise abzulassen. Hier ist im Gegensatz zum bloßen Schieben oder Ziehen der Ladung reichlich Muskelkraft gefragt, außerdem kann der Hebel unerwartet hochschnellen. Spediteure kritisieren, dass infolge des Kraftaufwands Fahrer mitunter Probleme im Ellbogen oder in der Schulter bekommen. »Wir hatten dadurch schon viele Arbeitsunfälle«, sagt Palm Logistik-Chef Matthias Palm. Die Stange sei schon sehr oft gebrochen, was in einem Fall mit einem Kieferbruch für den Fahrer geendet habe. Daher hat die Firmengruppe Holzer aus Bobingen bei Augsburg mit Palm ein Alternativsystem entwickelt, das sich Easy Lift Skate nennt. Die Roller arbeiten hydraulisch, so dass Fahrer weniger Kraft benötigen und nach Ansicht von Holzer-Chef Günther Holzer weniger Unfälle zu beklagen sein werden. Die Hubkraft je Skater-Paar liege bei 5,2 Tonnen. Die Firma Transport-Technik Günther wird die Skates 2011 auf der Messe Transport Logistic vorstellen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

14. März 2011
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