MAN proudly places the lion logo at the forefront. DE: MAN rückt den Löwen als Markenzeichen prägend in den Vordergrund. UK: MAN proudly places the lion logo at the forefront. 12 Bilder Zoom

TGX und TGS: MAN erneuert Baureihen

Bei den Motoren geht’s rauf mit der Leistung. Bei den Getrieben geht’s rund. Und innendrin gibt es jetzt auch mal einen vorsichtigen Tapetenwechsel bei MAN.

Nun kommen sie also doch: 640 PS gibt es im Modelljahr 2017 bei MAN nicht mehr nur in der Schwerlast-Zugmaschine, sondern ebenso im Serienfahrzeug. Nachschlag gibt es in München auch noch an manch anderer Stelle. Für die bekannten Motorisierungen des D26 mit 12,4 Liter und des D38 mit 15,2 Liter Hubraum bedeutet das: Die Nennleistung klettert generell um 20 PS, das maximale Drehmoment legt um 200 Nm zu. So reicht das Leistungsspektrum der 12,4-Liter-Maschinen nun also von 420 über 460 bis 500 Pferdestärken. Toptorque, die Drehmomenterhöhung um 200 Nm in den beiden obersten Gängen entfällt allerdings zugleich.

Beim 15,2-Liter-Aggregat lautet die neue Staffelung dann also nicht nur entsprechend 540 und 580 statt vordem 520 und 560 PS, sondern es gesellen sich eben jene 640 PS inklusive 3.000 Nm maximalen Drehmoments dazu, womit der D38 bisher ausschließlich bei der Schwerlastzugmaschine zu haben war.

Alle Hersteller feilen emsig an der Motorisierung.

Am unteren Ende der Motorenskala, also beim D08 (4,6 und 6,9 Liter Hubraum) sowie dem Reihensechszylinder D20 (10,5 Liter Hubraum), tut sich in Sachen Leistung wiederum nichts. Da bleibt es für den D08 bei den gewohnten 150 bis 340 PS. Und den D20 gibt es weiterhin ausschließlich in den Varianten mit 320 und 360 PS.

Ganz aus heiterem Himmel kommt es freilich nicht, dass derzeit so gut wie alle Hersteller emsig an der Motorisierung feilen. Ab 2017 gilt die sogenannte Stufe c für Euro 6, die engere Grenzen bei den Toleranzen setzt und die Reinheit gemäß der Norm auf 700.000 Kilometer oder sieben Jahre gesichert wissen will. Da bietet es sich also geradezu an, im Zuge der Umbauarbeiten bei den Motoren hier und da noch ein wenig nachzulegen und zugleich auch aufzuräumen. So kann jetzt zum Beispiel das Wastegateventil beim Niederdruckturbo der zweistufigen Aufladung entfallen. Es erhalten die D26-Motoren des auf 210 bar gestiegenen Zünddrucks wegen außerdem Stahl- statt Alukolben, die solche Gewalten besser verkraften und mit ihrer niedrigeren Kompressionshöhe für weniger Reibung stehen.

Neuer Leistungsrekord bei den Motorbremsen

Generell rücken dem Verbrauch darüber hinaus zu Leibe: ein abschaltbarer Kompressor, ein neues Management für den Lüfter sowie ein neuer Thermostat für die Ölkühlung. Der regelt so, dass zum einen die optimale Temperatur schneller erreicht ist, zum anderen während der Fahrt generell eine etwas höhere Temperatur herrscht. Sinn der Übung: nochmals Reibung reduzieren. Für die SCR-Kats gilt, dass sie per höhere Reaktionsfreude auf bessere Umsatzraten kommen. Anders gesagt: So kann die Verbrennung einen Tick heißer und somit stickoxidträchtiger, aber eben auch effizienter verlaufen. Speziell beim D26 hat MAN zudem den Turbolader auf schnelleres Ansprechen hin optimiert und auch die Abgasrückführung verfeinert. Für die Kühlung zeichnet ferner eine geregelte statt wie bisher eine ungeregelte, immer mitlaufende Kühlmittelpumpe verantwortlich, die ihre Pumpleistung stufenlos zwischen 20 und 95 Prozent zu dosieren in der Lage ist.

Mehr denn je aus dem Vollen schöpft MAN bei den Motorbremsen: Für den D26 gibt es künftig die elektronisch geregelte EVBec (Exhaust Brake Valve electronically controlled) serienmäßig, die es auf gut 440 Brems-PS bei 2.400 Touren bringt. Und beim D38 ist jetzt von fast 860 Brems-PS und somit einem neuen Rekord in dieser Disziplin die Rede. Diese sogenannte Turbo-EVB, so sagt MAN-Triebstrangentwickler Thomas Nickels stolz, "arbeitet nahezu ohne Wärmeeintrag in das Kühlsystem und mit zwei Klappen vor dem Turbolader, die besonders viel Rückstau erzeugen".

Zwei neue Gesichter im Hinterhof

Gleich zwei neue Gesichter gibt es bei D26 und D20 auch im Hinterhof. Generell zieht er mit dem großen Bruder D38 insofern gleich, als dass die alte AS-Tronic von ZF nun keine Rolle mehr spielt und stattdessen die neuen Traxon-Getriebe aus Friedrichshafen die Gänge verwalten. Für den Feld-, Wald und Wiesensattel mit Achsformel 4x2 gilt das allerdings nicht. Dort macht VW Nutzfahrzeuge als Mutterkonzern nun die vor zwei Jahren getätigte Aussage wahr, dass Zahnwerk aus Schweden Einzug in die MAN-Lkw halten werde. Die Software dafür stammt allerdings von MAN und auch die Bedienung orientiert sich an den wohlbekannten Tipmatic-Prozeduren. Von außen zu erkennen ist relativ leicht, welches Getriebe da jeweils werkelt. Trägt das Gehäuse die Aufschrift MAN, liegt der Ursprung in Skandinavien. Ist dort Traxon zu lesen, stammt das Ding von ZF. 12+2 nennt MAN die schwedischstämmigen Crawlergetriebe und nummeriert diese insgesamt 14 Gangstufen im Display von eins bis 14 übrigens einfach durch. Diese Schaltbox ist ausschließlich für alle 4x2-Standardsattelzumaschinen und dann stets in Direktgangversion erhältlich, denen der D26 die treibende Kraft liefert. Mit von der Partie ist auf Wunsch auch der integrierte Retarder, der wahlweise mit maximal 3.500 Nm oder 4.100 Nm (dann samt Freilauf) Bremsmoment lieferbar ist.

Für die gewichtsoptimierten Sattelzugmaschinen à la TS (Tank und Silo) ist das Zahnwerk schwedischer Provenienz aber tabu. Bei TS-Fahrzeugen müssen Traxon-Schaltboxen sozusagen zwingend her, weil bei der schwedischen Lösung die Synchronisierung eben immer noch innendrin belassen ist und das ins Gewicht geht. Rund 70 Kilogramm schwerer als ein entsprechendes Klauengetriebe der Traxon-Familie sind diese neuen, mit MAN-Label versehenen Synchrongetriebe allemal. Trotz zweier verschiedener Grundgetriebe mit mal zwölf (Traxon), mal 14 Gängen (Scania-Zwölfgang mit zwei Crawlerstufen) arbeiten für beide Aggregate fünf Schaltprogramme von "Fleet" und "Profi" über "Offroad" (Bau) bis hin zu "Emergency" (Einsatzfahrzeuge) und "Collect" (Müllsammelfahrzeuge). Ganz neue Zusatzfunktionen kommen in Gestalt von Freischaukel- und Schnellschaltmodus.

Als weitere Neuheit kommt Idle Speed Driving, die Kriechfunktion

Der Rangiermodus lässt sich weiterhin über den rechterhand des Fahrers positionierten Dreh- und Wahlschalter einlegen und bewirkt wie gehabt ein feinfühliges Schließen und Öffnen der Kupplung, das sich an Drehzahl und Stellung des Gaspedals bemisst. Verfügbar ist der Rangiermodus in den ersten beiden Gängen, die in dieser Gangart auch nur über den Lenkstockhebel anwählbar sind.

Den vorausschauenden GPS-Tempomaten Efficientcruise gibt es über die gesamte Getriebefamile hinweg. Er ist jetzt auch durchwegs mit der Freilauffunktion Efficient-Roll kombinierbar. Als weitere Neuheit kommt eine Idle Speed Driving genannte Kriechfunktion, die sich in den ersten sechs Gängen abrufen lässt und für zähfließenden Verkehr konzipiert ist. Die Kupplung bleibt dabei geschlossen, Gas muss der Fahrer nicht geben. Fürs Schalten selbst gilt: Eine neue und Smart-Shifting genannte Funktion soll sicherstellen, dass situationsabhängig stets der beste Kompromiss aus Dauer von Zugkraftunterbrechung und Schaltkomfort in Anschlag kommt. Für besonders rapides Hochschalten gibt es bei der neuen Tipmatic-Generation zudem eine sogenannte Hochschaltunterstützung (HSU), die maximal drei Gangsprünge machen soll und zum entsprechenden fixen Absenken der Drehzahl neuerdings die elektronisch gesteuerte Motorbremse zu Hilfe nimmt.

Neuer Trimm

Während bei den Scania-Kabinen der große Wachwechsel unmittelbar bevorsteht, geht MAN Umbauten am und im Fahrerhaus eher sachte an. Draußen kommen als neuer Zierrat ein bis zwei zusätzliche Lamellen unterhalb des Grills sowie ein schwarzer Hintergrund für den Logo-Löwen. Dieses Motiv taucht in gleicher Kontraststärke drinnen mittig im Pralltopf des Lenkrads wieder auf, das seinerseits nun ebenfalls etwas akzentuierter ausgeführt ist.

Sonst halten in der guten Stube vor allem neue Farben und Materialien Einzug. Halbhoch verläuft dort nun zum Beispiel ein sandfarbener Streifen durch die Front und an den Flanken, der farblich seinen Widerhall am jetzt ebenfalls beigefarben getönten Dachhimmel, der Innenseite der Vorhänge sowie bei den Klappen der Stirnschränke und der Dachlukeneinfassung findet. Neu sind darüber hinaus die Bezüge für Sitz und Liege sowie die Möglichkeit, frei zwischen drei verschiedenen Dekoren für die Armaturentafel-Zierleiste zu wählen: "Brushed Aluminium Dark" kommt dabei als Standard, Stammholz-Optik bietet "Trunk Wood Anthracite", und "Net Black" spiele, so heißt es von den MAN-Designern, "grafisch mit hochglänzenden und mattschwarzen Strukturen".

Zuwachs gibt es nicht zuletzt beim sogenannten Infotainment. MMT Advanced heißt die Maximallösung mit Sieben-Zoll-Display, die wie alle anderen neuen Systeme über erweiterte Drahtlos-Streaming-Systeme verfügt und zudem zwei Micro-SD-Slots besitzt. Die gängigen digitalen Musikformate werden automatisch gelesen. Die erweiterten
Bluetooth-Funktionen ermöglichen die Koppelung von gleich zwei Telefonen und lassen sich auch mit zwei Kameras zugleich verbinden. Weiteres Highlight: eine integrierte Sprachsteuerung, die es dem Fahrer ermöglicht, das Radionavigationssystem über Spracheingabe zu steuern.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 09/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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MAN Truck & Bus AG

Datum

24. August 2016
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