Oberleitungs-Lkw Spedition Bode Zoom
Foto: Matthias Rathmann

Teststrecke Oberleitungs-Lkw

Spedition Bode ist 2018 elektrisch unterwegs

In Deutschland auf der A1 sollen zwischen Reinfeld und Lübeck elektrifizierte Autobahnabschnitte für Lkw entstehen. Die Spedition Bode ist als Praxispartner mit entsprechenden Oberleitungs-Lkw dabei.

Der Oberleitungs-Lkw ist keine Zukunftsmusik mehr. In wenigen Monaten schon wird er in Schleswig-Holstein und Hessen Realität sein und auf der A 1 und A 5 zum Straßenbild gehören. Durch eine entsprechende Förderung hat das Bundesumweltministerium den Startschuss für Feldversuche in diesen beiden Bundesländern gegeben.

Um den Aufbau der nötigen Infrastruktur – dazu gehören zum Beispiel Masten, Kabel und Unterwerke – anzuschieben, macht das Ministerium im Rahmen des Programms "Erneuerbar mobil" 28,6 Millionen Euro locker. 14 Millionen davon sind für Schleswig-Holstein bestimmt. Einen entsprechenden Förderbescheid übergab Staatssekretär Jochen Flasbarth kürzlich dem dortigen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD). Dieser bezeichnete das Förderprojekt als einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltige Mobilität. Schleswig-Holstein als "Energiewendeland", das bereits mehr als 100 Prozent seines Energiebedarfs durch Ökostrom decken könne, sei für einen Feldversuch mit Oberleitungs-Lkw prädestiniert.

E-Highway soll zwischen Reinfeld und Lübeck entstehen

Vorgesehen ist, die A 1 auf sechs Kilometern in jede Richtung zwischen Reinfeld und Lübeck zum E-Highway auszubauen. "Wir haben die Gelegenheit, Pionier­arbeit zu leisten", betonte der Landesvater. Pioniergeist zeigt auch die in Reinfeld ansässige Spedition Bode. Als Praxispartner beteiligt sie sich mit Trolley-Fahrzeugen an dem Projekt. Nicht ohne Grund fand die Übergabe des Förderbescheids daher auf dem Gelände der Spedition statt.

Ausschlaggebend sei für ihn eine Fahrt mit einem Oberleitungs-Lkw auf dem Versuchsgelände von Siemens in Groß Dölln gewesen, sagte Geschäftsführer Kai Bode vor geladenen Gästen. Sein Eindruck: "Die Technik ist sicher und funktioniert." Auch machte der Firmenchef klar, dass die E-Fahrzeuge, die ihre Energie während der Fahrt über Stromabnehmer beziehen, keine Konkurrenz für die Schiene seien. "Es ist vielmehr ein Miteinander", betonte Bode. Die Lkw auf der Teststrecke befördern den kombinierten Verkehr sogar, weil sie im Vor- und Nachlauf zur Schiene und Fähre eingesetzt werden.

Staatssekretär Flasbarth: Keine Konkurrenz zur Schiene

Auch Staatssekretär Flasbarth hob hervor, dass der Oberleitungs-Lkw der Schiene nicht schaden werde. "Ich bin da in meiner Vita, auch als Mitbegründer der Allianz pro Schiene, ziemlich unverdächtig", sagte er. "Natürlich müssen wir den Verkehrsträger Schiene stark machen." Aber selbst unter günstigsten Annahmen werde die Schiene 2030 nicht mehr als 23 und 2050 nicht mehr als 30 Prozent der Tonnage schultern können.

"Also müssen wir den auf der Straße verbleibenden Teil treibhausgasneutral bekommen", erklärte Flasbarth. Der Oberleitungs-Lkw sei eine Technologie, mit der das gelingen werde. Freimütig räumte Flasbarth ein: "Ich war gegen dieses Projekt." Auch hätte er nicht gedacht, dass er mal stolz vor einem Lkw stehen würde. "Doch inzwischen bin ich konvertiert, das habe ich auch guten Leuten im Ministerium zu verdanken." Die Energieeffizienz eines Oberleitungs-Lkw sei drei- bis viermal so hoch wie die eines Fahrzeugs, das mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werde. Und wie Spediteur Bode habe auch ihm eine Testfahrt in Groß Dölln "den letzten Kick" gegeben.

Feldversuch mit Oberleitungs-Lkw soll Mitte 2018 starten

Beginnen soll der Aufbau der Infrastruktur ab sofort, der dreijährige Feldversuch soll dann Mitte nächsten Jahres starten. Partner des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums bei dem Pilotprojekt ist das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel. Laut dessen Geschäftsführer Björn Lehmann-Matthaei verkehren auf der Strecke zwischen Reinfeld und Lübeck täglich 63.000 Autos und 9.000 Lkw. Da werden ein paar innovative Lkw nicht weiter auffallen – sollte man meinen. Wären sie nicht durch ihre markanten Stromabnehmer auf Anhieb zu erkennen. Und wäre da nicht die besondere Infrastruktur, auf die sie zugreifen: Alle 65 Meter werden Masten stehen, welche die auf fünf Meter Höhe verlegten Kabel tragen.
Staatssekretär Flasbarth jedenfalls freut sich bereits darauf, dem O-Lkw der Spedition Bode zu begegnen. Seit 20 Jahren mache er auf Fehmarn Urlaub – so auch dieses Jahr.
"Dann werde ich schauen, ob es auf der A 1 schon entsprechende Aktivitäten gibt."

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

3. Februar 2017
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