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Testfahrer bei Daimler Trucks: Checkpoint Charly

Charly Feiereis ist Testfahrer bei Daimler Trucks. FERNFAHRER traf ihn und seinen Kollegen Hans Luft zum Jobtalk im Mercedes-Entwicklungszentrum.

Es ist ein Ort voller Geheimnisse, an dem Charly Feiereis und Hans Luft ihre Arbeitsplätze haben: EVZ heißt er kurz im Mercedes-Werksjargon. Die Abkürzung steht für Entwicklungs- und Versuchszentrum. Hier testet der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller seine geheimen Prototypen, aber auch wenn wie jetzt, sämtliche Lkw-Baureihen gerade frisch auf den Markt gekommen sind, wird es Hans, Charly und rund 50 weiteren Kollegen nicht langweilig.

Fast unbegrenzte Möglichkeiten auf dem Test-Areal

"Die Entwicklung hört nie auf", sagt Hans. "Auch gute Dinge können weiter optimiert werden." Ob in der Elektronik oder bei den Werkstoffen, überall wo sich die Technik weiterentwickelt, kann der Fahrzeugbau profitieren. Auch manche praktische Idee fließt direkt in die laufende Serie ein. Wie zuletzt etwa eine Anzeige der verbleibenden Lenkzeit im Tacho des Actros.

Das EVZ besteht aus einer riesigen Werkstatt und diversen ineinander verschlungenen Teststrecken. Da gibt es ein Hochgeschwindigkeitsoval mit Steilkurven, eine Schlechtwegestrecke und eine simulierte Betonplattenautobahn. Zu den weiteren Lasterprüfsteinen gehört auch ein Steilhang zum Anfahren und eine Geländepiste für die Baufahrzeuge. Völlig ungestört lassen sich hier einzelne Bauteile im frühen Entwicklungsstadium testen oder auch ganze Fahrzeugflotten kontrolliert im Zeitraffer altern.

Viele Wege führen in die Versuchsabteilung

In der Werkstatt können die Entwickler die Ergebnisse dann sofort untersuchen oder auch veränderte Varianten der Bauteile austauschen. Die Versuchsfahrer Hans und Charly sind gelernte Kfz-Mechaniker. Sie haben beide vor mehr als 30 Jahren in Gaggenau in der Lkw-Montage gearbeitet und sich dann in die Versuchsabteilung beworben. "Das waren damals ziemlich begehrte Jobs, ich konnte mich glücklich schätzen, einen zu ergattern", erzählt Charly. Es ist definitiv ein Job mit recht unterschiedlichen Seiten.

"Wenn wir jungfräuliche Fahrzeuge haben, sprich mit vielen völlig neuen Bauteilen, dann geht es im Dreischichtbetrieb über die Autobahnen. Für meinen Biorhythmus war das gar nichts", erinnert sich Hans. "Ich habe da lieber wieder mehr in der Werkstatt den Schraubenschlüssel geschwungen. Diese Flexibilität ist natürlich eine Stärke des Großbetriebs. "Die Kfz-Ausbildung ist übrigens keine schlechte Zugangsvoraussetzung für den Job", erklärt Timo Hägele. Der junge Ingenieur arbeitet ebenfalls im EVZ und ist wie die beiden Fahrer auch für Pressetests zuständig. "Wir haben in unserem Team aber auch Leute mit Speditions- oder Baustellenhintergrund", fügt er noch an.

Winter in Finnland, Sommer in Andalusien

Statt EVZ oder deutscher Autobahn kann es passieren, dass die Fahrer mal ein paar Wochen in den finnischen Winter oder in die Sommerhitze Andalusiens müssen. Nicht so beliebt sind Schlechtwegetests. Nach jeder Stunde müssen die Fahrer eine Stunde Pause machen, bis sich der Körper davon erholt. Doch das Positive überwiegt bei Weitem, da sind sich Hans und Charly einig. Sie haben vom SK bis zum heutigen Actros alle schweren Lkw mitentwickwelt. "Und darauf sind wir schon ein bisschen stolz", sagt Hans.

Andreas Techel, Chefredakteur

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

12. Februar 2014
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