Navi Test 7 Bilder Zoom

Mit Gefahrgut durchs Wasserschutz-Gebiet: Test von Lkw-Navis offenbart Unterschiede

Sicherheit geht vor. Damit man als Lkw-Fahrer bei der Routenführung nicht sprichwörtlich auf den Holzweg geführt wird, bedarf es eines ausgereiften Geräts. Die Zahl an etablierten Lkw-Navigationsgeräten ist allerdings eher rückläufig . Doch selbst wenn die technischen Daten sowie das Kartenmaterial zunächst kaum Abweichungen vermuten lassen (siehe Tabelle zum Download), sind die Unterschiede dennoch teils beträchtlich.

Getestet wurde selbstverständlich die Routenführung. Wobei die Vorgaben mit 40 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht des Sattelzugs und wassergefährdenden Stoffen als Ladung alles andere als niedrig waren. Zumal die Teststrecke unter anderem von gleich zwei Wasserschutzgebieten flankiert war. Nur eine der drei mit dem Lkw prinzipiell möglichen Routen führt letztlich zum Ziel, ohne  gegen das Zeichen 269 der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) "Verbot für Fahrzeuge mit wassergefährdender Ladung" zu verstoßen. Des Weiteren wurden aber auch die Übersichtlichkeit der Darstellung, die Handhabung sowie die Ton- und Bildqualität bewertet. Keinen Niederschlag fanden hingegen Funktionen wie Freisprechen mit dem Smartphone über das Gerät oder auch die Wiedergabe von Multimedia-Inhalten. 

Den Anfang macht das Navi Travelpilot 74 T von Blaupunkt. Das ist mit seiner Passivhalterung einfach zu montieren. Die initialen Einstellungen sind schnell gemacht und selbsterklärend. Ein Schraubenschlüssel-Symbolführt aber auch später noch zu den Einstellungen. Die Darstellung während der Navigation ist übersichtlich. Eine Spurführung zeigt, wo sich der Fahrer einordnen sollte. POIs (Points Of Interest) lassen sich per Fingertipp auswählen und als Zwischen oder Endziel einstellen. Auf Autobahnen gibt das Navi 80 km/h, auf Landstraßen 60 km/h als Höchstgeschwindigkeit vor. Das ist immerhin besser als bei manch anderem Gerät. Lkw-spezifische Tempolimits wurden allerdings, beispielsweise innerhalb von Ortschaften, nicht erkannt. 

Als aufmerksamer Fahrer ist das natürlich kein Problem. Mehr als unschön war es allerdings, trotz entsprechender ADR-Einstellung durch ein Wasserschutzgebiet geführt zu werden. das darf so nicht passieren. Oder es müsste zumindest vor Fahrbeginn eine entsprechende Warnung ausgegeben werden. Weniger schön ist auch die Sprachausgabe. Die klingt ziemlich blechern. Außerdem kann der Nutzer lediglich auf  TMC-Verkehrsdaten (Traffic Massage Channel) zurückgreifen. Die gibt's zwar kostenlos per Ultrakurzwelle, als sonderlich aktuell und zuverlässig gilt dieser Verkehrsfunk allerdings nicht.

Das Garmin Dezl 770 LMT-D bietet die Möglichkeit, zwischen Sattelzug und Motorwagen zu unterscheiden. Inwieweit beziehungsweise ob sich das überhaupt auf die Routenführung auswirkt, konnte nicht geklärt werden. Beim Festlegen des Fahrzeugprofils wird der Nutzer insofern unterstützt, dass übliche Fahrzeugmaße gleich vorgegeben werden und man diese nur noch auswählen muss. Bei den POIs sind auch Lkw-Händler und -Waschanlagen hinterlegt. Alle POIs lassen sich per Fingertipp an- und als Ziel auswählen. 

Einen Radarwarner gibt es auch. Dieser muss allerdings nachinstalliert werden und ist kostenpflichtig. Das Dezl zeigt die Lkw-relevante Geschwindigkeit an. Fährt man zu schnell, gibt es ein optisches und akustisches Signal. Warnungen gibt es auch bezüglich aktueller Einflussfaktoren. So etwa bei starkem Seitenwind – und dann sogar mit aktueller Windstärke. Diese Infos wie auch die zur Verkehrslage kommen per Garmin Live Traffic via DAB+. Das steht für Digital Audio Broadcasting. Das Plus steht für Zusatzdaten wie eben den Verkehr oder das Wetter. Von der Aktualität ist das allerdings leider nicht besser als TMC. Bei der Navigation gibt sich Garmin keine Blöße. Die Wasserschutzgebiete werden umfahren. Wobei unvermeidbare Einschränkungen vor Fahrtbeginn angezeigt werden. Ein Spurassistent sowie detaillierteKreuzungsansichten erleichtern das Fahren.

Navgear Streetmate N6 nennt sich das Gerät von Pearl. Wie der Name schon verrät, hat es eine Bilddiagonale von sechs Zoll. Auf den ersten Blick macht das Gerät einen gut verarbeiteten Eindruck. Lediglich die Kfz-Halterung sieht wenig vertrauenerweckend aus. Beim Zusammenbauen schwingt unwillkürlich die Angst mit, dass gleich etwas abbricht. Als untauglich ist allerdings das Kfz-Ladekabel zu deklarieren. Obwohl es sich um ein Spiralkabel handelt, reicht das nirgendwo hin. Verbesserungswürdig sind auch das spiegelnde Display und der GPS-Empfang, der öfter mal verlorengeht.

An der Darstellung während der Routenführung gibt es hingegen nichts zu mäkeln, Bevor man die Navigation startet (es sind auch Routen möglich), gibt das System die Möglichkeit, Alternativen zu prüfen oder aber sich die Routeninfo anzeigen zu lassen. Dort finden sich dann eventuell nicht vermeidbare Einschränkungen. Entsprechende Warnungen erscheinen auch während der Fahrt. Wobei das Navgear die Wasserschutzgebiete umfährt.

Neben dem Tempolimit, das aber leider auf Pkw bezogen ist, kommen auch Hinweise zu Gefahrenpunkten wie Kurven, Gefällen bis hin zum Wildwechsel. Ob Blitzer, Service-Stationen oder Mautbrücken – in Sachen POIs zeigt sich das Navgear flexibel. Denn diese lassen sich (zum Teil kostenpflichtig) individuell nachinstallieren. 

Das Snooper Truckmate Pro S6800 wird in Deutschland von Car Guard Systems vertrieben. Das Gerät hat schon jede Menge an POIs an Bord, darunter auch „Truck Parking“. Optional kann man die Blitzerdatenbank nachladen. Das angegebene Tempolimit bezieht sich allerdings auf Pkw. Dafür gibt's Warnungen zu Gefällen oder Windböen.

Ist die entsprechende Sensorik verbaut, zeigt das Navi den Reifendruck jedes Pneus an. Optisch ist das Ganze übersichtlich gestaltet, kommt allerdings grafisch ziemlich altbacken daher. Wenig prickelnd sind auch die Reaktionszeiten des Geräts, etwa im Fall einer Neuberechnung. Neben den Angaben zum Gefahrgut lassen sich auch die Codes für Tunnelbeschränkungen eingeben. Letztere ließen sich auf der Teststrecke nicht nachprüfen. dafür führte das Navi direkt durchs Wasserschutzgebiet.

Das Tom Tom Trucker 6000 kommt zwar nur mit 6-Zoll-Display daher, macht aber den wertigsten Eindruck. Das fängt beim Display an, das optisch das beste Bild liefert und am wenigsten spiegelt. Ob Updates oder Einstellungen am Gerät: Tom Tom hat ein derart intuitives Bedienkonzept, dass man sich problemlos zurechtfindet. Auch die Aktivhalterung, bei der die Stromversorgung am Halter sitzt, ist vorbildlich. Wohl nicht nur (aber auch) aufgrund der kleineren Abmessungen, werden nicht immer alle Infos zur Strecke eingeblendet. Das geschieht immer dann, wenn der Hinweis relevant wird. 

Als besonders hilfreich erweisen sich die Verkehrsdaten von Tom Tom Traffic. Der kostenpflichtige Dienst ist im ersten Jahr inklusive. Anders als TMC gibt es die Infos rechtzeitig, ein Umfahren der Störung wird angeboten und die neue Ankunftszeit angegeben. Diese wiederum entpuppt sich als erstaunlich exakt. Auf der Vergleichsrunde gab's zum Glück keine Staus, lediglich etwas Verzögerung. Den Weg zum Ziel fand das Navi dann ebenso zuverlässig – und ohne das Wasserschutzgebiet zu durchqueren.

Das Becker Transit 7 SL von United Navigation kommt optisch schlicht und elegant daher. Die Aktivhalterung, die etwas fummelig zu nutzen ist, löst sich allerdings immer wieder von der Scheibe. Die Optik und Bedienung ist gut durchdacht. Allerdings läuft die Software nicht immer ganz flüssig. Bereits vor Fahrbeginn wird man zwar auf fehlende Straßenattribute hingewiesen, was aber noch nicht zwangsläufig eine tatsächliche Einschränkung bedeutet. In dem Fall führt die Fahrt aber leider durch eines der Wasserschutzgebiete. 

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen erscheinen trotz Lkw-Profil für Pkw. Der Blitzerdienst kann für Deutschland abgeschaltet werden. Der Spurassistent weist rechtzeitig darauf hin, sich richtig einzuordnen.  Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich per Smartphone über Live-Verkehrsdaten zu informieren, anders als bei Tom Tom dann zum Mobilfunktarif.

Nachfrage nach Lkw-Navigationsgeräten geht zurück

  • Der Markt für reine Lkw-Navigationsgeräte ist rückläufig. Mit ein Grund düfte die höhere Verbreitung an Telematiksystemen sein, die eine Routenführung beinhalten.
  • Als Folge daraus ziehen sich zunehmend Hersteller aus diesem Markt zurück. So bietet etwa Car TFT keinen Truck Navigator mehr an. Nach Informationen von trans aktuell spielt auch Pearl mit dem Gedanken, das Steetmate aus dem Programm zu nehmen.
  • Besonders hart getroffen hat der Rückgang der Nachfrage den Hersteller United Navigation. Das Unternehmen musste zunächst Insolvenz anmeleden. Aktuell befinden sich die Filderstädter in einem sogenanten Eigenverwaltungsverfahren.
Download
Kostenlos herunterladen Übersichtstabelle zum Lkw-Navi-Test (PDF)
Portraits

Autor

Foto

Thomas Kueppers

Datum

14. März 2017
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