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Test: Caddy Blue-Motion: Tieferlegen heißt sparen

Zunächst einmal gilt es eines festzuhalten: Der VW Caddy ist von Haus aus keinesfalls ein Säufer. Im Gegenteil. Der geneigte Leser mag sich zwar fragen: Warum muss VW dann ein Sparmodell nachschieben? Antwort: Weil der Konzern demonstrieren möchte, dass man auch kurzfristig und mit bekannter Technologie auf hohe Dieselpreise und die anhaltende CO2-Diskussion reagieren kann. Gut fürs Image ist es außerdem. Also ließen sich die Ingenieure von VW-Nutzfahrzeuge vom Blue-Motion-Konzept der Personenwagen-Abteilung inspirieren. Dort fahren bereits diverse Modelle mit dem Saubermann-Signet durchs Programm. Ihnen allen gemeinsam ist ein Minderverbrauch von mindestens 0,5 Litern pro 100 Kilometer gegenüber dem jeweiligen Grundmodell, erzielt durch konstruktiven Feinschliff vor allem in den Bereichen Motor, Getriebe und Aerodynamik. Die technische Verwandtschaft des Kompakt-Vans Touran mit dem Caddy - beide teilen sich den gleichen Vorderwagen - legte eine Übertragung des Sparkonzeptes auch auf den Lieferwagen-Bruder nahe.

 

Erster Schritt: Runter mit dem Luftwiderstand. Dazu liegt das Sparmodell 27 Millimeter näher am Asphalt als sein Serienpendant - eine Option, die auch für andere Caddy-Varianten verfügbar ist. Zudem besitzt es eine Unterbodenverkleidung und eine aerodynamisch optimierte Frontschürze mit sogenannten Radspoilern am hinteren Ende, die den Fahrtwind optimal zerteilen und um den Vorderwagen lenken sollen.

Zweiter Schritt: Runter mit dem Rollwiderstand. Im Gegensatz zu den Pkw-Blue-Motion-Modellen bleibt beim Caddy die Reifengröße zugunsten der Trag- und Nutzlast unangetastet, aber es kommen ebenfalls Leichtlaufreifen zum Einsatz, die zwar etwas weniger tragen, aber dafür leichter abrollen sollen.

 

Dritter Schritt: Feinarbeit an Motor und Getriebe. Eine neue Programmierung des Steuergeräts sorgt für optimierte Einspritzparameter und senkt die Leerlaufdrehzahl auf rund 800 Umdrehungen, die Fünfgangbox MQ 250 tritt mit veränderten Übersetzungen an. Schließlich bekommt der Blue-Motion noch jenen Partikelfilter verpasst, für den Caddy-Kunden sonst happige 510 Euro Aufpreis zahlen müssten. Der sorgt zwar eher für Mehr- als für Minderverbrauch, rundet aber das angestrebte Saubermann-Image perfekt ab.

Während der Fahrt sind es im Wesentlichen drei Eindrücke, die sich im Laufe des Testzeitraums verfestigen: Beim Anfahren klingt das Pumpe-Düse-Aggregat noch ein wenig rauer als sonst, was der niedrigeren Standgaseinstellung geschuldet sein mag. Beim zügigen Beschleunigen fällt speziell der größere Drehzahlsprung beim Wechsel vom zweiten in den dritten Gang auf. Das Drehzahl- und Geräuschniveau auf der Autobahn profitiert aber spürbar von den längeren Getriebeübersetzungen: Bei Richtgeschwindigkeit brummelt der TDI mit rund 2400 Touren vor sich hin, die 3000er-Marke liegt erst bei Tacho 160 an.

 

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Blue-Motion-Caddy ist keine lahme Ente, sondern lässt sich bei Bedarf immer noch sehr flott bewegen. Dazu tragen auch die Tieferlegung und die daraus resultierenden geringeren Aufbaubewegungen bei. An der Zapfsäule bleibt die große Überraschung jedoch aus: Ausgeladen auf 2,1 Tonnen fährt der Caddy Blue­Motion mit 7,4 Litern pro 100 Kilometer auf der Testrunde ein akzeptables, aber nicht überragendes Ergebnis ein. Dies mag zwar zu einem Teil den winterlichen Witterungsverhältnissen (und der daran angepassten Bereifung) im Testzeitraum zu verdanken sein, trotzdem hatte der angegebene Normverbrauch von 5,7 Litern einen besseren Wert erhoffen lassen.

Unser Fazit fällt aber nicht nur deshalb zwiespältig aus. Denn streng genommen handelt es sich beim Caddy Blue-Motion eher um ein Ausstattungspaket als ein eigenständiges Modell. Rein finanziell betrachtet ein durchaus attraktives, denn Tempomat (260 Euro), Bordcomputer (155 Euro), Tieferlegung (210 Euro) und Partikelfilter (510 Euro) liegen zusammen bereits 105 Euro über dem Blue-Motion-Aufpreis von 1030 Euro. Die entscheidende Komponente für den Minderverbrauch, nämlich den optimierten Antriebsstrang, gibt es quasi gratis mit dazu.

Gleichzeitig begrenzen die Leichtlaufreifen das Gesamtgewicht des Lieferwagens, weswegen vor allem bei der Kombi-Variante zahlreiche sinnvolle Extras nicht zur Verfügung stehen. Die Wahlfreiheit des Kunden wird also gleich mehrfach eingeschränkt.Wir wünschen uns daher von VW ein Paket Blue-Motion „light“ mit Antriebstuning, Tieferlegung und neuer Frontschürze, aber mit Standardbereifung zugunsten des Gesamtgewichts und ohne Elektronik-Gimmicks. Denn sparen wollen alle - auch ohne Bordcomputer.

 
 
 
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Datum

13. Januar 2009
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