Telematik in der Entsorgungswirtschaft Zoom

Telematik: Keine Tonne bleibt mehr stehen

Der Markt in der Entsorgungswirtschaft ist heiß umkämpft. Telematik-Systeme helfen dabei, Betriebskosten zu senken und so wettbewerbsfähig zu bleiben.

Private Entsorgungsbetriebe brauchen spitze Ellenbogen, um sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Öffentlich-rechtliche Träger verschärfen die Situation zusätzlich.  Unter diesen Vorzeichen ist es für die privaten Dienstleister zunehmend wichtig, Fahrtrouten, Personal und Fahrzeuge optimal zu planen, um Betriebskosten zu senken. Immer mehr Betriebe setzen daher auf Telematik.

Einsparpotenzial beim Treibstoffverbrauch

Ein wesentliches Einsparpotenzial besteht beim Treibstoffverbrauch. Das berichtet Volker Braun, Abteilungsleiter für Systemlösungen beim Telematikanbieter MM-Lab. "Die Touren werden heute oft noch vom Fahrer selbst optimiert", berichtet Braun. Aufzeichnungen würden jedoch belegen, dass Fahrzeuge deshalb unnötige Tonnenkilometer zurücklegen, weil Straßen nicht passierbar, oder Routen nicht optimiert sind.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob der Mitarbeiter die Route kennt oder nicht. Um bis zu zehn Prozent mehr an Tonnenkilometer sind laut Braun dennoch drin. Dazu macht er folgende Rechnung auf: Der Fahrer legt ohne Telematik im Schnitt rund 20 Kilometer mehr pro Tag zurück. Bei einem Durchschnittsverbrauch von rund 80 Litern wären das   16 Liter Diesel, die unnötig verbrannt werden. Gemessen an einem Fuhrpark von zehn Fahrzeugen, macht das laut Braun 56.000 Euro aus, die man durch eine Routenoptimierung einsparen kann. "Hinzu kommt, dass man mit einer Telematik-Lösung auch ortsfremde Fahrer einsetzen kann."

Optimierte Tourlisten

Ein weiterer messbarer Vorteil ergibt sich bei den Arbeitszeiten: Optimierte Tourlisten, Abhol-Reihenfolgen und Routen können jährlich bis zu zehn Prozent einsparen. Für ein Fahrzeug mit einem Fahrer und zwei Ladern macht das etwa 18 Euro pro Tag aus, die ansonsten für Überstunden anfallen. Bei den angenommenen zehn Fahrzeugen ergibt sich rechnerisch ein Vorteil von etwa 45.000 Euro.

Hinzu kommt die Arbeitszeit für den Disponenten. Steht  eine Tonne nicht vor dem Haus oder ist zugeparkt, vermerken das die Fahrer in der Tourenliste. Aber auch gesperrte Straßen und Baustellen lassen sich dokumentieren. Diese Tourenlisten führen die Fahrer in der Regel handschriftlich. Der Disponent muss diese Daten anschließend manuell ins System  einpflegen. Nur dann kann er sie für die kommenden Touren berücksichtigen.
Durch den Einsatz einer Telematik lassen sich Anfahrtswege über ein Ortungsmodul erfassen oder der Fahrer kann diese über das Endgerät im Fahrzeug festhalten. Dies ist etwa dann der Fall, wenn sich ein Haus nur von einer Seite sinnvoll anfahren lässt. Auch in dem Fall muss kein Disponent mehr ran.

Telematik spart Zeit

Ein zusätzlicher Zeitaufwand entsteht durch kurzfristige Änderungen im Routenplan. Die erhält der Fahrer sonst telefonisch. Durch die Telematik landet dieselbe Info nun direkt auf seinem Endgerät im Fahrzeug.

Die eingesparte Zeit summiert sich. Bei der Dokumentation und Kommunikation von nur zehn Touren pro Tag spart der Entsorger laut MM-Lab weitere 70.000 Euro ein. Zudem entstehen durch Zusatzfahrten weitere Treibstoff- und Arbeitskosten. Bei nur fünf Zusatzfahrten pro Tag mit jeweils 20 gefahrenen Kilometern, entsteht nach Angaben von MM-Lab jährlich ein zusätzlicher Mehraufwand von 43.000 Euro.

Doch nicht nur bei Arbeitszeit und Treibstoff lässt sich bares Geld sparen. Die Entsorger erhalten auf Antrag außerdem Zuschüsse vom Bundesamt für Güterverkehr.  Mit dem Förderprogramm De-minimis bezuschusst die Behörde den Kauf eines Telematik-Systems mit bis zu 2.000 Euro je Fahrzeug. Auch an dieser Stelle rechnet MM-Lab mit einer Fuhrparkgröße von zehn Fahrzeugen und kommt so auf einen möglichen Förderbetrag von 20.000 Euro.

Sparpotenzial: 234.000 Euro im ersten Jahr

Nimmt man die verfügbaren Fördermittel hinzu, ergibt sich eine rechnerische Gesamtsumme von rund 234.000 Euro, die Entsorgungsunternehmen allein im ersten Jahr durch Einführung einer Telematik einsparen können.

Der tatsächliche Nutzen einer Telematik-Unterstützung ist für Volker Braun jedoch noch höher: Aufgrund nicht optimierter Routen seien zum Teil mehr Fahrzeuge im Einsatz als nötig. Durch eine optimierte Touren können seiner Ansicht nach Fahrzeuge besser ausgelastet werden.  Im besten Fall seien demnach weniger Fahrzeuge vonnöten.

In Zahlen nicht messbar, ist eine deutliche Verbesserung des Service-Angebots. Durch Abruf des Tour-Status kann der Disponent die Position des Fahrzeugs exakt bestimmen und dokumentieren. Dies sorgt vor allem bei Reklamationen für mehr Sicherheit und eine bessere Außenwirkung gegenüber dem Kunden. "So kann das Call Center den Kunden beruhigen und versichern, dass sein Müll nicht vergessen wurde, sondern dass der Wagen in etwa zehn Minuten vor seiner Tür steht", sagt Braun. Kundennähe und Zuverlässigkeit würden künftig über die Auftragslage entscheiden, da diese einen Mehrwert  bedeuten. Und der Kunde weiß ein Händchen für seine Bedürfnisse sicher mehr zu schätzen als spitze Ellenbogen.

Knut Zimmer

Autor

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ART

Datum

10. April 2012
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