Teardrop-Trailer, DHL 8 Bilder Zoom

Teardrop-Trailer: Form vollendet

In Großbritannien gehören Teardrop-Trailer längst zum Straßenbild. DHL setzt auch in Europa einige der tropfenförmigen Auflieger ein.

Silvio Jahn erinnert sich noch gut an seine ersten Fahrten mit dem neuen Auflieger: "Kommt ihr wieder mit dem Gelben, hieß es da immer an der Ladestelle. Da kann man doch hinten nicht richtig hochpacken." Inzwischen haben sich alle an den einachsigen Planenauflieger mit der futuristischen Tropfenform gewöhnt: die Lagerarbeiter, die ihn mit Bauteilen, Geräten und Leergut beladen, Jahn, der ihn im Nahverkehr zwischen Bremen und Hamburg fährt, und sein Kollege, der damit auf Tour zum Airbus-Werk in Toulouse geht.

Noch ist der Trailer nicht nur im Fuhrpark von Activ Cars, einem auf die Luftfahrtindustrie spezialisierten DHL-Partner, ein Unikat, sondern in ganz Deutschland. Das liegt vor allem an der Höhenbeschränkung in Kontinentaleuropa. Bei maximal vier Metern fällt die Ladehöhe zum Heck hin recht niedrig aus. Beladen wird daher seitlich, die Hecktüren bleiben meist geschlossen.

Auf der britischen Insel sieht es anders aus, weiß Achim Jüchter, Flottenexperte Grüne Technologien bei Deutsche Post DHL (DPDHL), zu berichten: "Dort ist grundsätzlich erst bei 4,90 Meter Höhe Schluss – ­wodurch die Teardrop-Auflieger auch am Heck noch eine praktikable Höhe aufweisen." Daher setzt DHL in Großbritannien nach eigener Angabe bereits über 1.100 Teardrop-Züge ein.

Tropfenform hilft, Klimaziele zu erreichen

Mit dem Auflieger für Activ Cars hat der Konzern erst im Sommer 2014 den Sprung aufs Festland gewagt. Das liegt nicht zuletzt an den internen Klimazielen für die gelbe Flotte: Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß pro Tonnenkilometer um 30 Prozent im Vergleich zu 2007 sinken. Durch die Tropfenform wird sich die CO2-Emission des Sattelzugs um sechs bis zehn Prozent verringern, so das Ziel, und damit natürlich auch der Kraftstoffverbrauch. "Der Hersteller verspricht bis zu 15 Prozent Ersparnis", berichtet René Künzer, einer der Disponenten bei Activ Cars. "Aber das geht nur, wenn es keine Höhen­begrenzung auf vier Meter gibt." Hierzulande liegt der Wert also irgendwo darunter. Silvio Jahn ruft später auf der Autobahn den Durchschnittsverbrauch seines Actros 1840 ab: 22,1 Liter zeigt das Tachodisplay an. Der Auflieger ist zu diesem Zeitpunkt nahezu leer.

Insgesamt fasst er neun Tonnen Fracht, das Leergewicht liegt ebenfalls bei neun Tonnen. Fürs Kerngeschäft von DPDHL, den Paket-Transport, kommt der Auflieger eher nicht in Frage. Dort sind hauptsächlich Wechselbrücken im Einsatz. Denn sobald sich der Tropfen aus mehreren Teilen zusammensetzt, die ständig durchgetauscht werden, stößt das Konzept schnell an seine Grenzen. "Teardrop-Trailer sind wie Megatrailer – es gibt Nischen, in die sie gut passen und welche, wo nicht", sagt Jüchter. "Wir sehen aber noch Potenzial in Kontinental­europa." Wie zum Beweis kamen kurz vor Weihnachten zwei weitere Teardrop-Trailer hinzu. Sie stammen ebenfalls vom englischen Fahrzeugbauer Don-Bur, sind diesmal allerdings zweiachsig. "Von einer bis drei Achsen ist alles möglich", betont Flotten­experte Jüchter. Die beiden Neuen sind fortan beim belgischen DHL-Partner Ninatrans im Einsatz und werden, um den "carbon footprint" weiter zu verkleinern, von Iveco Stralis LNG in Euro 6 gezogen. Auch in Deutschland wird womöglich bald ein zweiter Teardrop-Trailer die Blicke auf sich ziehen. "Ich bin optimistisch, dass es nicht mehr lange dauern wird", meint Jüchter ganz diplomatisch.

Technische Daten

Hersteller: Don-Bur Bodies & Trailers, England
Außenabmessungen (L/B/H): 1.370/2.550/4.000 mm
Heckhöhe: 3.220 mm (Ladekante 1.000 mm, Luftdiffusor: 220 mm) Volumen: 88 m³ Nutzlast: 9.000 kg zul.
Gesamtgewicht: 18.000 kg
Leergewicht: 9.000 kg

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

Johannes Roller

Datum

23. April 2015
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