TA-Petro Truckstop in Ontario, Kalifornien 30 Bilder Zoom

TA-Petro Truckstop in Ontario, Kalifornien: Home on the Road

1.300 Lkw-Parkplätze sind ein Wort – auf dem TA-Petro Truckstop im kalifornischen Ontario ist aber noch mehr geboten. FERNFAHRER war zu Besuch.

Sich ein bisschen umschauen und über den Platz spazieren, das ­gerät hier leicht zu einem halbstündigen Fußmarsch – und dann hat man erst die eine Hälfte des TA-Petro Truckstop Ontario gesehen. Auf der anderen Straßenseite geht es noch weiter. Neben der autobahngleichen Interstate 10 an der Ausfahrt 57 liegt der größte Truckstop Kaliforniens. Trucks parken, Trucks tanken, Trucks rollen über die Waagen oder in die Werkstatt. Hochbetrieb, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. "Wir eröffneten Anfang der 1980er-Jahre und warfen die Schlüssel quasi gleich weg", scherzt Pete Wicky. Der Gebietsleiter von TA-Petro ist zuständig für Truckstops in Kalifornien, Nevada und Arizona. Er lächelt und zwinkert: "Ontario ist mir aber der ­Liebste, denn hier habe ich selbst vor 33 Jahren angefangen als Job neben dem College."

Größter Containerhafen in Nordamerika

Ontario, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Provinz in Kanada, ist ein Vorort von Los Angeles. Aber nicht nur die ­Versorgung der Megametropole erfordet Millionen Lkw-Transporte jährlich. So richtig brummt der Motor hier durch den "Port of Los Angeles". Der ist nämlich der größte Containerhafen Nordamerikas. Die Kennzeichen der Lkw verraten, dass sie von überall aus den USA kommen sowie aus Kanada und Mexiko. "Bereits am frühen Nachmittag sind unsere 1.300 Parkflächen fast voll belegt", erzählt Pete, während er uns herumführt. "Bei meiner Aufgabe als lokaler Manager lerne ich viele unserer Gäste näher kennen, manche treffe ich heute noch und wir sind per Du." Seine Kundschaft beschreibt Pete als eigenes, aber sehr liebenswertes Völkchen, mit dem man so einiges erleben könne. Einer der Männer, die den Truckstop über Jahre hinweg regelmäßig anfuhren, bat ihn sogar um einen außergewöhnlichen Gefallen: "Er sagte, er gehe bald in Rente und käme leider nicht mehr her. Aber wenn er sterbe, würde er mir seine Asche schicken lassen, damit ich sie bitte hier, wo seine zweite Heimat sei, verstreue." Tatsächlich kam einige Jahre später ein Paket mit einer Urne und einem Zettel: "Hi Pete, ich bin’s, wie be­sprochen. Mach deinen Job! Danke schön!" Pete klingt sehr gerührt und blinzelt tat­sächlich ein paar Tränchen weg, als er die Geschichte erzählt. Ein bislang einmaliger Kundenwunsch.

Heiraten direkt am Highway

Eheschließungen von Fahrerinnen und Fahrern, die sich in Ontario kennengelernt haben, stehen dagegen öfter auf dem Programm. Ob in der örtlichen "Trailer-Chapel" oder direkt unter kalifornischer Sonne auf dem eigenen Tiefbettauflieger, es ist alles möglich. "Warum auch nicht, dachte ich mir, als diese Anfrage zum ersten Mal kam", lacht Pete. Anregungen von Gästen umzusetzen ist ihm wichtig. Zum Beispiel die Schaffung von Behindertenparkplätzen: "Es war mir nicht bewusst, dass es Fahrer gibt, die richtig gehandicapt sind. Bis einer mit einem Rollator ankam und um einen Parkplatz nahe am Gebäude bat." Momentan läuft die Planung einer Lkw-Waschanlage. Auch so etwas, ­wonach oft gefragt wird. Sehr beliebt sind außerdem Veranstaltungen mit Tierheimen aus der Nähe, wo immer wieder gestandene Trucker augenblicklich ihr Herz an einen Hund verlieren und fortan einen tierischen Beifahrer haben. Der Truckstop ist selbst­verständlich ein "pet-friendly" Areal.

Zum Service auf dem Truckstop gehören zwei Werkstätten, das "Road Squad", die eigene Pannenhilfe-Einheit, und ein Dienstleister, der lädierte Frontscheiben tauscht. Im hinteren Teil des Geländes befindet sich die "Werkstatt" für Menschen, eine kleine Klinik. Dort können die Fahrer nicht nur im Notfall medizinische Hilfe finden, sondern bereits von unterwegs Termine ausmachen – zum Beispiel für die Untersuchungen zu ihren gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheitsnachweisen oder bei einem Chiropraktiker, der belastete Wirbelsäulen und Gelenke wieder einrenkt.

Kinoraum, Fitnessgeräte und Waschsalon

In den Hauptgebäuden ist nicht weniger los als auf dem Platz. Ein Kinoraum lädt zum kostenlosen Filmeschauen ein, es gibt Fitnessgeräte und in der "Laundry" rumpeln die Waschmaschinen und Trockner. Im Shop lässt sich so ziemlich alles finden, was die Trucker unterwegs brauchen könnten – und noch vieles mehr. Beeindruckend ist die ­große Auswahl an Elektronik: Navis, Headsets, Funkgeräte, Tablets, Bordcomputer für Telematik und Mobiltelefone. Sehr wichtig offensichtlich, um in Verbindnung zu bleiben in der Weite des transkontinentalen Truckings. "Wer Mitglied ist im TA-Petro-Bonusprogramm "UltraOne" bekommt im Shop vergünstigte Angebote", erwähnt Pete. Die Clubkarte zücken in der Tat fast alle Fahrer am Kassentresen, denn auf ihr sammeln sie auch Punkte fürs Tanken. Viele, mit Kulturbeutel bewaffnet, verwandeln die Gutschrift gleich in eine Duschmarke mit Nummer. Wenn sie die Treppe ins Obergeschoss hinaufkommen, zeigt ein Monitor dann meist schon an, welches der insgesamt 47 kleinen privaten Badezimmer mit WC und Dusche das ihre ist.

Fast-Food, Obst und Salatbar

Nach der äußerlichen Körperpflege darf die innerliche natürlich nicht fehlen: Für ­Eilige gibt es Vertretungen bekannter Fast-Food-Ketten und einen sogenannten "Deli"-Bereich für Selbstbedienung an Kaffee, Backwaren, Hotdogs und Obst. Alle anderen machen es sich in einem von zwei Restaurants gemütlich, wo die Salatbar, ein Buffet mit wechselnden Aktionsmenüs oder die ­Karte zur Wahl stehen. Im beliebten "Iron Skillet", zu Deutsch gußeiserne Stielpfanne, bekommen die Gäste zum Beispiel saftige Riesensteaks mit Gemüse, Pasta, gigantische Sandwiches mit Pommes und sogar den Nachtisch im Kochgeschirr serviert.

Aktuell sorgen sich in Ontario über 300 Mitarbeiter um das Wohl ihrer Kundschaft, viele von ihnen arbeiten schon sehr lange dort. "Ich denke, unsere Kunden finden es ganz schön, wenn sie hierherkommen und immer wieder die bekannten freundlichen Gesichter sehen. Das ist doch fast wie zu Hause, oder?", meint Pete.

Autor

Foto

Sandra Moser

Datum

24. April 2015
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