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Supertruck: Drive-Your-Dream-Truck

Da staunen die Büffel auf der Schwäbischen Alb nicht schlecht: Der Besucher aus Übersee hat längere Hörner als der Leitbulle.

Sieben Jahre Fernverkehr in der kanadischen Wildnis haben ihre Spuren hinterlassen an dem roten International i9900. An manchen Stellen platzt gar der Gammel ganz ungeniert durch den Lack. Luc Chartier, Verkäufer bei Peterbilt im kanadischen Montreal, rührt das nicht im Geringsten, er preist die zuverlässige Technik und die geringe Laufleistung: „Nur 650.000 Kilometer hat der ‚Eagle‘ auf der Uhr.“ Sein Gegenüber, Marco Barkanowitz, extra aus Deutschland angereist, sieht das völlig anders: „Guck mal hier, wie die Glocke vom Differenzial aussieht. Das geht doch gar nicht!“ „Kriegst du mit dem Dampfstrahler weg“, grinst der beredte Kanadier nur.

Einige Stunden später reichen sich die beiden Männer auf dem Schotterparkplatz die Hände und abends geht es gemeinsam zum Steakessen. Der Deal ist perfekt. Beide sind knallharte Truck-Händler, der eine in Kanada, der andere in Europa. Doch letztlich verbindet sie eine langjährige Freundschaft. „Und Luc hat mir noch nie irgendwelchen Schrott angedreht“, erzählt Marco. Aus dem unscheinbaren International will er einen richtigen Hingucker machen, das ist schließlich das Kerngeschäft seiner Firma American Truck Promotion. Im brandenburgischen Krieschow, eine Autostunde entfernt von Berlin, warten in der großzügigen Werkstatt mit Darek und Adam zwei absolute Edelschrauber auf das Amiblech.

Steht ein Teil nicht so zur Verfügung, wie das Team es sich vorstellt, bauen sie es oft kurzerhand selbst, etwa den Kühlergrill, den der „Eagle“ inzwischen trägt. Doch bis er den bekam, gab es noch eine Menge anderer Dinge zu erledigen. „Die meisten Trucks schaue ich mir persönlich an, ich kann einfach besser einschätzen, welche Maßnahmen für die Zulassung in Europa nötig sind, als meine US-Kollegen“, erklärt Marco. Den erheblichen Aufwand mit der Ausfuhrgenehmigung und dem Zollverfahren überlässt er gerne Luc. Auch hier sind die beiden ein eingespieltes Team.

Der Kanadier bringt den International später nach Halifax zur Fähre. Dabei ist die Fläche hinter dem Sleeper schon bepackt mit großen Kartons voller Ersatz- und Anbauteile. Denn wenn Marco schon mal „drüben“ ist, geht er auf Messen, um sich zu inspirieren, und kauft gleich auch die neuesten Teile ein, am liebsten bei seinem Freund Dieter Hohendorn. Der vor Jahrzehnten nach Kanada ausgewanderte Deutsche ist längst eine nordamerikanische Legende in Sachen Truck Customizing. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das schlichte Arbeitstier soll sich in einen echten Showtruck verwandeln

Nur drei Wochen vor dem Festival in Geiselwind landet der rote Ami in Antwerpen an, um dann auf eigener Achse nach Krieschow zu rollen. Stress mit Einfuhrzoll und EU-Fahrzeugbrief? Marco winkt ab, das gehört inzwischen zur Routine. „Aber wenn du keine Ahnung hast, ist das was zum Verzweifeln“, grinst er nur. Viel schlimmer sei es jetzt, bis Geiselwind das Auto auf Vordermann bringt. Schuld ist auch der FERNFAHRER, schließlich ist der Eagle gebucht als Zugfahrzeug für die Drive-Your-Dream-Tour. Im Rahmen der V-top-Initiative für ein harmonischeres Miteinander im Straßenverkehr und ein besseres Image der Berufskraftfahrer soll auch der faszinierende Teil dieses Jobs präsent sein. Da passt ein auffälliger US-Truck ganz gut und außerdem ist American Truck Promotion einer der Sponsoren. Somit fühlen sich Darek und Adam ganz besonders an der Ehre gepackt und geben alles, während Marco sich auf den Papierkrieg stürzt. Passende Stylingteile hat er längst bestellt und so gelingt es der Mannschaft tatsächlich, bis zum Termin ein prachtvolles Zugtier aufzubauen.

Sie strahlen, lackieren, reparieren, tauschen Verschleißteile aus und am Ende reisen sie stolz wie Oskar zu dritt nach Geiselwind – Mission erfüllt und der International spielt seine Rolle ebenfalls blendend. Nicht so bekannt wie Kenworth oder Peterbilt, sorgt er für eine Extraportion Interesse. Vielleicht baut Herpa ja eine Miniatur, als Sponsor ist der Modellbauer ja schon dabei. Aber nicht nur optisch ist der Eagle jetzt eine Show, denn bevor man ihn sieht, hört man ihn – und wie! Als Marcos Fahrer Mario Kaulfers zum Fotoshooting anrollt, erzeugen die Druckwellen der zehn Zoll starken „Hockey Sticks“ – so nennen die Amis diese Auspuffanlagen – dauerhafte Gänsehaut bei den Beteiligten des Fototermins. Das bassige Grollen, untermalt vom Turbopfeifen beim Schalten, ist einfach einmalig. Dazu ertönt dann noch das Donnern der Jake Break, der Motorbremse.

Im Inneren klingt der Caterpillar-Diesel noch eine Oktave tiefer und Mario beweist, dass er ein Meister des unsynchronisierten Fuller-Getriebes ist. Ein kleiner Stepptanz auf der Kupplung zum Losfahren, danach flutschen die Gänge fast im Sekundentakt hinein, ganz ohne Tritt aufs Pedal. Der überlange Schaltknüppel scheint dabei kaum hinderlich zu sein und so sieht Mario aus, als würde er einarmig Chopper fahren. Wenn der Blick über die blitzenden Instrumente durch die geteilte Frontscheibe schweift, erscheint die Landschaft hinter der langen Haube seltsam winzig. Mit dem schmalen Asphaltband davor wirkt es wie eine Tour mit der Luxusjacht auf einem Gebirgsbach. Passend zur donnernden Zylindersinfonie zieht der 550-PS-Motor gewaltig.

Kein Dieselfreund, der da nicht ein Lächeln im Gesicht hat. Selbst die fotogenen Büffel von Alb-Cowboy Willi Wolf scheinen den Klang zu mögen, denn statt wie befürchtet zu türmen, versammelt sich die ganze Herde sofort am Truck und beäugt das glänzende Stück Technik neugierig von allen Seiten.

Andreas Techel, Chefredakteur

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Datum

7. September 2012
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