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Studiengang: 40 Jahre Verkehrsbetriebswirtschaft

Verkehrsbetriebswirtschaft als Studiengang gibt es seit 40 Jahren an der Hochschule Heilbronn. Was sich in dieser Zeit auf der Straße getan hat, zeigte ein Rückblick.

Dem Schwaben sagt man nach, mit 40 "g’scheit", also klug, zu werden. Bei einem Studiengang darf man wohl davon ausgehen, dass dieses Stadium bereits früher erreicht wurde. Sicher ist hingegen, dass die Verkehrsbetriebswirtschaft (VB) in den zurückliegenden vier Jahrzehnten eine ganze Menge an namhaften Spediteuren und Logistikern hervorgebracht hat. Auch wenn das nicht immer ganz ohne Stolperer von statten ging. Das zeigt das Beispiel von Andrea Marongiu, der mittlerweile als Geschäftsführer die Geschicke des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) lenkt.

Prof. Roller war das HGB! 

Unter anderem durch die harte Roller’sche Schule sei er gegangen. "Da ging es um das Handelsgestzbuch. Ach was sage ich: Prof. Roller war das HGB!", sagte Marongiu in seinem Rückblick. Gleich zwei Mal sei er in der Prüfung gescheitert - um dann im letztmöglichen Versuch bei einem anderen Prof. endlich den begehrten Schein in Händen zu halten. Aber noch etwas habe ihn VB gelehrt: "»Eine klare Sprache ist wichtig." Dabei gehe es weniger um den schwäbelnden Italiener, als viel mehr um eindeutige Formulierungen. Auch wenn sich aus dem Begriff Phrasendrescher mittlerweile der des Kompetenzgenerators entwickelt habe. "Und den gibt’s bestimmt auch schon als App fürs Smarthone", gab der VSL-Mann zum Besten, der selbst vor 15 Jahre sein Diplom erhalten hat. Hochtrabende und gleichsam nichtssagende Formulierungen seien nie ratsam, auch wenn es sie nun per Fingerzeig gibt.

40 Jahre Verkehrspolitik

Einen Rückblick gab’s dann vom jüngsten Spross im VB-Team, Prof. Dr. Tobias Bernecker. Allerdings nicht zum Studiengang sondern zu 40 Jahren Verkehrspolitik. 1971 sei die Bottwartal-Bahn das letzte Mal gefahren. Auch habe es in diesem Jahr zum ersten Mal ein Fluglärmgesetz nebst Lärmschutzzone gegeben. Gleichsam sei die Zahl der Fahrzeuge um 8,4 Prozent im Jahr gewachsen. Ebenfalls in dieses Jahr fällt der zweite Fernstraßenausbauplan, die heutige Bundesverkehrswegeplanung. »Die Grundidee war, dass es für jede Route zwei Optionen geben soll«, erklärte Bernecker. Doch gleich mehrere Autobahnen, die zur Entzerrung des zunehmenden Verkehrs gedacht waren, fielen dem Rotstift zum Opfer. Darunter fällt die A 80 von Germersheim über Bruchsal, Maulbronn, Stuttgart, Göppingen und Ulm nach Senden. Aber auch das fehlende Teilstück der A 81 mache sich bemerkbar. Denn ursprünglich war geplant, dass die A 81 von Leonberg aus vorbei an Renningen und Magstadt bis Gärtringen führt. Letztlich reichte es nur für eine abgespeckte Variante. Deshalb führt die Route heute über die A 8 zum Kreuz Stuttgart. "Das führt zur heutigen Überbelastung und den damit einhergehenden Verkehrsproblemen", erklärte der Wissenschaftler. Nun sei es unrealistisch zu glauben, dass es diese Strecken jemals gebaut würden. Realität seien hingegen die Hoffnungen, die die Politik in den Kombinierten Verkehr (KV) setzt. "Dafür ist es wichtig zu wissen, wie hoch das Potenzial tatsächlich ist", sagte er. 

80 Prozent der Lkw-Verkehr nicht für den KV geeignet

Kurzerhand zeigte er den Anwesenden auf, dass 80 Prozent der Lkw-Verkehre nicht für den KV geeignet sind, da sie Strecken von weniger als 300 Kilometern betreffen. Von den verbleibenden 20 Prozent seinen weitere zehn wegen technischer Probleme wie der Ladungsgröße dafür ungeeignet. Bleiben zehn Prozent oder 379 Millionen Tonnen pro Jahr. "Das wiederum ist die sechsfache Menge des heutigen Aufkommens im KV", erläuterte er. Doch seien die Haupttrassen bereits überlastet. Mehr KV sei zwar wünschenswert, doch gelte es, sich der Grenzen bewusst zu sein. Auch wenn die Politik immer bemüht sei, den Verkehr neu zu gestalten.

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14. Dezember 2011
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