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Studie zum Welthandel: Handelsschranken kosten Milliarden

Die international agierende Strategieberatung Bain & Company hat eine Studie zum Welthandel veröffentlicht.

Kernthese der Studie "Enabling Trade: From Valuation to Action" ist, dass nach wie vor hohe Handelsschranken jährlich Milliarden-Kosten verursachen. Zudem seien sie auch der Grund für mehr als eine Milliarde Tonnen verdorbener Lebensmittel pro Jahr. Laut Bain setzen bereits die meisten nationalen Regierungen auf Handelsabkommen. Fast überall auf der Welt, so Bain, bewegen sich die Zölle daher bereits im einstelligen Bereich. Der nächste Schritt müsse über weitere Zollsenkungen hinausgehen.

Wie das Unternehmen berechnet hat, würde die Beseitigung von Hemmnissen in internationalen Lieferketten das weltweite Bruttoinlandsprodukt um knapp fünf Prozent erhöhen. Dies sei das Sechsfache dessen, was die Abschaffung sämtlicher Zölle bewirken würde. So hat Bain eigenen Angaben zu Folge ermittelt, dass nahtlos funktionierende Lieferketten beispielsweise in Südostasien ein Wachstumsplus von acht Prozent mit sich brächten, in Afrika seien gar zwölf Prozent möglich. Dazu hat Bain sowohl die Agrar- als auch die Automobilindustrie beleuchtet und entsprechende Thesen aufgestellt. Könnte ein Autobauer auf dem Weg vom Fließband bis zum Händler einen einzigen Tag einsparen, so Bain, käme dies einer Zollsenkung von zwei Prozent gleich. Aktuell müsse dieser Industriezweig jährlich 50 Milliarden für Zölle aufwenden. Bringe wiederum ein Bauer seine Ernte einen Tag schneller in die Geschäfte, entspräche dies einer Zollsenkung von 1,1 Prozent.

Großes Potenzial in Afrika

Besonders in Afrika bestehe hier Potenzial. Während in Europa und Nordamerika 40 Prozent der Lebensmittelverluste nach dem Kauf in den Haushalten anfielen, treffe dies in Afrika nur auf sechs Prozent zu. 94 Prozent der Verluste, so Bain, gehen auf den Weg zwischen Erzeuger und Händler zurück. Als Beispiel führt Bain die Grenzabfertigung zwischen Ruanda und der Republik Kongo an. Diese dauere ähnlich lange wie ein Transport über 1.600 Kilometer. Weltweit, so Bain, verbrauchen nicht verzehrte Lebensmittel 30 Prozent der Agrarflächen. Bislang arbeite die Branche lediglich daran, die Lebensmittelproduktion zu erhöhen.

Als nächste Herausforderung klassifiziert Bain & Company die Verschwendung durch Zeitverlust und Lieferprobleme zu bekämpfen. "Verbessertes Management der Lieferketten ist ein effektives Werkzeug zur nachhaltigen Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln", sagt Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company. "Unternehmen haben gute Chancen, bessere Beziehungen zu Landwirten und Verbrauchern zu schaffen und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeits- und Wachstumsziele zu erreichen."

Handelshindernisse beseitigen

Neben Maxi-Hürden wie hohen Zöllen, die die Welthandelsorganisation (WTO) und andere Institutionen bereits abgemildert hätten, seien in Zukunft subtilere Handelshindernisse zu beseitigen, wie zum Beispiel die komplexen Prozesse beim Grenzübergang. Bain nennt hierzu Russland. Transporter würden beim Grenzübertritt exakt gewogen. Schon kleinste Abweichungen, so Bain, führen zu Verzögerungen. Eine Palette, die in Westeuropa nass verladen wurde und auf dem Weg nach Russland getrocknet sei, also Gewicht verloren habe, müsse neu gewogen werden.

Ein weiteres Problem seien auch unterschiedliche Sicherheitsstandards in den USA und Europa, die die Autoindustrie belasten. Politische Entscheidungsträger müssen demnach den freien Warenverkehr unterstützen, statt ihn zu blockieren. "Wie brandaktuell dieses Thema ist und welche Konsequenzen Handelsbeschränkungen haben, zeigen einmal mehr die politischen Akteure in der aktuellen Ukrainekrise", sagt Sinn. "Was diese Entwicklung an Wohlstandsverlust für alle betroffenen Länder bedeutet, bleibt noch abzuwarten."

Ford Transit Custom

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Franck Boston/Fotolia

Datum

26. August 2014
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