Gesellschafter Wolfgang Groß-Elsen Zoom

Wolfgang Groß-Elsen im Gespräch: "Umsatz in Polen verdreifachen"

Der Dieselgeruch ist bei Elsen noch vorhanden, der Fokus der Unternehmensgruppe aus Wittlich liegt aber klar auf der Logistik. Warum jetzt auch die Beratungsfirma Chaindson gegründet wurde, erklärt Gesellschafter und Geschäftsführer Wolfgang Groß-Elsen im Gespräch.

Im Jahr 1870 als Spedition gegründet, sind heute immer weniger Lkw mit dem orangefarbenen Logo des Wittlicher Unternehmens Elsen unterwegs. Die beiden Gesellschafter und Geschäftsführer Wolfgang Groß-Elsen und Volker Groß sowie Thomas Klein, CEO der Holding, steuern das Familienunternehmen vielmehr konsequent Richtung Logistik. Wolfgang Groß-Elsen erklärt trans aktuell-Redakteurin Ilona Jüngst, wohin der Weg führt.

trans aktuell: Herr Groß-Elsen, die Elsen-Gruppe hat schon vor Jahren begonnen, den Fokus auf die Logistik zu richten. Neueste Aktivität ist ein Beratungsunternehmen. Wie fahren Sie damit?

Groß-Elsen: Sehr gut. Wir haben sukzessive durch Hinzugewinnung neuer Kunden den Geschäftsbereich Logistik aufgebaut und haben parallel dazu auch den Bereich Personaldienstleistungen entwickelt. Ein Ergebnis dieser strategischen Ausrichtung ist unser Beratungsunternehmen Chaindson.

Wie sieht jetzt der Speditionsbereich aus?

Der Bereich der Spedition 
ist ebenfalls weiterentwickelt worden, wobei der Anteil unserer Eigenproduktion rückläufig ist. So hatten wir 2007 noch 100 Fahrzeuge, heute sind es 50. Im Gegenzug haben wir jedoch viel in Kooperationen investiert, sodass wir heute beispielsweise sehr viele Transporte über das Elvis-Netzwerk organisieren.

Aber komplett wollen Sie nicht auf den Eigenfuhrpark verzichten?

Nein, auf keinen Fall. Die Fahrzeuge sind notwendig, um sie auf Kundenwunsch teilweise in festen Rundlaufverkehren einsetzen zu können. In der Produktionsversorgung ist das beispielsweise sehr oft der Fall.  Darüber hinaus haben wir seit 2004 ein Tochterunternehmen in Polen, das in den vergangenen Jahren stark expandierte. Wenn man unsere Speditionsumsätze von Deutschland und Polen vergleicht, ist das inzwischen schon fast pari.

Wie haben Sie das geschafft?

Zum einen haben wir dort einen Geschäftsführer, der sich stark im Vertrieb engagiert. Zum anderen ist die Arbeitsmethodik an unsere bewährten Prozesse angepasst worden. Das Resultat sind zufriedene Kunden aufgrund unserer Qualität und Zuverlässigkeit.

Wer sind die Kunden?

Unsere Kundenstruktur ist breit gefächert. Vor Ort arbeiten wir für deutsche Firmen sowie für international tätige Unternehmen. Ebenso haben wir polnische Kunden, die rein für den polnischen Markt produzieren.

Hat das sogar den deutschen Bereich gestützt?

Ja. Wir haben Großkunden mit Hauptsitz in Polen, deren Beschaffungs- und Distributionslogistik zum Großteil auf Deutschland entfällt. Und diese Prozesse organisieren wir mit unseren Mitarbeitern in Deutschland.

Was machen Sie da im Detail?

Die Produktionslogistik ist ein Geschäftsmodell, das sich im Kern immer wieder gleicht – egal ob in Polen oder Deutschland. Wenn das Modell zu 100 Prozent umgesetzt wird, steuern wir alle Materialflüsse in einer Fabrik. Das fängt beim Wareneingang an, geht über die Zwischenlagerung und endet in einer meist sehr kurz getakteten Versorgung der Produktionsbänder. Unsere Aufgabe ist es hierbei, die Produkte so zu kommissionieren und anzuliefern, dass diese vom Monteur sofort verbaut werden können.

Seit Juni gehört auch Chaindson zur Elsen-Gruppe. Wie kam es zur Gründung des Beratungsunternehmens?

Unsere Kunden suchen selten Laderaum für eine einzelne Palette. Vielmehr verlangen sie nach kompletten Logistiklösungen. Beratungsdienstleistungen spielen deswegen in unseren Geschäftsbeziehungen eine immer größere Rolle. Die Gründung von Chaindson war daher die logische Konsequenz einer Entwicklung, die sich schon seit Jahren abzeichnet.

Was gehört zur Dienstleistung?

Chaindson ist ein Beratungsunternehmen für die produzierende Industrie sowie für Transport- und Logistikdienstleister. Spezialisiert hat sich unsere Tochter auf die Analyse von materialwirtschaftlichen Prozessen sowie die Umsetzung von Optimierungskonzepten. Neben der reinen Beratung bieten wir auch Interimsmanagement für unterschiedliche Organisationsbereiche an.

Wie sieht damit die Umsatzverteilung bei Elsen aus?

Zu dem neuen Bereich können wir natürlich noch keine Aussagen machen. Aber der Bereich Spedition und Transport macht knapp 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus, die Logistik liegt bei etwa 35  Prozent und die Personaldienstleistungen kommen auf rund 25 Prozent, wobei der Bereich gerade in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen ist.

Wie das?

Die Gründe sind vielfältig. Den Anstoß hat bei uns sicherlich die Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 geliefert. Während dieser Zeit ist die Erkenntnis gereift, dass wir unsere Geschäftsfelder in Breite und Tiefe erweitern wollen. Heute setzen wir unsere Mitarbeiter wesentlich flexibler ein. Nimmt bei einem Kunden beispielsweise der Personalbedarf ab, so setzen wir unsere Kollegen meist nahtlos bei anderen Kunden in einer anderen Branche ein. Bis heute scheint das der richtige Weg für uns zu sein.

Hat der Wechsel in andere Branchen gut geklappt?

Ja. Grund dafür sind aber nicht nur die Personaldienstleistungen. Der  Ausbau unserer Geschäftsfelder wird ebenso durch unsere Vertriebsmitarbeiter sowie unser Callcenter unterstützt. Zudem konzentrieren wir uns nicht mehr nur auf logistische Berufe. Mittlerweile beschäftigen wir auch Schweißer, Schlosser und andere Industriefacharbeiter.

Im Rahmen der Diskussion um Werkverträge ist das Thema gerade in der Öffentlichkeit nicht sonderlich beliebt, oder?

Das Modell hat aber nichts mit der Bereitstellung von Personal zu tun. Für uns ist die Sache recht klar: Unsere Zeitarbeiter werden nach einem Tariflohn bezahlt, den der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) für uns ausgehandelt hat. In bestimmten Branchen gibt es dann noch einen Zuschlag zum Tariflohn.

Sehen Sie bei den Personaldienstleistungen noch Wachstumschancen?

Nur begrenzt. Das Potenzial für Personaldienstleistungen wird vor allem durch politische Rahmenbedingungen bestimmt. Und hier sehen wir eher Einschränkungen auf uns zukommen. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Zahl der logistischen Werkverträge zwischen produzierenden und dienstleistenden Unternehmen weiter wachsen wird. Aus unseren Projekten wissen wir, dass da noch viel Rationalisierungspotenzial gehoben werden kann.

Wie sehen die Wachstumspläne in den anderen Bereichen aus?

Wir wollen natürlich weiter wachsen. Aber im Bereich Spedition und Transport ist das schwierig. Hier tummeln sich einfach zu viele Unternehmen, sodass die Rentabilität weiter abnimmt. Wir werden daher verstärkt auf Kooperationen wie die mit dem Transportnetzwerk Elvis setzen. In Polen haben wir hingegen ein ganz anderes Bild. Mit Zuwachsraten von 30 bis 40 Prozent pro Jahr fahren wir hier eine ganz andere Rendite ein, weshalb wir den Umsatz in unserem Nachbarland noch verdreifachen wollen.

Und in der Produktionslogistik?

Aus unseren Projekten wissen wir, dass rund 60 Prozent der Logistikdienstleistungen immer noch von den Produktunternehmen selbst erbracht werden. Zudem wissen wir, dass Logistik nicht die Kernkompetenz, sondern eine Nebentätigkeit der produzierenden Industrie ist. Wir gehen an die Prozesse anders ran und führen sie auch anders aus. Dadurch ermöglichen wir in der Wertschöpfungskette eine höhere Effizienz und ganz andere Stückzahlen. Ein Schlüsselfaktor, das Outsourcing-Potenzial zu heben, ist für uns Chaindson. Im Zuge der Unternehmens- oder auch Personalberatung sind die Kunden oftmals bereit, die Möglichkeiten des Logistik-Outsourcings näher zu beleuchten.

Und wo sehen Sie die Elsen-Gruppe in zehn Jahren?

Wir stehen derzeit an einem Scheideweg. Bisher waren wir ein Familienunternehmen, aber mit fast 1.400 Mitarbeitern und 20 Standorten entwickeln wir uns in Richtung eines Großunternehmens. Eine zentrale Herausforderung liegt nun darin, die erforderlichen Strukturen weiter auszubauen und gleichzeitig den Geist des Familienunternehmens zu erhalten. Von meinen drei Söhnen zeigen zwei die Tendenz, in einigen Jahren Aufgaben in der Elsen-Gruppe zu übernehmen. Das zeigt zumindest ihre Studienauswahl. Ob das Unternehmen am Ende von einem oder zwei meiner Söhne geführt wird, weiß ich nicht. Viel wichtiger ist die Einsicht, dass bei einem Unternehmen dieser Größe die Geschäftsführung viel Verantwortung trägt. Ziel muss es daher sein, die besten Leute in der Führungsetage zu haben. Wenn das Familienmitglieder sind – schön. Wenn nicht, dann ist es so. Wir haben daher schon jetzt einen Aufsichtsrat zusammengestellt, der die Operative begleitet. Darin sind mein Bruder, drei externe Mitglieder und ich. Die Weichen für die Zukunft sind also gestellt.

Zur Person

Wolfgang Groß-Elsen ist seit 1988 geschäftsführender Gesellschafter und  Vorsitzender des Aufsichtsrates der Elsen-Holding mit Sitz in Wittlich. Darüber hinaus engagiert er sich etwa als stellvertretender Regionalgruppensprecher der Bundesvereinigung Logistik (BVL) für den Mittelrhein, als Fachspartenleiter Güterverkehr beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und als Vorsitzender des Verkehrs- und Logistikausschusses der IHK Trier.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Porsch/Sputnik

Datum

6. November 2013
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