Liefery stellt in Rekordgeschwindigkeit zu. Zoom

Start-up: Liefery stellt in Rekordgeschwindigkeit zu

Das in Frankfurt am Main ansässige Unternehmen Liefery versteht sich als Spezialist für taggleiche Lieferungen. Nils Fischer, Mitgründer und Geschäftsführer, sieht vor allem im Bereich Lebensmittel-Belieferung großes Potenzial. 

Laut dem Digital Market Outlook belief sich die Zahl der deutschen Onlinekäufer im Segment Lebensmittel und Getränke im Jahr 2016 auf mehr als 4,5 Millionen. Für 2021 wird die Zahl auf 6,97 Millionen geschätzt – das entspräche einem Wachstum von rund 55 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren. "Der Wunsch nach Bequemlichkeit, Planbarkeit und Schnelligkeit sind die treibenden Kräfte hinter dem starken Wachstum", sagt er.

Optimaler Fahrer wird automatisch ermittelt

Liefery ist für Kunden wie Amazon, Zalando, Notebooksbilliger, Mymuesli oder Mövenpick tätig und stellt deren Waren sowohl taggleich innerhalb von 90 Minuten als auch in Wunschzeitfenstern zu, zu der auch die Abendlieferung zwischen 19 und 22 Uhr gehört. „Geht ein Auftrag für die taggleiche Lieferung ein, ermitteln wir den optimalen Fahrer“, erläutert Fischer. Das geschieht mithilfe einer Technologie, die verschiedene Faktoren wie etwa den Aufenthaltsort aller verfügbaren Kuriere und deren Transportmittel – Auto, Transporter oder Fahrrad – schnell ermittelt. Das System erteilt den Fahrauftrag anschließend automatisch über eine sogenannte API-Schnittstelle oder eine Smartphone-App an den jeweiligen Fahrer. "So können wir sicherstellen, dass die Sendung auch pünktlich eintrifft", fügt er hinzu. Kommt es aufgrund von Stau doch mal zu einer Verspätung, informiert der Kurier den Empfänger umgehend.

Die Liefery-Routenplanung sorgt laut Fischer abhängig von Waren und Fahrzeug für eine optimale Auslastung der Fahrer und achtet zugleich darauf, dass das Pensum realistisch bewältigt werden kann. Fischer: "Bei der Auslieferung von Standardpaketen mit dem Lieferwagen erreichen wir mittlerweile eine hohe und effiziente Dichte an Stopps." Dazu arbeitet das Unternehmen mit einem Routing-Tool des Start-ups Graphhopper, das auf Tourenoptimierung spezialisiert ist. "Graphhopper kann Routenpläne für Tausende Stopps und ganze Flotten auf einmal berechnen", sagt der Geschäftsführer. Zusätzlich berücksichtige es auch Faktoren wie Kapazitäten und Zeitfenster der Fahrer. Um Fahrzeitprognosen zu erstellen, nutzt Liefery zudem Google Maps. "Es liefert uns auch Verkehrsprognosen und Live-Verkehrsdaten", fügt er hinzu.

Bestellungen bis 17 Uhr für abendliche Touren

Der späteste mögliche Zeitpunkt für eine Bestellung beim Händler, der sogenannte Order Cut-off, richtet sich in der Regel nach der geografischen Positionierung der Ware. Liegt die Ware bei einem Multi-Channel-Händler in der Filiale, werden Bestellungen bis zum späten Nachmittag gegen 17 Uhr angenommen. Kommt die Ware hingegen aus dem Zentrallager eines reinen Onlinehändlers, liegt der Annahmeschluss für Bestellungen des Kunden je nach Lage des Lagerstandorts zwischen 12 und 15 Uhr. Nach dem "Order Cut-off" erfolgen dann die Kommissionierung der Ware, der Transfer in ein zentrales Depot in der Innenstadt, die Sortierung aller Pakete und der Start der abendlichen Zustelltouren.

Das kann beispielsweise zwischen 19 und 21 Uhr erfolgen. Unabhängig von der Größe des Zeitfensters lässt sich aber bereits einige Stunden vor der Zustellung eingrenzen, in welchem einstündigen Zeitfenster die Zustellung voraussichtlich erfolgen wird. Der Empfänger wird darüber informiert, sodass dieser sich optimal auf die Belieferung einstellen kann. Zusätzlich erhält der Empfänger dann 30 Minuten vor der Zustellung eine SMS von Liefery, in der er abschließend auf die bevorstehende Ankunft des Kuriers vorbereitet wird. Auf diese Weise wird verhindert, dass Kunden in letzter Sekunde doch noch in den Keller gehen oder unter die Dusche verschwinden und der Kurier am Ende vor verschlossener Tür steht.

In 60 Städten aktiv

Derzeit ist der Lieferdienst in mehr als 60 Städten aktiv. „Die Geschäfte in Großstädten wachsen durch ihre große Dichte an Einzelhändlern und Verbrauchern am stärksten“, erläutert Fischer. Im ländlichen Raum entwickele sich das Thema taggleiche Lieferung naturgemäß etwas langsamer. Bei Unternehmensstart im Jahr 2014 ging es Liefery vor allem darum, schnell am Markt Fuß zu fassen, sowie um einen stabilen und raschen Ausbau des Netzwerks. "Das Thema Profitabilität haben wir dabei stets im Auge", sagt Fischer. Mit dem derzeitigen monatlichen Umsatzwachstum von 30 Prozent sehe er diesem Ziel positiv entgegen.

Seit Kurzem ist der Paketdienst Hermes mehrheitlich als Investor an Liefery beteiligt. "Damit haben wir einen starken Partner an der Seite, der es uns dank des investierten Kapitals ermöglicht, schnell zu wachsen", fügt er hinzu. Hermes sei einer der größten und erfahrensten Player im KEP-Bereich. Dennoch lege Liefery Wert darauf, als eigenständiges und unabhängiges Unternehmen am Markt zu agieren. Fischer: "Wir sind agil und flexibel und reagieren schnell auf sich ändernde Kundenwünsche mit passenden Services – das fehlt den großen Anbietern oft."

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Liefery

Datum

16. März 2017
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