FMS-Schnittstelle Zoom
Foto: Dan Boman

Fleet Management System

Standard mit Einschränkungen

Die FMS-Schnittstelle macht die Fahrzeugdaten für Drittanbieter zugänglich. Was sie liefert, hängt allerdings vom jeweiligen Lkw-Modell ab.

Alles könnte so einfach sein, dürfte man doch nur auf die Daten des CAN-Bus (Controller Area Network) zugreifen. Doch eine direkte Verbindung zum internen Fahrzeugbus ist aus Sicht der Lkw- und Bus-Hersteller verboten und führt zum Verlust der Garantie. Als Grund werden Sicherheitsbedenken angeführt. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, haben sich die europäischen Nutzfahrzeug-Hersteller Daimler, MAN, Scania, Volvo im Mai 2001 auf ein gemeinsames Schnittstellenprotokoll für Telematikanwendungen im Lkw geeinigt – die FMS-Schnittstelle. 2002 kamen Renault Trucks, DAF Trucks und Iveco hinzu. Damit erkennen alle sieben europäischen Lkw-Hersteller den sogenannten FMS-Standard an, der jedoch nach Ansicht des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA weltweit Gültigkeit haben soll. Telematische Anwendungen markenübergreifend ermöglichen FMS steht dabei für Flotten-Management-Schnittstelle (englisch: Fleet Management System). Ziel war und ist es, telematische Anwendungen markenübergreifend zu ermöglichen – und Dritten zugänglich zu machen. "Die technische Realisierung erfolgt (…) über eine herstellerspezifische Schnittstelle zum individuellen CAN-Bus des jeweiligen Fabrikats", heißt es dazu in einer Mitteilung von MAN. Noch deutlicher wird diese Einschränkung in der Beschreibung des FMS-Standards 3 vom 14. September 2012: "Die Genauigkeit/Interpretation der Signale kann sich je nach Fahrzeugmarke/Modellen unterscheiden." Ob man hinsichtlich dieser Einschränkungen bei der FMS-Schnittstelle von einem Standard sprechen kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Laut Spezifikation erhält man über die FMS-Schnittstelle aus dem CAN-Bus eine Reihe an Informationen Im Einzelnen sind das: Fahrzeuggeschwindigkeit (am Rad gemessen), Fahrzeuggeschwindigkeit (vom Tachometer gesendet), Kupplungspedal gedrückt (ja/nein), Bremspedal gedrückt (ja/nein), Tempomat (ein/aus), Nebenantrieb (Status/Modus), Stellung des Gaspedals (in Prozent), Gesamtverbrauch (Liter seit Auslieferung), Füllstand des Tanks (in Prozent), Drehzahl, Achslast (in Kilogramm), gesamte Betriebsstunden, Fahrzeug-Identifizierungsnummer, Tachografen-Daten, Kilometerstand, Kilometer bis zum nächsten Kundendienst, Kühlwassertemperatur sowie die Versionsnummer des verwendeten FMS-Standards (und damit der unterstützen Modi). 2010 kamen mit der Version zwei die Umgebungstemperatur, die Fahrernummer (1,2) sowie der momentane Kraftstoffverbrauch hinzu. FMS-Schnittstelle nicht nur für Lkw Sämtliche Daten werden im sogenannten Broadcast-Modus (der das Versenden von Daten von einem Master zu einer beliebigen Anzahl an Slaves ermöglicht) vom Fahrzeug verschickt. Die Daten sind dabei entsprechend SAE J1939 kodiert. Dabei handelt es sich um ein Netzwerkprotokoll, welches der Kommunikation auf einem CAN-Bus in Nutzfahrzeugen zur Übermittlung von Diagnosedaten dient, wie etwa der Motordrehzahl. SAE steht übrigens für Society of Automotive Engineers (Verband der Automobilingenieure). Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation für Technik und Wissenschaft, die sich dem Fortschritt der Mobilitätstechnologie widmet.Apropos Fortschritt: 2014 kam mit rFMS die neueste Generation der Schnittstelle, das "r" steht dabei für remote und folglich für die Fernabfrage der Daten. Gerade in Sachen Wartung beziehungsweise Maintenance eine wichtige Funktionserweiterung. Selbstverständlich gibt es die FMS-Schnittstelle nicht nur für Lkw. Gleiches gilt auch für Busse. Denn auf Basis des FMS-Standards für Lkw wurde die Schnittstelle zunächst von Neoman, Evobus, Scania Bus, Volvo Bus, Iris Bus und VDL eingeführt. Auf der Nutzfahrzeug IAA 2004 stellten sie den FMS-Standard für Busse schließlich offiziell vor, der wie der für Lkw kontinuierlich vorangetrieben wird.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 09/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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24. August 2016
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