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Tanken: Preise im Steigflug

Die hohen Spritpreise und häufigen Preissprünge versetzen das Transportgewerbe in Alarmbereitschaft. Der Thüringer 
Verkehrsminister Christian Carius will die Preistreiberei beenden.

Kostet das Brötchen morgens 30 Cent, ist nicht zu erwarten, dass der Bäcker dafür nachmittags 40 Cent verlangt. Beim Sprit sind solche Preissprünge keine Seltenheit. Das Thüringer Verkehrsministerium berichtet von Steigerungen um bis zu 14 Cent innerhalb weniger Stunden. "Leidtragende sind Pendler und das ohnehin schon stark belastete Güterkraftverkehrsgewerbe", heißt es. Minister Christian Carius (CDU) will dieser Preispolitik einen Riegel vorschieben.

Bundesrat hat dem Antrag für mehr Transparenz bei den Spritpreisen zugestimmt

Die Chancen stehen gut: Der Bundesrat hat einem Thüringer Antrag nach mehr Transparenz bei den Spritpreisen zugestimmt. Damit hat die Bundesregierung den Auftrag, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten. Diese Woche hat Carius seinen Vorstoß auch bei der Verkehrsministerkonferenz in Kassel vorgestellt. "Wir wollen das Thema auf allen Ebenen diskutieren und voranbringen", sagt ein Sprecher von Carius gegenüber trans aktuell. "Wir erwarten, dass wir die Preise mit unserer Initiative begrenzen und eine höhere Transparenz schaffen können."

Der Sprecher dämpft aber Hoffnungen auf stark fallende Preise. Der Vorstoß werde an der Knappheit der Ressourcen und der hohen Nachfrage nach Mineralölprodukten nichts ändern. Zum Vergleich: Im Februar 2012 lag der Verbraucherpreis pro Liter Diesel in Deutschland im Schnitt bei 148,1 Cent. Im Februar 2005 waren nur 95,1 Cent fällig – ein Anstieg um 56 Prozent.

Die Initiative des Verkehrsministers wird begrüßt

Die Transport- und Logistikwirtschaft begrüßt die Initiative ihres Verkehrsministers, die mit dem Gewerbe abgestimmt worden sei. "Es ist dringend erforderlich, dass wir dem ständigen Auf und Ab der Preise Einhalt gebieten", erklärt Thilo Müller, Hauptgeschäftsführer des Landesverbands Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV), gegenüber trans aktuell.

Die Spritkosten machten in einer Kraftwagenspedition rund ein Drittel der Betriebskosten aus. In absoluten Zahlen bedeuteten die steigenden Preise bis zu 500 Euro mehr im Monat pro Lkw. Diejenigen Firmen, die Preisgleitklauseln – sogenannte Floater – in ihren Verträgen verankert hätten, könnten sich glücklich schätzen. Doch in Thüringen habe nur ein geringer Teil der Betriebe solche Klauseln mit der verladenden Wirtschaft vereinbart. Der Grund: "Wir haben hier sehr viele Kleinunternehmen, die mit drei bis fünf Fahrzeugen nicht die Marktmacht haben, um solche Floater durchzusetzen." LTV-Chef Müller appelliert an die Speditionen, dringend das Gespräch mit den Auftraggebern zu suchen. "Sonst spielen sie mit ihrer Existenz."

Preisänderungen soll in einer Online-Datenbank veröffentlicht werden

Wie genau die Bundesregierung mehr Transparenz schaffen kann, davon haben auch der LTV oder das Ministerium in Erfurt noch keine klare Vorstellung. Im Gespräch ist etwa das österreichische Modell, wo die Preise nur einmal am Tag erhöht werden dürfen und die Preisänderungen in einer Online-Datenbank veröffentlicht werden müssen. Die Rede ist aber auch von der westaustralischen Variante, wo die Tankstellen täglich den Preis für den nächsten Tag melden müssen.

In jedem Fall spricht sich Minister Carius für eine unabhängige Stelle aus, die eine Datenbank mit den Preisen betreibt und für alle Verkehrsteilnehmer sichtbar macht. Zuversichtlich ist der Christdemokrat, dass es gelingt, ein dauerhaftes Verbot von sogenannten Preis-Kosten-Scheren durchzusetzen. Sie untersagen es den Konzernen, Kraftstoff an freie Tankstellen zu höheren Preisen zu veräußern, als an ihren eigenen Verkaufsstellen gelten. Es gebe Signale von der Bundesregierung, das aufzugreifen, sagt der Sprecher von Carius. Es sei an der Zeit, zu handeln.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

19. April 2012
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