Truckjob Saugbagger 13 Bilder Zoom
Foto: Sandra Moser

Spezialfahrzeuge

Karlheinz Blankenhorn fährt einen Saugbagger

Überall da, wo Arbeiter sonst viel schaufeln und schwere Eimer schleppen müssten, kommt Karlheinz Blankenhorn mit seinem Spezialfahrzeug zum Einsatz – er fährt und bedient einen Saugbagger.

Zugluft ist das Arbeitsmittel von Karlheinz Blankenhorn, und zwar im wortwörtlichen Sinn. Der 47-jährige Lkw-Fahrer bedient als Maschinist einen sogenannten Saugbagger. Das Spezialfahrzeug auf Basis eines MAN TGS 35.480 mit einem Aufbau der RSP GmbH funktioniert wie ein riesiger Staubsauger. Entsprechend sind seine Einsatzmöglichkeiten: Erde, Kies, Sand, Schutt, pulveriges Material, Schlamm, größere Steine und vieles mehr rüsselt er weg. Aktuell geht es um das Freilegen von Rohren und Leitungen in der Reutlinger Innenstadt. Reparaturen stehen an und eine Fernwärmeleitung wird eingezogen. Dazu brauchen die Arbeiter aber erstmal einen Überblick darüber, wo sich was befindet. "Zuerst kann man hier schon mit dem normalen Bagger arbeiten, aber dann muss man mit Schaufel und Eimer ran, um nichts kaputt zu machen – oder man bestellt einfach uns", grinst Karlheinz Blankenhorn. Etwa zwölf Mal schneller als mittels Handschachtung geht es mit dem Saugbagger voran. Die Baugrube ist schon fast zwei Meter tief und während ein Bauarbeiter unten Sand, Kies, Lehmklumpen und Steine auflockert, dirigiert der Maschinist per Fernbedienung vom Rand aus den Saugarm seines Fahrzeugs behutsam hin und her. Denn auch wenn der Saugbagger "nur" mit einem Luftstrom arbeitet, vorsichtig muss sein Bediener trotzdem sein. Zusätzliche Fernsteuerung erleichtert die Arbeit enorm "Der Zug ist ganz ordentlich, ein lose verlegtes Kabel zieht er ein und reißt es notfalls dabei ab", erklärt Steffen Koch, der Besitzer des Fahrzeugs, "natürlich kommt die Saugleistung immer auf das Material und die Distanz an, über die es geht – bis zu 100 Meter sind möglich – aber so direkt wie hier, flutscht auch ein Pflasterstein locker weg. Den hört man dann nur noch drinnen rumrumpeln." Etwa 42.000 Kubikmeter Luft pro Stunde wälzen die großen Turbinen im Inneren des Aufbaus geräuschvoll um. Drei Saugstufen sind möglich, je nachdem, wie zäh das Material reagiert und wie weit gezogen wird. Angetrieben werden die Turbinen direkt vom Fahrmotor des MAN, der dabei im Stand ähnlich hart arbeitet, als wäre der Lkw mit 80 auf der Autobahn unterwegs. Aber ohne die Kühlung durch den Fahrtwind. Die Temperatur muss der Maschinist deshalb immer grob im Blick haben, genauso wie die Tankanzeige. Nach etwa zehn Stunden Volllast steht die fast auf null. Doch da die acht Kubikmeter Inhalt des Sammelbehälters heute schon nach kurzer Zeit voll sind, ist jetzt erstmal "Abladen" angesagt. Karlheinz Blankenhorn baut das Rohrstück am Saugarm ab und verstaut es in einer Halterung am Heck. Dann manövriert er den MAN in Schrittgeschwindigkeit aus dem engen Baustellenbereich heraus – ohne drinzusitzen! "Dieses zusätzliche Feature der Fernsteuerung kostet extra und das nicht zu knapp. Doch es erleichtert die Arbeit ungemein. Denn sehr oft muss sich das Fahrzeug nur stückchenweise vorwärts bewegen. Wenn der Maschinist dafür immer ein- und aussteigen muss, wird er verrückt", beschreibt Steffen Koch, der den Saugbagger anfangs selbst gefahren und bedient hat. "In das normale Arbeiten mit dem Saugarm fuchst man sich rein und beim Fahren mit der Fernbedienung muss ich eben mitdenken. Dabei stehe ich vor meinem Fahrzeug und muss seitenverkehrt lenken. Alles eine Sache von Konzentration und Übung", meint Karlheinz Blankenhorn. Er arbeitet seit anderthalb Jahren mit dem Saugbagger, war vorher als Rohmilchsammler auf Tour, mit Kipper und Silo im internationalen Fernverkehr unterwegs und hat auch schon als Brechermaschinist im Straßenbau gearbeitet. Das eingesaugte Material kommt zu einem nahe gelegenen Sammelplatz des Kunden Omexom GA Süd GmbH. Dort öffnet der Fahrer den Deckel, beziehungsweise das Dach des Lkw, und kippt den Behälter seitlich ab. Regelmäßiger Großputz bei Produktwechseln Drinnen sieht man die drei Kammern, durch die der Luftstrom der Reihe nach fließt und dabei das Sauggut quasi fallen lässt. Zum Schluss geht die Luft durch eine große Filterbatterie, die die feinen Partikel aussiebt. Da auch Fermenter aus Biogasanlagen saugen zum Tätigkeitsfeld gehört, muss Karlheinz Blankenhorn öfter mal Großputz im Inneren machen. "Wenn ich einen Produktwechsel habe, wasche ich. Manche Kunden möchten ja zum Beispiel abgesaugten Kies von einem Flachdach woanders wieder einsetzen. Da kann ich schlecht die Reste aus der Biogasanlage mit hinkippen", lacht er. Nach dem Waschen "föhnt" sich das Fahrzeug mit seinen Turbinen auf Knopfdruck selbst trocken. Die feuchten Filter würden sich sonst mit Staub betonartig zusetzen. Das Fahren macht in dem Job nur einen Bruchteil aus, aber langweilig wird es nicht: "Manchmal sind die Leitungen, um die es geht, nicht abschaltbar. Bei Gas und Starkstrom fordert einem die hundertprozentige Konzentration, die ich dann brauche, schon einiges ab", meint der Maschinist. Aber nicht nur Nervenkitzel ist dabei, sondern auch technisches Verständnis ist gefragt, jeder Einsatz bringt unterschiedliche Begebenheiten mit. Zudem hat das Fahrzeug einen Wert von etwa 400.000 Euro. Auch zu sehen gibt es was: Mit dem Saugbagger ist Karlheinz Blankenhorn in ganz Süddeutschland und im angrenzenden Ausland unterwegs.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 09/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

9. August 2017
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Rechtsanwalt Matthias Pfitzenmaier ist Fachanwalt für Verkehrsrecht. Seit 1997 arbeitet er im… Profil anzeigen Frage stellen
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