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Lkw-Zulassungen: Speditionen zögern mit Investitionen

Europaweit zögern Speditionen mit Investitionen. Die Flaute zwingt Hersteller wie Daimler und MAN, ihre Produktion zu drosseln.

Himmelsstürze sind in Mode. Das sieht man am neuen James Bond-Film Skyfall und dem Rekordsprung aus dem All von Felix Baumgartner. Fortgesetzt wird der Trend leider bei den Lkw-Zulassungszahlen in Europa: Laut dem Europäischen Verband der Fahrzeughersteller (ACEA) gingen diese von Januar bis September um 10,7 Prozent auf 1,28 Millionen Fahrzeuge zurück, allein im September lag das Minus bei 13,7 Prozent. Die basieren aber teilweise auf hohen Zuwächse in 2011. In Deutschland betrug der Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 4,2 Prozent, im September waren die Zahlen hier sogar um 16,6 Prozent rückläufig. In Spanien und Italien, beides wichtige Märkte auch für die deutschen Lkw-Hersteller, war der Absturz noch gewaltiger: In den ersten neun Monaten fielen die Nutzfahrzeug-Neuzulassungen um 25,7 beziehungsweise 34,6 Prozent.

Daimler bestätigt Produktionspausen

Die Fahrzeughersteller reagieren entsprechend: Auf Anfrage von trans aktuell bestätigt der Stuttgarter Fahrzeugbauer Daimler Produktionspausen in der Lkw-Sparte. Wegen der Absatzflaute standen bereits im Oktober im Werk Wörth zeitweise die Bänder still, auch im November ist an fünf Tagen eine Zwangspause geplant. Die Produktionsstopps haben demnach auch Auswirkungen auf die Komponentenwerke in Kassel, Gaggenau und Mannheim. Ob auch im Dezember Produktionsstopps geplant sind, dazu macht das Unternehmen keine Angaben. Kurzarbeit sei aber aktuell kein Thema – "darüber reden wir gar nicht", sagt ein Sprecher des Konzerns. Die Stuttgarter haben ihre Ziele für das laufende Jahr in allen zentralen Geschäftsbereichen gesenkt. Im Bereich Trucks rechnet der Fahrzeugbauer in diesem Jahr mit einem Minus von gut neun Prozent, so dass das laufende Geschäft laut den angepassten Vorhersagen nur noch 1,7 Milliarden Euro abwerfen werde.

Auch MAN schickte bereits Ende Oktober in Salzgitter und München bis zu 15.000 Mitarbeiter in den Zwangsurlaub, vom 21. Dezember bis 11. Januar ruht die Produktion ebenfalls. Der Produktionsstopp sei aber keine Kurzarbeit, hieß es bei MAN.

Dennoch prüft die VW-Tochter  angesichts des schwachen europäischen Marktes für das kommende Jahr Produktionspausen. "Wir sind dazu in Gesprächen mit den Gewerkschaften", sagte der Chef der Sparte Truck & Bus, Anders Nielsen, bei der Vorstellung des aktuellen Quartalsberichts. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, betonte der Manager.

MAN schickt Leiharbeiter nach Hause

MAN Truck & Bus büßte allein im dritten Quartal beim Umsatz acht Prozent ein. Bereits seit Jahresbeginn herrscht bei MAN ein weitgehender Einstellungsstopp, in der Sparte Truck & Bus mussten zudem bereits viele Leiharbeiter gehen. Die Firmenschwester Scania hat ebenfalls Einbußen zu vermelden: Der Absatz des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers, ebenfalls eine VW-Tochter, ging von Januar bis September um 20,5 Prozent zurück.

Ungeschoren kommen auch die europäischen Wettbewerber nicht davon: Bei der Veröffentlichung einer aktuellen Zwischenbilanz kündigte Volvo-Konzernchef Olof Persson eine Fortsetzung der schon eingeleiteten Produktionsdrosselung um 10 bis 20 Prozent an. Im Vergleich zum Vorjahr hat Volvo Trucks von Januar bis September in Westeuropa 14 Prozent weniger Einheiten ausgeliefert.

Auch Transporter-Zulassungen schwächeln

Laut dem ACEA macht der Abschwung bei den Zulassungen vor keinem Segment Halt: So waren etwa die deutschen Transporter-Zulassungen in den ersten neun Monaten um 2,8 Prozent schwächer als 2011 (insgesamt 161.826 neu zugelassene Einheiten), bei den Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen lag das Minus bei 7,7 Prozent (67.204 Einheiten), die Zulassungen von schweren Lkw gingen um 6,7 Prozent zurück (42. 585 Einheiten). Allein Volkswagen Nutzfahrzeuge gibt sich positiv: Nach eigenen Angaben setzten die Hannoveraner in den ersten drei Quartalen 2012 in Westeuropa 214.600 Fahrzeuge ab - immerhin 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ilona Jüngst

Autor

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Küppers

Datum

7. November 2012
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