Spedition Schumacher Rostock Porträt 12 Bilder Zoom

Spedition Schumacher in Neuendorf: Edelflotte mit Stil

Für die Spediteursfamilie Schumacher und ihr Fahrerteam sind Lastwagen weit mehr als nur Mittel zum Zweck.

Keine Frage: Es weht heute ein rauer Wind in der Transportbranche. Dass man sich aber dennoch mit Stil, kluger Technik und Freude an der eigenen Arbeit behaupten kann, zeigt die Spedition Schumacher mit Sitz in Neuendorf bei Rostock. Dank eines auf verschiedene Aufgaben spezialisierten Fuhrparks und eines guten Fahrerstamms rollen die Räder der blauen Flotte stetig. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in der späten DDR, als Dieter Schumacher, vormals Kraftfahrer bei einem staatlichen Baubetrieb, beim Rat des Kreises die Gründung eines Lastfuhrbetriebs beantragte. Solche Privatinitiativen waren im Sozialismus nicht übermäßig gern gesehen, gleichzeitig konnte der Staat aber viele kleine Transportaufgaben selbst nicht leisten. Und so kam Ende 1988 endlich die Erlaubnis.

Der erste Kleinlastwagen war ein 23 Jahre alter Framo-Pritschenwagen, der nächste ein vollkommen überteuerter Barkas. Kurz darauf fiel, salopp gesagt, die Mauer, und plötzlich hatte Dieter Schumacher ungeahnte Wachstumsperspektiven. Nachdem er, wie so viele in jener Zeit, mit einem windigen Gebrauchtverkauf übervorteilt worden war, erstand er 1991 einen ersten Scania 113 als Neufahrzeug.

Ein Scania-lastiger Fuhrpark ist entstanden

Weil sich der Schwede gut bewährte, ist in der Folge ein Scania-lastiger Fuhrpark entstanden, mittlerweile ergänzt um zahlreiche Volvo-Fahrzeuge. Markant ist die unverwechselbare Lackierung im hell- und dunkelblauen Firmenstil, teilweise noch garniert mit schönen Details wie Rammschutz, Lampenbügel und feinen Felgen. "Ich bin mir nicht sicher, ob uns das bei den Kunden Vorteile bringt. Aber eine gewisse Wiedererkennbarkeit an den Ladestellen hat schon etwas Gutes. Und gerade die Fahrer, denen wir bei der Gestaltung ihrer Lastwagen etwas mehr Freiheit als üblich lassen, sind doch diejenigen, die mit ihren Fahrzeugen besonders sorgfältig umgehen", erklärt Dieter Schumacher.

Der Senior, früher mit großer Begeisterung selbst Kraftfahrer, nennt aber auch einfach die Liebe seiner Familie zu Lkw als Grund, warum er nicht einfach nur mit einer weißen Flotte von Leasingfahrzeugen arbeitet. Seine Frau Petra hat kurz nach der Wende die Güterverkehrsprüfung abgelegt. Sohn Jan leitet die Dispo, Sohn René schmeißt die Werkstatt und selbst die Schwiegertöchter Virgenie und Conny arbeiten im Betrieb mit. Zeitig am Morgen trifft Andre Schrötter bei einer Baustelle in Berlin ein. Fünf Jahre ist er im skandinavischen Fernverkehr Langstrecken gefahren, jetzt liegt sein Einsatzradius eher in Nord- und Ostdeutschland. Mit dem offenen Sattel liefert er Betonfertigteile. "Ich darf sogar den Lkw mitgestalten und damit zu einigen Truckfesten fahren", lobt er seinen Arbeitgeber. Da kann es sogar sein, dass Jan Schumacher selbst mit dabei ist und die Gelegenheit nutzt, mit seinem fetten Dreiachshaubenwagen vom Typ Scania 143, den er sich als Hobby leistet, eine Ausfahrt zu machen. Beide Söhne haben die Freude an feinen Maschinen vom Vater geerbt.

Firma sucht aktuell keine Fahrer

Man kann diese Form der Lkw-Begeisterung beurteilen, wie man will, Fakt ist, dass die Firma aktuell keine Fahrer sucht und Bewerbungen höchstens langfristig registriert. Auch Bastian Fahnster ist mit offener Ladefläche unterwegs, allerdings mit einem Gliederzug und schwerem Heckkran. Er hat einen Sanitärcontainer samt Zubehör geladen. Dank seiner Technik stellt er das Teil ohne fremde Hilfe in Waren selbst auf. "Das Kranen macht mir Spaß, jeder Einsatz ist anders, man muss mitdenken. Und ich darf den Laster mit nach Hause nehmen", beschreibt er seinen Job.

Die Tradition der Bordkräne stammt aus der Zeit, als Dieter Schumacher noch schwerpunktmäßig Steine fuhr. Das geschieht heute zwar nur noch in geringerem Umfang, dafür bewähren sich die hydraulischen Lastenheber nun beim Umsetzen von Lager- und Büroboxen oder beim Verfrachten von Fertigteilen. Auch Jan Dopp, mit 21 Jahren Zugehörigkeit der betriebsälteste Fahrer, schätzt die Abwechslung bei der Arbeit mit Kranfahrzeugen.

Die eigene Werkstatt sichert viele Vorteile im Wettbewerb

Ein großer Vorteil im Wettbewerb ist die eigene Werkstatt, in der von der schnellen Wartung über die Hauptuntersuchung bis hin zu anspruchsvollen Reparaturen ständig am guten Zustand der Flotte gearbeitet wird. "Notfalls muss das sogar 24 Stunden und sieben Tage die Woche sein", sagt Junior René, "weil wir viel mit Terminen arbeiten, da muss möglichst alles jederzeit funktionieren." Ein weiterer altgedienter Kollege ist Hardy Werberger, der einen schmucken Volvo mit Plateauauflieger fährt. "Ich bin vor 19 Jahren direkt von Ostseetrans hierhergekommen, das ist mit meinen 53 Jahren sozusagen meine zweite Arbeitsstelle. Ein gepflegter Lastwagen mit Anbauteilen ist für manche Baustellen nicht immer optimal, da muss man vorsichtig sein."

Das Dispoteam um Heiko Meister überblickt das Geschehen mit einer Kombination aus Webfleet und weiteren Tom-Tom-Systemen, was die Zahl der Telefonate drastisch gesenkt hat. Aber bei 35 Lastzügen, zwölf davon mit Kran, geht es im Büro tagsüber trotzdem lebhaft zu. Mittlerweile scheint sich auch der Güterumschlag im Hafen Rostock endlich zu steigern. Daran hat der Spediteur unter anderem bei der Papierverladung einen festen Anteil, mehrere Tautliner sind mit dem Joloda- System zum Verschieben schwerer Papierrollen ausgestattet. Weitere Spezialitäten sind Baumaschinentransporte, überbreite Frachten sowie Freilager in Rostock und Hamburg. Die Familie Schumacher sieht sich mit ihrer mehrgleisigen Ausrichtung jedenfalls gut für die Zukunft gerüstet.

Autor

Foto

Felix Jacoby

Datum

5. August 2016
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