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Spedition Ramer internationale Transporte: Erfolgreich und Konsequent

Ganz Deutschland leidet unter dem anhaltenden Dumping-Wettbewerb. Ganz Deutschland? Nein, ein kleines fränkisches Unternehmen wehrt sich.

Die eindringliche E-Mail an die Redaktion drückt aus, was viele kleine Transportunternehmer derzeit denken. Verfasst hat sie Steffen Lenhardt, der Disponent bei Sebastian ­Ramer internationale Transporte aus Kleinwallstadt: "Als kleines deutsches Unternehmen mit eigenem Fuhrpark und dem Anspruch, faire Löhne zu zahlen, haben wir mittlerweile große Probleme, uns gegen das untragbare Geschäftsgebaren mancher größerer Unternehmer durchzusetzen. Es ist wirklich traurig zu sehen, mit welcher Art und Weise Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Fahrer und kleiner Unternehmer betrieben wird."

Ein ungewöhnlicher Tag auf dem Betriebsgelände

Auf einen kurzen Schriftwechsel folgt die Einladung. An einem Freitag im Frühsommer ist es so weit. Eigentlich sind die drei festen Fahrer Thorsten Damm, Rico Sachse und sein Sohn Alexander so kurz vor dem Wochenende nie zusammen auf dem kleinen Betriebsgelände. Thorsten Damm ist um diese Zeit meist längst mit seiner Ladung auf dem Weg nach Thüringen, wo er wohnt. Und Rico Sachse wollte eigentlich an die Ostsee. Es ist seine Lieblingstour: Samstagnachmittag in Rostock, dann ausschlafen und nach Warnemünde an den Strand. Ausladen beim Kunden ist erst für Montag geplant.

Nur Alexander Sachse ist lieber mindestens jeden zweiten Tag daheim. Nach seiner Ausbildung zum Berufskraftfahrer hat er kurz danach eine zweite Lehre durchgezogen und wird Anfang August die Prüfung zum Kraftverkehrsmeister ablegen. "Danach will ich noch zwei oder drei Jahre Lkw fahren und mich dann eventuell beim BAG als Kontrolleur bewerben", erzählt er. "Bis dahin will ich aber bei Ramer bleiben, mit Spaß an der Arbeit. Für mich gibt es im Raum Aschaffenburg keine bessere Firma. Das familiäre Betriebsklima ist einfach klasse, der Lohn stimmt bei uns auch. Vor allem weiß mein Chef, was er will, und stärkt uns Fahrern immer den Rücken, wenn es mal Ärger gibt."
Für ein Foto sind diesmal alle auf dem Hof. Auch der Chef selbst, Sebastian Ramer. Er fährt den vierten Lkw, einen weißen ­Mercedes Actros von Charterway. Ramer ist gerne unterwegs. Vor allem die Touren ins grenznahe Ausland liegen ihm. Die Disposition hat er jetzt weitgehend Steffen Lenhardt übertragen. "Wenn es Probleme gibt, bin ich ja telefonisch erreichbar", lacht er. Sein Mobiltelefon hat er über Kabel mit einem alten Telefonhörer verbunden. Damit lässt sich besser mit den Kunden sprechen, wenn er persönlich im Büro ist. Dort sitzen auch die beiden Damen im Team: Sabrina Weiß und Sonja Bernard. Sie sind halbtags für die Buchhaltung zuständig. Und dann gibt es noch Fabian Ramer, den zwei Jahre jüngeren Bruder. Er arbeitet derzeit als Springer und hilft aus, wenn bei den Fahrern Not am Mann ist.

Weniger ist meist mehr

Die beiden Ramers haben Diesel im Blut. Ihr Vater war selbst von 1985 bis 1992 als Frachtführer tätig. Sebastian Ramer machte sich 1998 mit einem Pkw als Kurierdienst selbstständig und strukturierte 2001 mit zwei Lkw auf den internationalen Transport um. Bis auf acht Lkw war die Flotte nach und nach gewachsen, dann wurde sie wieder auf vier Züge reduziert: zwei neue Mercedes Actros und zwei ältere Modelle vom Typ MP3. Dazu Planenauflieger von Krone, zwei herkömmliche Curtainsider und zwei Megas. "Heute verdiene ich mit vier Lkw mehr Geld als früher mit acht und habe deutlich weniger Stress", erzählt Ramer

Sebastian Ramer hat das getan, was viele Unternehmer, die im festen Kontrakt etwa bei großen Speditionen oder Logistikkonzernen sind, sich nicht trauen: Er hat die Kunden abgestoßen, bei deren Touren er am Ende draufgelegt hat. "Wir schwimmen damit praktisch gegen den Strom", sagt Ramer. "Denn vor allem viele schlecht bezahlte Rückladungen kosten am Ende so viel Wartezeit an den Rampen, dass sie sich kaum mehr lohnen. Das Transportgewerbe krankt daran, dass die meisten Frachten immer noch auf Kilometerbasis berechnet werden."

Als sicheren Grundstock gibt es einen großen Hauptauftraggeber, der sich auf das Team von Ramer verlassen kann. "Dazu haben wir weitere feste Kunden, die immer noch Wert auf deutsche Fahrer legen", ergänzt Lenhardt. "Grundsätzlich sind die Preise aufgrund des Dumping-Wettbewerbs tief in den Keller gefahren – nicht nur durch Lkw aus Osteuropa. Aber kaum ein Frachtführer wagt es, Touren abzulehnen, wenn sie sich nicht rechnen. Hauptsache, der Lkw rollt."

Man muss nicht alles machen

Bei Ramer sagt man jetzt öfter Nein – und hat damit Erfolg. Abgelehnt werden Touren auf Baustellen, mit Schnittholz und vor allem zu den Zentrallagern der Discounter. Alles, was zeitlich unberechenbar ist. Ramer nennt ein Beispiel: "Eine Tour mit Klopapier von Miltenberg nach Kassel für 315 Euro. Für die Strecke braucht der Fahrer nur rund drei Stunden reine Lenkzeit." Aber er muss selbst laden, an der Rampe warten, selbst entladen und noch in einem anderen Gebäude die Paletten tauschen. Da sind schnell sieben bis acht Stunden Arbeitszeit weg, und das für 315 Euro. Für den Tag kann ich mit dem Lkw nicht mehr viel anfangen, mehr als zehn Stunden hat der Fahrer heute laut Gesetz nicht."

Und so ist Ramer vor drei Jahren auf die Idee gekommen, einen Palettenhandel zu gründen. Das Geschäft läuft, und damit auch die Auslastung der Lkw. Rund 2.500 Paletten pro Woche schlägt er mittlerweile um. Es gibt ihm das nötige Selbstbewusstsein, in gewisser Hinsicht konsequent zu sein und seine Fahrer zu ermutigen, sich von den Kunden nicht alles bieten zu lassen. "Auf dem Frachtmarkt gibt es immer einen Dummen, der für jeden Preis fährt. Wir aber nicht!"

Autor

Foto

Jan Bergrath, Sabrina Weiß

Datum

16. September 2015
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