Axel Plaß, Spedition Konrad Zippel Zoom

Spedition Konrad Zippel: Vom Fahrer zum Firmenchef

Eigentlich wollte Axel Plaß in Ostdeutschland mal Berufsschullehrer werden. Doch er flüchtete in den Westen und baute sich mit 120 Mark eine neue Existenz auf. Heute leitet er die Geschicke der Spedition Konrad Zippel.

Hagenow wurde 1966 zur Geburtsstadt von Axel Plaß. In dieser Kreisstadt des DDR-Bezirks Schwerin (heute: Mecklenburg-Vorpommern) absolvierte er zehn Schuljahre und ließ sich anschließend in einer dreijährigen Berufsausbildung mit Abitur zum Agrotechniker ausbilden. "Während der Lehrzeit machte ich auch den Lkw-Führerschein", erzählt der aufgeschlossene Norddeutsche.

Die Landwirtschaft war seine Welt – zumal sie auch diese Region prägt. Damit er aber nicht nur auf den Feldern ackern musste, obwohl ihm das Lkw-Fahren Spaß machte, begann Axel Plaß im Herbst 1986 ein Pädagogikstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin. "Mein Ziel war es, Berufsschullehrer für die Landwirtschaft zu werden", legt er dar. Damals lebten seine Großeltern bereits in Hamburg.

Als der Opa 1988 schwer erkrankt war, stellte Axel Plaß in Hagenow einen Besuchsantrag. Dies wurde ebenso abgelehnt, wie das erneute Ersuchen Anfang 1989, um zur Beerdigung des Großvaters fahren zu können. Der Pädagogikstudent war sauer.

Per Fluchthelfer in den Westen

Als die Semesterferien im Frühsommer 1989 begannen, startete Plaß mit seinem Trabi und einem Freund zur Campingtour nach Ungarn. Dort lernten sie einen Stuttgarter Bäckergesellen kennen. Und dieser wurde spontan zum Fluchthelfer. Im Kofferraum seines Golf brachte der Schwabe den Mecklenburger über die ungarisch-österreichische Grenze. Von dort führte der Weg des DDR-Flüchtlings direkt nach Hamburg zur Oma.
"Ich habe alles zurückgelassen. Den Trabi und alles andere dort am Campingplatz", sagt Axel Plaß zurückblickend. Auf dem Hamburger Arbeitsamt hatten sie für den gelernten Agrotechniker und abgebrochenen Pädagogikstudenten keine Vermittlungschance. Aber er erhielt 120 Mark als Starthilfe, um sich selbst einen Job zu suchen."Die 100 Mark Begrüßungsgeld habe ich nicht bekommen. Dafür durfte ich nach fünf Jahren die 120 Mark plus Zinsen an das Amt zurückzahlen", erzählt Plaß.

Fahrer im Nahverkehr

Mit seinem Lkw-Führerschein ging er Klinkenputzen. Als Fahrer im Nahverkehr fand Axel Plaß eine Anstellung. "Es war viel Arbeit und wenig Geld. Aber dafür lernte ich Hamburg richtig gut kennen", berichtet er. Mit seinem 7,5-Tonner steuerte er aber auch jede Telefonzelle in der Hansestadt an, um einen besseren Job zu finden. "Ich hab alle Fuhrunternehmen abtelefoniert – von A bis Z", erzählt Plaß. Und bei Z stieß er auf die Firma Konrad Zippel Spediteur. Das war im Dezember 1989. "Am 2. Januar 1990 habe ich hier angefangen – als Nahverkehrsfahrer", berichter er.

Versorgungstransporte zwischen Hamburger Hafen und Westberlin

Zippel, der Name war für den Hagenower nicht neu. Er kannte die grünen Lkw mit dem gelben Schriftzug. "Die fuhren immer zügig über die Autobahn. Da konnte ich mich mit meinem Trabi in deren Windschatten hängen und Sprit sparen", erinnert er sich. Schließlich hatte sich das 1876 gegründete Fuhrunternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Versorgungstransporte zwischen dem Hamburger Hafen und Westberlin spezialisiert. Kaum ein Spediteur nahm den zweimaligen Grenzstress pro Tour für den DDR-Transit auf sich.

Mit dem Mercedes-Sattelzug 1628 auf Tour

Hartmut Zippel, Urenkel des Firmengründers, drückte dem übergesiedelten Mecklenburger einen Mercedes-Sattelzug 1628 in die Hand. "Ja, ich fuhr auch wieder im Nahverkehr, aber es gab wesentlich mehr Geld dafür", kommentiert Plaß. Und ab Sommer 1990 konnte er dann auch im Fernverkehr durch die alte Heimat bis nach Berlin pendeln. Doch kurz vorher passierte es – im Hafen verursachte Plaß 28.000 Mark Sachschaden. Zippel ließ aber den Unfallverursacher nicht fallen. Der dankte es ihm 1992. Damals wollte der Wahlhamburger in Kiel sein Pädagogikstudium fortsetzen. Zippel bat ihn, zu bleiben und die Lkw-Disposition zu übernehmen. Plaß willigte ein. "Ich hatte ja was gutzumachen", sagt er mit Blick auf seinen damaligen Crash.

Seit 1993 fungiert Axel Plaß als Disponent

Seit 1993 fungierte Axel Plaß als Disponent. Im gleichen Jahr begann bei Zippel auch der Ausbau des Containerverkehrs. Dieses Segment spielte auch schon im bisherigen Berlin-Verkehr eine Rolle, aber nicht in dem großen Stil, wie es sich nun entwickelte. "Der Bedarf war riesig", erzählt Plaß. 150 Lkw –  davon 80 eigene – setzt Zippel derzeit im Containerverkehr ein. "Als ich anfing, hatten wir 15 Lkw." Allein 35 Trucks sind in Berlin stationiert, die den Verteilerverkehr dort übernehmen.

Mitte der 90er-Jahre drückte der logistische Seiteneinsteiger dann doch noch mal die Schulbank. In einem 18-monatigen berufsbegleitenden Studium an der Akademie Hamburger Verkehrswirtschaft  holte sich Plaß das notwendige Rüstzeug als Verkehrsfachwirt.

Anfang des neuen Jahrtausends war das Containeraufkommen bei Zippel derart gewachsen, das die Spedition immer mehr dieser Ladungen auf die Schiene verlagerte. Inzwischen rollen heute täglich Ganzzüge zwischen Hamburg/Bremerhaven und Berlin sowie zwischen Hamburg/Bremerhaven und der sachsen-anhaltinischen Chemieregion Schkopau. 330 Waggons wurden angemietet, um sie von der Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) zwischen den Zielstationen pendeln zu lassen. "Das ist insgesamt eine Zuglänge von elf Kilometern", erläutert Plaß.

Plaß übernimmt 2002 die ersten 40 Prozent

Zwischen Hartmut Zippel und Axel Plaß entwickelte sich in den Jahren ein sehr enges Vertrauensverhältnis. "Er ist mein väterlicher Freund", kommentiert der Logistiker. So war Plaß auch nicht sehr überrascht, als sein Chef ihn fragte, ob er sich vorstellen könnte, die Firmennachfolge anzutreten. Zippel wollte das Familienerbe nicht einfach schließen oder an Fremde verkaufen. So übernahm Plaß 2002 die ersten 40 Prozent. 2007 wurde er dann gemeinsam mit seinem Freund Axel Kröger geschäftsführender Gesellschafter und Hartmut Zippel ging zufrieden in den Ruhestand.

Plaß und Kröger sind Chefs über 200 Mitarbeiter

Inzwischen sind Plaß und Kröger Chefs über 200 Mitarbeiter. Da bleibt wenig Zeit für seine große Leidenschaft, das Motorradfahren. Mit einem
"S  51  B2-4" hatte es einst in Hagenow angefangen. Inzwischen steht seit 1995 eine Harley vor seinem Haus und wartet meist vergebens auf Touren. Bis 2005 durchkurvten beide noch regelmäßig Österreich und Slowenien. "Da hatte ich noch Zeit dafür", sagt der Manager mit einem Seufzer. Jetzt gehört die knappe Freizeit der Familie.

Doch zum Spazierengehen, wie es seine Frau Britta so sehr mag, hat Axel Plaß keine Lust. So entdeckt das Paar, das gemeinsam zwei Töchter (sechs und 16 Jahre) hat, jetzt eine neue Frischluftaktivität: Golf. "Das ist längst kein elitärer Sport mehr", versichert er. Vielmehr hat ihn inzwischen der Ehrgeiz auch dabei gepackt und zunehmend versucht er, möglichst noch vor der Arbeit einige der weißen Bälle entsprechend einzulochen.

Mit dem Oldie auf die Transport Logistic

Seine agrotechnische Vergangenheit kann und will der jetzige Logistikmanager Axel Plaß nicht leugnen. Denn schließlich erwarb er auf einem IFA W 50 LA einst seinen Lkw-Führerschein, der ihn schließlich zu dem machte, der er heute ist. Deshalb hat er sich einen solchen historischen Brummi mit Werkstattaufbau organisiert – und umgebaut. Statt der Arbeitsgeräte befindet sich im Heckaufbau nun eine attraktive Bar. Mit diesem Oldie wollen sie zu viert auf ­eigener Achse zur Messe Transport Logistic (5. bis 8. Mai) nach München fahren. Dort wird der Nostalgietruck am Zippel-Stand (Halle B3.417) zweifellos zu den Attraktionen der Fachmesse gehören.


Autor

Foto

Herbert Schadewald

Datum

30. Januar 2015
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