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Spedition Gerloff in Schwanebeck: Wende zum neuen Erfolg

Mit vier eigenen Lkw wagte der private Fuhrbetrieb Gerloff nach der Wende den Neuanfang. Den Weg zum Logistiker unterstützten westdeutsche Partner.

Die Kleinstadt Schwanebeck in der Magdeburger Börde hat bezogen auf ihre 2.200 Einwohner die größte Lkw-Dichte Deutschlands: Zwei Transportun­ternehmen gibt es entlang der B  245 von Halberstadt nach Helmstedt: den Lebensmittellogistiker Nickel & Goeldner mit den blauen Zügen und die Unternehmensgruppe Gerloff. Letztere hat sich auf Teil- und Komplettladungen sowie Stückgutdistribution im IDS-Netzwerk spezialisiert. Zusammen bringen sie es auf gut 500 Lkw. "Im Rahmen ­eines normalen Wettbewerbs behandeln wir uns fair", sagt Klaus-Peter Gerloff, einer der Geschäftsführer. "Sonst haben wir aber wenig Berührungspunkte."

Die Familientradition lebt

Hinter dem heutigen Erfolg steht eine interessante Geschichte. Vor nunmehr 65 Jahren gründeten die Eheleute Brigitte und Heinz Gerloff mitten im Ort, in der jungen DDR, ­ihren privaten Fuhrbetrieb. Erster Lkw war ein von der US-Armee hinterlassener Truck der Marke White. 1971 kam der erste neue Lkw, ein IFA W  50, der heute neben 29 anderen liebevoll restaurierten Oldtimern im privaten Museum von Klaus-Peter Gerloff steht. Mit vier eigenen Lkw und fünf Angestellten übersteht Gerloff die Jahre bis zur Wende – als Kommissionspartner für den VEB Kraftverkehr Halberstadt.

"Unser Vater konnte mit den staatlichen Aufträgen gerade so existieren", erinnert sich Gerloff, der selbst  an der Verkehrshochschule in Gotha studiert und anschließend als junger Ingenieur erst im Kraftverkehr Halberstadt und später im Bereich "Personenverkehr" im benachbarten Kraftverkehr in Oschersleben arbeitete. 1988, ein Jahr vor der Wende, kehrte er zurück in den Familienbetrieb und unterstützte dort zunächst seinen Bruder Heinz-Ulrich.

Mit der Wende folgte langsam, aber stetig der Weg in die Moderne. "Am 11. November, drei Tage nach dem Fall der Mauer, fuhren mein Bruder und ich zur IHK nach Braunschweig, um uns zu erkundigen, wie wir uns bei potenziellen Partnern aus dem Westen ins Gespräch bringen konnten", erzählt Gerloff. Es gab potenzielle Aufträge der alten Kunden, aber kein Kapital für neue Fahrzeuge. Schon 1990 begann die Partnerschaft mit der Spedition Keunecke aus Peine, die zur Gründung der GKS Gerloff Spedition führt. Die Verbindung hielt bis 1994. "Dann habe ich zusammen mit meinem Bruder die Anteile zurückgekauft", sagt Gerloff. "Der Name GKS ist aber weiterhin bestehen geblieben."

Ein funktionierendes System

Der nächste Sprung erfolgte 1995. Gemeinsam mit den Gebrüdern Krage aus Hannover gründeten Heinz-Ulrich und Klaus-Peter Gerloff die Krage & Gerloff Logistik GmbH als Stückgut- und Teilladungsspedi­tion. Sie existiert seither parallel zur GKS Gerloff Spedition GmbH und ist ein wichtiger Baustein im IDS-Stückgutsystem. Unterscheiden lassen sie sich am besten anhand der Fahrzeugfarbe – Rot für die Spedition und Weiß fürs Stückgut. Zur gemeinsamen Unternehmensgruppe gehören außerdem eine eigene Werkstatt mit zwölf festen Mitarbeitern und eine Tankstelle.

Mit einer hochmodernen, im Schnitt nur drei Jahre alten Flotte, ist die GKS Gerloff Spedition mit ihren 140 roten Lastzügen für die Automobil- und Stahlindustrie, Papierproduzenten und Getränkeerzeuger bundesweit unterwegs. Die anderen 90 Lkw, die weißen, verteilen tagsüber Stückgüter aus dem IDS-Systemverkehr oder pendeln über Nacht zu den bundesweiten Umschlagzentren. Hier ist Heinz-Ulrich Gerloff Gesellschafter und Geschäftsführer. Der starke Familienbund wird ergänzt durch Thomas Gerloff, studierter Verkehrsingenieur und seit  Dezember 2014 ebenfalls Geschäfsführer bei GKS, sowie dessen Cousins Sebastian und Stefan, die wiederum bei Krage & Gerloff in führender Position arbeiten. "Wir sind ein gutes Team", sagt Thomas Gerloff.

Mit einem guten Arbeitsklima zum Erfolg

Das gesunde Unternehmen aus dem Osten kann sich am Markt behaupten. Die Bezahlung der 340 Fahrer liegt deutlich über dem Mindestlohnniveau. Sie schließt, wie Hans-Peter Gerloff betont, auch konsequent die Bereitschaftszeit als Arbeitszeit mit ein. Das ist eher selten in der Branche. "Derjenige, der es richtig macht, wird in der Regel vom Markt bestraft, weil er zu teuer ist", gibt der aufrichtige Chef zu bedenken. Er würde  auch gerne mehr Nachwuchsfahrer wie zum Beispiel Dominik Christal ausbilden, doch es sei schwer geworden, gute deutsche Bewerber zu finden.

"Niedersachsen liegt zu nah", sagt Stefan Kirsche, der schon seit 21 Jahren bei GKS Gerloff fährt. "Alles in allem verdienen wir aber nicht viel weniger als die Kollegen im angrenzenden Westen. Hier stimmt einfach alles, auch für die polnischen Fahrer." Gut die Hälfte der Gerloff-Fahrer stammt aus dem östlichen Nachbarland. Kein Wunder – schließlich sind die Polen in Anbetracht des Lohngefälles von West nach Ost klar im Vorteil.

Zahlen & Fakten

Anschrift:
GKS Gerloff Spedition GmbH
Westfeld 139397 Schwanebeck

Tel. (+49) 39424/952-0
Fax (+49) 039424/952-63

E-Mail: info@gerloff-spedition.de
Internet: www.gerloff-spedition.de

Gründungsjahr: 1951

Unternehmensgröße: mittelständisches familiengeführtes Transport- und Logistikunternehmen.

Umsatz: ca. 50 Millionen Euro (Gruppe)

Schwerpunkt: Teil- und Komplettladungen, Stückgüter (im IDS-Verbund) sowie Lagerlogistik

Beschäftigte: 480

Fahrer: 340, etwa zur Hälfte aus Deutschland und aus Polen

Fuhrpark: 230 Lkw in beiden jungen Flotten (rot und weiß), 110 Mercedes-Benz Actros, 80 MAN TGX, 40 DAF, Leistung zwischen 420 bis 450 PS, überwiegend Euro 6, mit Fahrassistenzsystemen und Standklimaanlage, teilweise mit PPC. Auflieger mit Tautliner und Schiebeverdeck oder Coilmulde, Jumbo-Gliederzüge, weitere Spezialfahrzeuge

Eigene Werkstatt: 12 feste Mitarbeiter, 4 Azubis

Einsatzbereich der Fahrer: nationaler und internationaler Fernverkehr, Linienverkehre, regionaler Nahverkehr

Fahrleistung der Lkw: 100.000 bis 240.000 (Schicht) km pro Jahr

Offene Stellen: motivierte Fahrer gesucht

Alle Angaben laut: Geschäftsführer Thomas Gerloff

Autor

Foto

Jan Bergrath, Gerloff

Datum

16. Dezember 2015
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