Reischl, Effizienz Zoom

Spedition Georg Reischl: Nächster Halt Flughafen

Die Spedition Georg Reischl ist mit sechs Einheiten der größte Lang-Lkw-Betreiber Deutschlands. Sie wickelt damit Luftfracht-Ersatzverkehre ab und hat dadurch bereits zahlreiche Fahrten vermeiden können.

Nur Fliegen ist schöner. Abheben können die Lkw der Spedition Georg Reischl aus Ebersberg östlich von München noch nicht. Doch der Vergleich mit dem Flugzeug ist gar nicht so abwegig: Das 1930 gegründete Familienunternehmen ist auf Road-Feeder-Services spezialisiert, befördert also Luftfracht zu allen wichtigen europäischen Flughäfen. Und es setzt dafür Fahrzeuge ein, die Flugzeugen in Sachen Sicherheit in kaum etwas nachstehen dürften: Lang-Lkw. Die müssen nach der Ausnahmeverordnung des Feldversuchs mit modernen Assistenzsystemen ausgestattet sein und gelten als besonders sicher.

Maßgeblicher Akteur im Feldversuch

Die Spedition ist im Kreis der Luftfracht-Ersatzverkehr-Betreiber die Einzige, die mit Lang-Lkw unterwegs ist. Und sie ist im Rahmen des Feldversuchs einer der ganz maßgeblichen Akteure: Die Einheiten laufen nicht nur rund um die Uhr und auf Basis von Sondergenehmigungen an sieben Tagen die Woche. Denn als Partner der Fluggesellschaften muss Reischl auch am Wochenende Flieger mit Frachtgut beliefern. Reischl ist ferner mit sechs Langfahrzeugen auch Deutschlands größter Lang-Lkw-Betreiber. Die ersten drei dieser Einheiten hatte Reischl bereits im Frühjahr 2012 an den Start gebracht.

Und die sechs Lang-Lkw sind noch nicht das Ende der Fahnenstange. "Ich kann mir gut vorstellen, noch weitere dieser Kombinationen in den Fuhrpark aufzunehmen", sagt Geschäftsführer Georg Reischl, der 1962 in das elterliche Unternehmen eintrat und dieses seit 1972 als Alleininhaber lenkt, im Gespräch mit trans aktuell.

Verkehre bündeln dank Lang-Lkw

Der Grund: Die Spedition kann dank der überlangen Einheiten auf ihren Langstrecken zu den Flughäfen Frankfurt, Leipzig und Hannover sowie zum Cargo-Center Norderstedt bei Hamburg Volumina geschickt bündeln. Die Fahrzeuge sind aber auch auf der Kurzstrecke zwischen dem Firmensitz Ebersberg und dem Flughafen München unterwegs. Dort betreibt Reischl als Handling-Agent eine Niederlassung.

"Gerne würden wir auch die ausländischen Flughäfen anfahren", sagt Firmenchef Reischl. Das lässt der Gesetzgeber aber nicht zu. Und die Anmerkungen der EU-Kommission zu grenzüberschreitenden Lang-Lkw-Fahrten sind bislang sehr widersprüchlich. Auslandsfahrten mit diesen Fahrzeugkombinationen wären für das Unternehmen jedenfalls gut darstellbar: Denn schon heute steuern die Reischl-Fahrzeuge regelmäßig Frankreich, Spanien, Italien, Österreich und Ungarn an – wenn auch noch mit konventionellen Fahrzeugen.

Vorerst muss Reischl aber mit dem bestehenden deutschen  Streckennetz vorliebnehmen - und hofft, dass der Feldversuch unter der großen Koalition stabil weiterläuft. Die Vorteile der Langfahrzeuge werden aber auch bei der Fahrt auf dem bestehenden Streckennetz sichtbar: "Die Lang-Lkw verhalten sich sehr unauffällig", bilanziert Vertriebsleiter Cornelius Scheul.

Leichtes Fahren mit dem Lang-Lkw

Die Fahrer berichteten von keinerlei Problemen. Geschäftsführer Reischl ergänzt, dass der Lang-Lkw Kurven besser nehme als ein konventioneller Sattelzug. Sichtbar wird dies auf dem Speditionshof: Reischl hat darauf für Trainingszwecke einen BO-Kraftkreis aufzeichnen lassen. "Beim Lang-Lkw bleibt noch ein Spielraum von 1,10 Metern, beim Sattelzug sind es einige Zentimeter."

Doch es gibt auch Vorteile, die sich in barer Münze auszahlen: Durch den Einsatz der Lang-Lkw kann die Firma etwa ein Drittel der Fahrten einsparen, die beim Einsatz von konventionellen Sattelzügen angefallen wären. Der Sattelzug ist in der Sprache der Road-Feeder-Spezialisten ein Vier-Positionen-Lkw. Soll heißen: Vier Luftfracht-Paletten (mit Abmessungen von 3,20 auf 2,47 Meter und bis zu drei Meter Höhe) haben darauf Platz. Der Lang-Lkw dagegen schultert sechs bis sieben Positionen. Der Spritverbrauch ist mit 37 bis 38 Litern nach Firmenangaben zwar etwas höher als bei herkömmlichen Einheiten, die mit 33 bis 34 Litern unterwegs sind. Bezogen auf das erhöhte Ladungsvolumen relativiert sich der Mehrverbrauch aber schnell.

Fluggesellschaften sehen Umweltengagement gerne

Die Fluggesellschaften honorieren das Engagement in Sachen Lang-Lkw. Man habe offene Türen eingerannt, erzählt Vertriebsmann Scheul. "Sie haben sich ja selbst der Nachhaltigkeit verschrieben. Nicht umsonst tauscht zum Beispiel die Lufthansa ihre
MD 11-Maschinen im Frachtbereich konsequent gegen Boeing 777-Modelle aus, die weniger Lärm und Schadstoffe emittieren", sagt er. Insofern sei ein entsprechendes Umweltengagement auch beim Logistikdienstleister gern gesehen.

Für die Auftraggeber wie auch für den Betreiber steht fest: Die 25,25 Meter bringen erhebliche Effizienzvorteile. Wobei Reischl diese Länge nur bei einem Lang-Lkw nutzt. Bei den anderen Fahrzeugen handelt es sich um verlängerte Hängerzüge, die auf den ersten Blick nicht als Lang-Lkw auszumachen sind. Sie sind 22,9 Meter lang.

Lang-Lkw können auch als konventionelle Einheiten betrieben werden

Durch dieses Maß sei es möglich, die Fahrzeuge auch als konventionelle Einheiten zu betreiben – sollte der Feldversuch überraschend gekippt werden. "Vor den langen Hänger kommt dann ein kurzer Motorwagen und umgekehrt", erklärt Reischl. Von der Stange sind die Lkw mit den Kofferaufbauten übrigens nicht: Reischl lässt die Spezialfahrzeuge bei mittelständischen Aufbautenherstellern maßschneidern. Der Firmenchef hat von der Technik konkrete Vorstellungen und macht entsprechende Vorgaben. "Bei einer bestimmten Wahl von Achsen, Reifen und Unterbau lassen sich auch mit einem Kofferfahrzeug drei Meter Innen­höhe realisieren – bei Einhaltung von vier Meter Gesamthöhe."

Die richtige Technik ist weiterhin Chefsache. Immerhin definiert die Firma sich und ihre Qualität nicht zuletzt über qualifizierte Mitarbeiter und technisch einwandfreie Fahrzeuge. Das erklärt auch das Festhalten an Kofferaufbauten. Planenauflieger kämen für den Luftfrachttransport auch infrage. Die betreffenden Trailer wären zudem leichter und mit einem niedrigeren Verbrauch zu bewegen. "Doch wer garantiert uns, dass die nicht irgendwo aufgeschlitzt werden", fragt Reischl. Luftfracht gilt als hochwertig und hochpreisig. Und auf Diebstahl fliegt keiner – weder die Airlines noch ihre Logistikpartner.

Das Unternehmen

Von der Möbelspedition zum Logistikdienstleister für Hightech-Geräte und zum Spezialisten für Road-Feeder-Services und Handling-Dienstleistungen für Fluggesellschaften am Flughafen in München – diese Entwicklung hat die Georg Reischl Spedition durchlaufen. Das 1930 gegründete Unternehmen wird in zweiter Generation von Georg Reischl geleitet, der 1962 ins Unternehmen eintrat und seit 1972 Alleininhaber ist. Das Unternehmen beschäftigt in Ebersberg bei München sowie am Flughafen München mehr als 300 Mitarbeiter. Es setzt rund 60 eigene Fernverkehrs-Lkw der Marke Mercedes-Benz ein, hinzu kommen einige Verteilerfahrzeuge. Traditionell erledigt das Unternehmen alle Transportaufträge mit eigenem Equipment und eigenen Fahrern. Neben Luftfracht-Ersatzverkehren führt die Firma Maschinentransporte durch, inklusive Montage der Geräte, oder erledigt Umzüge sowie Betriebsverlagerungen innerhalb Deutschlands. Hinzu kommen die Aktivitäten als Handling-Partner für Fluggesellschaften.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Rathmann

Datum

17. Dezember 2013
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