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Spedition Fels für das Max-Planck-Institut: Ein Großteleskop geht auf Reisen

Nach zehn Jahren Bauzeit ist es so weit: Das sogenannte LINC Nirvana, das größte im Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg entwickelte Instrument, ist fertig und verlässt die Halle.

Das allerdings nur kurz – dafür aber in den kommenden Tagen gleich häufiger. Denn der Transport zum Large Binocular Telescope (LBT) in Arizona (USA) ist buchstäblich eine kleine Herausforderung. Mit dabei sind zwei  Heidelberger Mittelständler: für die Kranarbeiten Karl Scholl und für die Projektlogistik die Fritz Fels Fachspedition. Den eigentlichen Transport per Lkw, Binnen- und Überseeschiff  übernimmt schließlich DB Schenker.

Mit dem Tieflader durch den Wald

Doch bevor es mit dem Tieflader über die dann für den übrigen Verkehr gesperrte schmale Landstraße durch den Wald bergab gehen kann, bedarf es einiges an Vorarbeit. Denn ehe das LINC Nirvana auf Reisen gehen kann, müssen zunächst noch einige Anbauteile montiert werden, um eine sogenannte Transporttraverse anbringen zu können. "Aufgrund der engen Platzverhältnisse ist das in der Halle nicht möglich", erklärt Dr. Ralph Hofferbert, Koordinator und stellvertretender Projektleiter des LINC Nirvana am MPIA, im Gespräch mit eurotransport.de. Rund 6,6 Tonnen wiegt das astronomische Instrument, das etwa eine Kantenlänge von je vier Metern hat. Rund fünf Meter und acht Tonnen werden es dann inklusive Transporttraverse sein.

Zunächst sitz das LINC Nirvana allerdings noch auf einem gelb lackierten Montagegestell auf. "Das haben wir zudem für Tests verwendet, etwa ob ein Kippwinkel von 90 Grad möglich ist, wie es später auch im LBT in Arizona der Fall sein wird", erläutert Hofferbert. Schließlich ist das LINC Nirvana mit seinen allein mehr als 140 Motoren ziemlich komplex aufgebaut. Am simpelsten erscheinen da noch die beiden Spiegel mit einem Radius von je 8,40 Metern, die bereits in die USA transportiert und im LBT verbaut wurden. Über das LINC Nirvana miteinander kombiniert entsprechen diese beiden Spiegel zusammen  einer Kantenlänge von 23 Metern. Damit ist das LBT dann das größte Teleskop der Welt.

Schlosserei der Spedition Fels entwickelt Transportrahmen

Vor dem Erfolg kommt aber bekanntlich die Arbeit. Und die läuft bei der Spedition Feld bereits seit Wochen auf Hochtouren. Denn um das LINC Nirvana aus der Halle zu bekommen, musste Jürgen Reising, der bei Fels unter anderem die Konstruktionsabteilung leitet, ein entsprechendes Transportgestell entwickeln und in der hauseigenen Schlosserei fertigen lassen. "Mit dem können wir das LINC Nirvana anheben, um es vom Montagegestell zu lösen. Anschließend wird es in Millimeterarbeit aus der Halle gebracht", sagt Reising gegenüber eurotransport.de. Eine Herausforderung sei beispielsweise, das Gerät eine Zeit lang fahrend in 1,26 Meter Höhe zu halten, damit es vom Monaterahmen gelöst werden kann.

Mit der Flex gegen verrostete Schrauben

Gleich zu Beginn dann die erste unvorhergesehene Herausforderung: Ein Teil der Komponenten ist wassergekühlt. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre kam es immer wieder zu kleineren Lecks. Nun sind zwei Schrauben verrostet, lassen sich nicht mehr lösen. Schließlich greifen die Logistiker zur Flex und trennen die Schrauben durch. Das soll an dem Tag aber die einzige Überraschung bleiben. Alles andere läuft wie geplant. Zug um Zug montieren die Fels-Mitarbeiter das Transportgestell. Schließlich wird das Ganze am späten Nachmittag auf Schwerlastrollen nach draußen befördert. Dort kommt das LINC Nirvana erst mal unter die Haube. Denn im LBT verschwindet das Instrument unter einer schwarzen Schutzhülle. Die ist allerdings am PC entstanden und keiner weiß, ob sie tatsächlich passt.

Doch es läuft alles nach Plan. Problemlos setzen die Mitarbeiter des Kranunternehmens Scholl die Haube auf das LINC Nirvana. Danach geht es wieder zurück in die Halle. Alle weiteren Schritte, um das LINC Nirvana transportbereit zu machen, folgen dann in den kommenden Tagen.

Der Transport kann beginnen

Zu guter Letzt holt Schenker das Gerät mit dem Tieflader ab. Vom MPIA geht es dann mit dem Tieflader nach Neckarsteinach und von dort mit dem Binnenschiff über den Rhein und schließlich die Weser nach Bremerhaven Von dort aus geht es dann mit dem Containerschiff weiter Übersee und durch den Atlantik und den Panama-Kanal in den Südpazifik. Angelegt wird in Los Angeles. Von dort aus geht es mit dem Lkw an den Bestimmungsort in Arizona – eine Strecke von rund 700 Meilen, etwa 1.227 Kilometer. Experten vor Ort bauen das LINC Nirvana schließlich ein. Für den Betrieb sind übrigens auch weiterhin die MPIA-Mitarbeiter aus Heidelberg zuständig. "Das Gerät ist einfach zu komplex, um es in fremde Hände zu geben", erklärt Hofferbert. Nach zehn Jahren Entwicklungszeit ist das aber auch kein Wunder.

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MPIA

Datum

6. August 2015
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