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Foto: Tobias Hase

Spedition Dettendorfer mit Start-up

Spedifort bietet E-Learning für Speditionen

Die Spedition Dettendorfer bietet über das Start-up INN-ovativ aus Kiefersfelden unter dem Namen Spedifort eine webbasierte Lernplattform an. Sie umfasst bisher 14 Kursangebote - von A wie ADR bis Z wie Zollrecht.

Alles um sie herum ist neu – der Arbeitsplatz, das Unternehmen, die Branche. Arbeitgeber sollten ihre neuen Mitarbeiter deshalb möglichst schnell mit ihrem neuen Umfeld vertraut machen, damit sie ihre anfängliche Scheu verlieren und sich rasch ihren neuen Aufgaben widmen können. Wichtig dabei ist eine gute Einarbeitung. Wer will seinen Mitarbeiter ins kalte Wasser springen lassen – und Gefahr laufen, dass er aus Frust gleich das Handtuch wirft?

"Das Eingleisen neuer Mitarbeiter will gelernt sein", bestätigt Georg Dettendorfer, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition aus Nußdorf am Inn. Um diesen Prozess zu vereinfachen und um gleichzeitig Standards dafür zu schaffen, bietet er über das Start-up INN-ovativ aus Kiefersfelden unter dem Namen Spedifort eine webbasierte Lernplattform an. Hinter INN-ovativ stehen die Spedition Dettendorfer und die Unternehmensberatung AdviseR.

Andreas Rinnhofer baut das Bildungsportal Spedifort auf

Zunächst hatte Georg Dettendorfer nicht vor, selbst als Bildungsanbieter tätig zu werden. Doch am Markt habe er kein adäquates Angebot gefunden, um neue Mitarbeiter gezielt per E-Learning zu qualifizieren. Also machte er aus der Not eine Tugend: Andreas Rinnhofer, der bis 2005 bei Dettendorfer als Disponent gearbeitet hatte und zuletzt eine andere Spedition leitete, baute nach gemeinsamen Vorstellungen das Bildungsportal Spedifort auf.

Los ging das Erstellen der Inhalte und das Programmieren im November, im Januar gründete Rinnhofers Team das dahinter­stehende Unternehmen INN-ovativ, und im Mai stellte sich das Start-up Interessierten auf der Fachmesse Transport Logistic vor. Denn das Angebot soll nicht nur im Hause Dettendorfer zur Anwendung kommen, sondern auch anderen Speditionen zur Verfügung stehen.

"Die bisherige Resonanz ist überwältigend", sagt INN-ovativ-Geschäftsführer Rinnhofer. Die Speditionen Fercam und Finsterwalder nutzen die digitalen Lernangebote bereits, mit weiteren Firmen ist das junge Unternehmen nach eigenen Angaben im Gespräch. Sogar Versicherungen, Verlader und Softwarehäuser seien auf ihn zugekommen, erzählt Rinnhofer.

Spedifort bietet bislang 14 Kursangebote

Bisher bietet Spedifort 14 Kursangebote – von A wie ADR bis Z wie Zollrecht. Darunter sind Klassiker wie Lenk- und Ruhezeiten, Palettentausch oder Ladungs­siche­rung, ebenso wie Englisch für Spediteure, Seminare zur Akquise sowie der Grundkurs „vom Anfänger zum Disponenten“, der laut Rinnhofer besonders gefragt ist. Vermittelt werden die Lern­inhal­te auch über Animationen und Erklärvideos.

Da ein Internetanschluss als Voraussetzung reicht, können Mitarbeiter von überall und quasi jedem Gerät aus auf die Angebote zugreifen. "Das hat den Vorteil, dass Fahrer ihrer jährlichen Sicherheitsunterweisung zum Beispiel in der Kabine nachkommen können", sagt Spediteur Dettendorfer – wenn sie beispielsweise beim Kunden stehen und wissen, dass sie bis zur Entladung noch eine Stunde Leerlauf haben. Anschließend wird der Vorgesetzte über die Kursbelegung informiert. Er weiß dank des Reportings, dass er seinen Unterweisungspflichten Genüge getan hat, und kann das entsprechende Zertifikat der Personalakte beilegen. Der Mitarbeiter kann sich den Nachweis hinterher anzeigen lassen und ausdrucken.

Firmen können das Angebot nach individuellen Wünschen anpassen

Eine Besonderheit bei dem Angebot ist, dass Unternehmen es für ihre Zwecke oder an ihre Firmenfarben anpassen können. "Wenn der Geschäftsführer noch ein Video mit einer persönlichen Ansprache an die Mitarbeiter auf das Portal stellen möchte, ist das kein Problem", betont Rinnhofer.

Er ist überzeugt, dass E-Learning den Anforderungen der neuen Arbeitswelt Rechnung trägt: Die Mitarbeiter können relativ frei entscheiden, wann sie die Kurse absolvieren und wie viel Zeit sie dafür investieren – zum Beispiel kann schon eine Viertelstunde am Tag reichen. "Das geht samstags am Baggersee oder abends nach dem Fitnessstudio", sagt Dettendorfer. Er betont aber, dass dies nicht seine Erwartung ist: Er ermögliche es seinen Mitarbeitern, die Kurse während der regulären Arbeitszeit zu belegen.

Der Nachwuchs dürfte die Angebote als zeitgemäß empfinden, wenn Lerninhalte auch dreidimensional über Virtual-Reality-Brillen vermittelt werden – zum Beispiel eine Staplerfahrt durch ein Hochregallager. Und er wird es zu schätzen wissen, dass es nicht mehr nötig ist, samstags in einem Seminarraum zu sitzen und das Wochenende zu opfern.
Bisher sind acht Unternehmen auf der Plattform registriert. Wird der Kurs einzeln gebucht, fallen jeweils 99 Euro an. Doch gibt es für Firmen Flatrates, deren Höhe von der Mitarbeiterzahl abhängt. In dem Fall deckt die Gebühr alle Angebote für alle Beschäftigten ab. Bereits bei 20 Mitarbeitern beliefen sich die Kosten pro Kurs auf rund 27 Euro je Teilnehmer, heißt es.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

30. Juni 2017
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