Stückgut, Spedition Bächle, Dominic Neininger Zoom

Spedition Bächle: Wunschgewicht erreicht

Ein individuelles Messsystem erlaubt es der Spedition Bächle, Maße und Gewichte von Packstücken genau zu bestimmen. Das bringt mehr Effizienz und Geld und entlastet die Mitarbeiter.

Geben wir es zu: Schummeln bei Größe und Gewicht ist nicht ungewöhnlich – Frauen mogeln sich gerne leichter, Männer ein paar Zentimeter größer. Auch beim Reisegepäck unterschlägt man gerne ein bis zwei Kilos – und steht dann überrascht da, wenn die Airline-Mitarbeiterin beim Check-in das tatsächliche Gewicht des Koffers feststellt. Im Bereich des Gütertransports, wo Gewicht, Maße und Volumen  ausschlaggebend für die Fracht sind, fehlen solche Kontrollmaßnahmen meist noch. Nicht so bei der Spedition Bächle in Villingen-Schwenningen: Ihre Verwiege- und Vermess-Einheit (VEE) bringt Licht ins Dunkel der Sendungsgewichte.

Verwiegung wegen der Verkehrssicherheit

Laut Dominic Neininger, Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für IT, Prozess- und Qualitätsmanagement bei dem Familienunternehmen, stand bei der Anschaffung ein Gedanke im Vordergrund: "Schon allein wegen der Verkehrssicherheit müssen wir eine vollständige Verwiegung unserer Güter schaffen." Hinzu kam der monetäre Aspekt, der Neininger auf den Gedanken brachte, die Packstücke alle zu verwiegen. Denn Praxis ist, dass manche Verlader für eine Sendung etwa den Tarif bis 499 Kilogramm reklamieren, obwohl die Sendung tatsächlich mehr als 500 Kilogramm auf die Waage bringt.

Laut Neininger arbeiten viele Kunden mit ERP-Systemen, die nur das reine Stückgutgewicht berücksichtigen, nicht aber die Behälter. "Bei einer Sendung von 20.000 Schrauben etwa werden so 16 Behälter vernachlässigt – macht insgesamt 140 Kilogramm Tara aus." Bei einem Stückgutanteil von 40 Prozent ist das für das Unternehmen Bächle, das seit 2003 Mitglied der Stückgutkooperation VTL ist, eine relevante Gewichtsdifferenz.

Abweichung von 140 Tonnen

Die Zahlen zeigten Neininger, dass er recht hatte: "Bereits in der ersten Woche, in der wir jede Sendung verwogen und vermessen haben, stellten wir eine Abweichung von 140 Tonnen  fest", sagt der junge Unternehmer, "bei 45 eigenen Lkw kommt da also ganz schön etwas zusammen."

Zuvor musste er aber die anderen Mitglieder der Geschäftsleitung überzeugen: Mutter Doris Bächle-Neininger, die Eigentümerin des Schwarzwälder Unternehmens ist, Vater Egon Neininger, Geschäftsführer, und Bruder Marius, der für Vertrieb und das operative Geschäft verantwortlich zeichnet. Denn letztendlich kostete die VEE inklusive aller baulichen Maßnahmen, Software und Schnittstellen insgesamt rund um die 100.000 Euro – keine Peanuts für einen Mittelständler mit 100 Mitarbeitern.

Konzipiert wurde die Anlage von Dominic Neininger, der sich im Studium unter anderem mit Materialflusstechnik befasste und so etwa bei jeder Lösung den möglichen Durchsatz berechnen konnte. "Die auf dem Markt erhältlichen Lösungen liefern kein Ergebnis, das eichfähig ist", sagt er.

Bis zu 140 Packstücke pro Stunde bearbeiten

Neiningers Lösung: eine Kombination aus Waage, Fördertechnik und Portalanlage für die Vermessung. Die Fördertechnik beschleunigt den Verwiege- und Vermessprozess deutlich – bis zu 140 Packstücke können so in einer Stunde bearbeitet werden. Dabei ist der Rollenabstand so gewählt, dass sowohl Paletten als auch Gitterboxen befördert werden können.

Die Voraussetzungen für den Verwiege- und Vermessprozess schafft allerdings der Fahrer: Noch beim Kunden zeichnet er jedes Packstück mit einem NVE-Etikett zur Identifizierung aus. Alle einkommenden Sendungen  werden bei Bächle an einem Entladekopf entnommen – dafür wurde die Zahl der Entladetore von 40 auf sieben reduziert.  Anschließend werden die Packstücke auf die 16 Meter lange Fördertechnik verbracht. Nachdem ein Mitarbeiter den Barcode oder die NVE-Nummer gescannt hat, misst die Einheit die Packstücke.

Fotos und Messergebnisse werden an das TMS geschickt

Über die Apache-Portalanlage werden Fotos aus allen Perspektiven gemacht, die bei Verlust oder Beschädigung der Ware Zeugnis abgeben – die Anlage ist somit als der Punkt des Gefahrenübergangs zu sehen.

Die Fotos und die Messergebnisse werden über eine Schnittstelle dann umgehend an das TMS geschickt, sodass die Daten als Abrechnungsgrundlage zur Verfügung stehen. Zahl der Packstücke, Kubage, Gewicht und die Anzahl der Stellplätze beziehungsweise Lademeter – alles steht sofort als Echtzeitdaten zur Verfügung und wird so auch an die Zentrale von VTL weitergeleitet Gleichzeitig druckt die Einheit ein automatisiertes Routing-Etikett aus, sodass die Lagermitarbeiter mit einem Blick erkennen können, auf welchen Lkw oder in welche Relationsspur die Sendung muss.

Investition hat sich gelohnt

Die Vorteile auch für die Mitarbeiter sind laut Neininger immens: "Wir haben abends trotz zunehmender Mengen eine viel entspanntere Stimmung, weil alles viel effizienter läuft und alle Abläufe klar sind."

Die Investition hat sich für Bächle klar gelohnt: "Nach vier Monaten hat sich das schon in mehrerer Hinsicht amortisiert, nicht nur finanziell", sagt Neininger. Neben der Effizienzsteigerung ist ein wichtiges Argument auch das richtige Gewicht – vor allem im Hinblick auf den zunehmenden Trend der Gewinnabschöpfung durch die Kontrollbehörden. "Und die Kunden haben es als qualitätssteigernde Maßnahme verstanden.

Ilona Jüngst

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Jüngst

Datum

4. Dezember 2013
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