Spagat zwischen zwei Lkw, Volvo 25 Bilder Zoom

Spagat zwischen zwei Lkw: Stuntshow auf dem Volvo-Dach

70 Millionen Klicks für Van Damme und Volvo. Der Youtube-Knaller reizt zur Nachahmung. RTL hat‘s versucht.

Lange nichts gesehen oder gehört von Actionlegende Jean-Claude Van Damme. Vor einigen Monaten kam der schlagfertige Belgier mit einem Paukenschlag zurück in den Fokus der Fans. Mit dem millionenfach geklickten You­tube-Video über seinen Spagat zwischen zwei rückwärts fahrenden Volvo FM hat "JCVD", wie ihn die Fans nennen, zusammen mit dem schwedischen Lkw-Hersteller einen echten Überraschungscoup gelandet. Nur fantasielose Zeitgenossen fragen sich, was das Ganze soll. Na klar, es ist Werbung, ungewöhnlich, eindrucks- und damit wirkungsvoll. Ob die Mehrheit der Youtube-Gucker versteht, dass es bei diesem Kunststück um die Stabilität und die Präzision des dynamischen Lenksystems des Volvo FM geht? Die Botschaft wird im Video immerhin eingeblendet. Je öfter sich Film- oder Lkw-Experten das Video ansehen, desto heftiger rätseln sie ­darüber, ob das alles echt war.

Arbeit mit dem Action-Star war ein Erlebnis

Für den Volvo-Pressemann Johan Brorsson ist jedenfalls eins klar: "Millionen Leute haben jetzt gesehen, der Job eines Lkw-Fahrers kann richtig cool sein!" Das lässt sich nicht bestreiten. Zusammen mit einer echten Filmlegende einen solchen Stunt hinzulegen, das ist etwas fürs Lebenszeitgedächtnis. Jens Karlsson und Mikael Rosell bestätigen es verzögerungsfrei und grinsen bis zu den Ohrläppchen. Johan zeigt Bilder auf seinem Handy, wie er ausgelassen mit Van Damme Kampfszenen nachstellt. "Es war einfach ein fantastisches Erlebnis", sagt er.

Auch Jan-Inge Svensson, leitender Ingenieur bei der Entwicklung des dynamischen Lenksystems, hat es genossen, diesen Dreh zu begleiten. Er hatte Van Damme die Idee  vor dem Dreh näher erläutert und ihm sogar eine kleine Fahrstunde erteilt. "Er wollte einfach selbst erleben, wie unsere Trucks fahren." Auf dem abgesperrten Flughafen im spanischen Ciudad Real kein Problem.

Jetzt stehen die Schweden wieder zusammen auf einem abgelegenen Flughafen. Hier im thüringischen Schlotheim veranstaltet die Volvo Trucks Group nicht nur regelmäßig Fahrertrainings, sondern auf Anfrage eben auch gerne mal einen knackigen Stunt. Angeklopft hat Ralf Herrmann vom RTL-Magazin "Extra": "Wir waren in der Redaktion total begeistert von dem Clip und haben uns aber auch gefragt, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. Schnell reifte die Idee, das selbst auszuprobieren und Volvo hat zugesagt."

Jegliches Risiko ausschließen

Der 33-Jährige wirkt sportlich, aber sein Leben will er natürlich nicht aufs Spiel setzen und deshalb hat er außer dem Kamerateam auch gleich eine renommierte Stunttruppe mitgebracht. Die Leute von Action Concept haben nicht nur jede Menge Preise eingeheimst, sondern sind durch ihre Produktionen "Alarm für Cobra 11" oder die "Stuntheroes" für jede verrückte Idee zu haben. "Wir versuchen nie etwas, wir machen es einfach", sagt Stuntkoordinator Kai Kemper. Damit schließt er jeglichen Zufall kategorisch aus. Null Prozent Risiko war auch die Vorgabe von Volvo Trucks. Schließlich gehört die Sicherheit zum Markenkern. Da wollen sich die Schweden nicht das Geringste erlauben. "Auch Van Damme war natürlich gesichert", verrät einer. "Aber ansonsten war alles echt. Die Lkw sind in der Tat rückwärts gefahren und der Film wurde nicht rückwärts abgespult, wie manche vermuten.“ Ein Zugeständnis an die Sicherheit seien die winzigen Trittbrettchen, die mit einer Zusatzstrebe an den Türen und Spiegeln befestigt waren.

Ralf betrachtet und befühlt sie genau, während im Hintergrund die Ratsche der Stunttechniker knirscht. Sie haben dem einen Kofferwagen einen veritablen Balkon aus Gittertraversen auf das Dach montiert. "Fünffach gesichert!", ruft Kai herüber. Ralf grinst (noch). Dann montieren Johan und Mechaniker Peter Malmberg die Türen und Spiegel aus dem Originalvideo an die beiden FM. Bis zum Abend möchten die Stuntleute gerne erste Probefahrten machen, damit am nächsten Tag alles läuft.

Tagelanges Training und höchste Konzentration

Mikael erzählt, wie es anfing: "Wir haben zuerst in Schweden ausprobiert, ob das möglich ist, und haben schnell gemerkt, dass wir Linien auf dem Boden brauchen, um uns zu orientieren." Die gibt es nun, je 1,5 Kilometer lang, einmal in Ciudad Real und einmal in Schlotheim. Jens ergänzt: "Wir brauchen nach dem Start etwa 200 Meter, bis wir unsere Geschwindigkeit exakt synchronisiert haben." Es sind nur 80 Zentimeter zwischen den beiden Lkw. Mikael fixiert später seine Geschwindigkeit, damit er sich nur noch auf das Lenken konzentrieren kann, denn er schwenkt auf Kommando nach einer Weile auf die breitere Spur und der Passagier geht in den Spagat.

"Es ist nicht ganz einfach, die neue Linie zu finden", erzählt Mikael. "In Spanien übten wir das vier Tage lang, dann kam Van Damme." Mit ihm gab es zwei weitere Trainingstage und wie viel Stunt-Erfahrung der 53-jährige Actionprofi hat, bewies er dann beim Dreh. Es genügte genau eine Fahrt, dann war alles im Kasten. Er bekam vom Filmteam ein Signal, wann er die Augen öffnen soll, und die Fahrer, wann sie auseinander fahren sollten. Sogar den Zeitpunkt, nämlich 8.14 Uhr, berechnete die Filmcrew. da lugte die Sonne gerade so eben über den Horizont und blitzte beim Abdrehen des Kamerawagens zwischen den Lkw hindurch. So entstand das atmosphärische Licht für den "Epic Split", wie der Film nun auf Englisch nach dem epischen Spagat heißt.

RTL-Reporter Ralf beobachtet bei anbrechender Dunkelheit, wie sich Stuntman ­Dominik Kowalski die Harnessweste anlegt, sich am Ausleger auf dem Dach mit einem dünnen Stahlseil einhakt und anschließend für eine erste Proberunde auf die Startbahn entschwebt. Er hat ganz offensichtlich seinen Spaß dabei, aber das schwindende Licht lässt kein längeres Training mehr zu.

Nach letzten Instruktionen geht der Stunt über die Bühne

Am anderen Morgen wird es ernst. Die beiden Lkw und ihre Fahrer funktionieren perfekt, aber die Kameraleute müssen sich mit ihrem komplexen Kran und einer zusätzlichen Drohne noch gründlich "einschießen".

Ralf lässt sich inzwischen vom Stuntteam in die Abläufe einweisen, auch er braucht ein Signal, wann er die Augen öffnen soll und wann die Lkw auseinander fahren sollen. Auch der Abstand ist noch in der Diskussion. "Die Fahrer sind absolut großartig, da habe ich volles Vertrauen", sagt er. Dann schließt einer der Stunttechniker seine Harnessweste an das dreifach gesicherte Stahlseil an. Kai instruiert ihn ein letztes Mal, dass er bei der kleinsten Unsicherheit sofort abbrechen kann. Mit dem Gabelstapler liftet er ihn auf Spiegelhöhe, wo ihn ein weiterer Stuntman in Empfang nimmt. Als er sicheren Stand hat und der Stapler zurücksetzt, kommt die tiefstehende Sonne noch einmal durch die Wolken und verpasst auch dem Schlotheimer Flugplatz ein episches Licht. Vollkommen synchron rollen die beiden Volvos an. Ralf schließt die Augen, er denkt an Van Damme. Die Kamera vor seinem Gesicht zieht auf. Wie weit er wohl runterkommt? Dieses letzte Geheimnis will Ralf von RTL enthüllen lassen.

Der Clip kann auf der Seite von RTL angesehen werden.

Andreas Techel, Chefredakteur

Autor

Foto

Jürgen Scheere

Datum

4. Juni 2014
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