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Softwarelösung für Stundenerfassung: Stundenzettel wälzen war gestern

Immer mehr Telematik- und Softwarelösungen automatisieren das Erfassen des Mindestlohns.

Ohne technische Unterstützung ziehen die Dokumentations- und Nachweispflichten des MiLoG einen erheblichen Arbeitsaufwand nach sich. Statt die Mitarbeiter der Lohnbuchhaltung Stundenzettel wälzen zu lassen, gibt es zunehmend technische Lösungen, um das Ganze zu automatisieren.
Wie zu erwarten, haben sich die Telematikanbieter sowie die Entwickler von Dispositions- und Transport-Management-Lösungen auf die gesetzlichen Vorgaben eingestellt. Schließlich sind sie es, die gerade bei den Fahrerdaten bereits alle Informationen vorhalten. Diese mussten nur noch entsprechend miteinander verknüpft werden – genauer gesagt die Arbeitszeit mit den entsprechenden Geokoordinaten.
Bei Fixemer Logistics aus Perl setzt man einerseits auf die CRM-Lösung von Microsoft, die per Schnittstelle mit dem TMS Winsped von LIS Logistische Informationssysteme verbunden ist. Die erforderlichen Bedingungen je Frachtführer hat Fixemer dafür im CRM hinterlegt. Über die Schnittstelle landen diese dann im Kundenstamm von Winsped und werden bei jedem Auftrag ­relationsbezogen geprüft.

Dabei wird unter anderem berücksichtigt, wo die Be- oder die Entladung stattfindet und ob es sich beispielsweise um einen bilateralen Transport oder einen Transitverkehr handelt. Anhand dieser Daten wird abgeglichen, ob für den entsprechenden Transport das Mindestlohngesetz zum Tragen kommt und ob die im Stammsatz hinterlegten Bedingungen erfüllt wurden.
"Durch die Schnittstelle zu Winsped weiß unsere Disposition umgehend Bescheid, ob die gesetzlichen Bestimmungen für einen Transport vorliegen und der Transportpartner eingesetzt werden darf", erklärt Jens Pejril, Geschäftsführer von Fixemer Logistics, gegenüber trans aktuell. So könnten die Mitarbeiter nur Aufträge disponieren, die die Regelungen zum Mindestlohn erfüllen. "Das vereinfacht die Abwicklung und reduziert den Aufwand auf ein Minimum", berichtet Pejril.

Weiterbildung im Blick

Die Spedition Huckschlag aus Fröndenberg setzt auf das Fuhrpark-Management-System ZA-ARC Office 4.0 des Softwarebüros Zauner. In dem modular aufgebauten System ist unter anderem eine Arbeitszeitauswertung integriert. Diese hilft dann beim Überwachen des Mindestlohns – aber auch bei der automatischen Verfolgung der Weiterbildungsfristen gemäß des Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetzes. Für den Dispositionsleiter der Spedition Huckschlag, Thorsten Rauers, und seine Mitarbeiter ein unbedingter Vorteil.
Der TMS-Anbieter Active Logistics, der die Software ebenfalls modular aufgebaut hat, setzt beim Mindestlohn auf eine Lösung von P&I Personal und Informatik. Ein Modul, das beispielsweise bei der Frankenfeld Spedition in Verl zum Einsatz kommt.
Dr. Malek Software hat unter dem Namen M3 MiLoG ebenfalls ein Software-Modul im Angebot. Das ist Teil des TMS namens M3 Logisticware; eine Lösung, die Spediteuren und Verladern den Verwaltungsaufwand im Zuge des Mindestlohngesetzes erleichtern soll.
Auch die Android-basierte Telematik Spedion App des Krombacher Anbieters Spedion hat eine Vielzahl an Funktionen für Fuhrpark- und Auftragsmanagement an Bord. Eines davon ist der Mindestlohn-Report. "Es sind für jeden Fahrer der mit der Spedion-App ausgestatteten Fahrzeuge Reports als Einzelreport pro Tag oder als Wochenreport abrufbar", berichtet Spedion-Geschäftsführer Günter Englert. Arbeitgeber könnten so zeitnah überprüfen, wie es mit den Stunden jedes Fahrers steht. Die Daten werden – ausgewiesen als Arbeit, Fahren, Bereitschaft oder Ruhezeit – direkt von der Fahrerkarte bezogen.
"Das Erstellen der Reports über das Feature Mindestlohn der Spedion-App automatisiert die Vorgänge in der Lohnbuchhaltung und vermindert so unseren bürokratischen Aufwand erheblich", erklärt etwa Wolfram Grohse, Geschäftsführer von LEG Frachtspeditionsdienst in Winsen.

Zettel sortieren war gestern

Der Telematikanbieter Trimble Transport & Logistics hat das Modul Fleethours im Programm. Das besteht nicht nur aus Mindestlohnberichten, sondern beinhaltet die Berechnung der Lohn- und Spesendaten. Fleethours erstattet auf Basis der Bordcomputerdaten für jeden Kalendertag und Fahrer Bericht über die Zahl der in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden. Die Telematikdaten werden dazu direkt übernommen, können aber bei falscher Bedienung des Bordcomputers jederzeit manuell korrigiert werden.
Einer der Kunden, der auf Fleethours setzt, ist Sievert Handel Transporte (SHT) mit Sitz in Lengerich. "Wir wollten die Disposition entlasten, damit sich diese stärker auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren kann", sagt SHT-Logistikleiter Volker Lauxtermann. Mit der Implementierung von Fleethours erübrige sich nicht nur die Erfassung, auch das Auswerten der Daten erfolge automatisch. Zu den Auswertungsmöglichkeiten des Moduls zählen zudem Fahrtberichte- und analysen sowie alle Tätigkeiten der Fahrer. Zettel sortieren war folglich wirklich gestern.

Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 02/2016.
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25. Januar 2016
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