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Software von Quintiq: Mehr Infos zur besseren Entscheidung

Mit der Software von Quintiq lässt sich die Wertschöpfungskette analysieren. Logistikexperte Frank Tinschert erklärt im Gespräch mit trans aktuell, welche Potenziale sich erschließen lassen.

Für Frank Tinschert ist die IT zwar lediglich Mittel zum Zweck – aber durchaus ein wichtiges Werkzeug, um zu besseren Entscheidungen zu kommen. "Gerade in der Logistik, bei der wir es mit globalen Wertschöpfungsketten zu tun haben, ist die Datenflut ansonsten unüberschaubar", sagt der Leiter der Geschäftseinheit Logistik beim Software-Anbieter Quintiq. Dabei soll und kann ein Programm nach seinem Dafürhalten allerdings keine Entscheidung treffen. "Wohl aber Entscheidungskriterien sowie mehrere Handlungsoptionen vorgeben", sagt Tinschert im Gespräch mit trans  aktuell.

Die eigentliche Entscheidung liege aber nach wie vor beim jeweiligen Verantwortlichen im Unternehmen. Denn der habe die entsprechenden Soft Skills und kenne vor allem auch die Befindlichkeiten der Kunden. "Während der eine Kunde bei zehn Minuten Verspätung nichts sagt, ist das bei einem anderen ein Ausschlusskriterium", erklärt Tinschert. Derar­tige Erfahrungswerte könne keine Software bieten. Dafür habe die andere Qualitäten. "Schon bei einem Planspiel mit 100 Fahrzeugen, 1.000 Sendungen und nur einem Depot ergeben sich mathematisch gesehen so viele Möglichkeiten, wie es Sandkörner in der Sahara gibt", erklärt Tinschert.

Planung kann beliebig umfangreich sein

Noch anspruchsvoller werde das Ganze, wenn die Supply Chain bei einem Hersteller von beispielsweise PC-Tastaturen in China per Lkw beginne, dann über den Überseehafen im Container nach Hamburg weitergehe, um schließlich per Feeder und Lkw an seinen Bestimmungsort in Europa zu gelangen. "Da gilt es dann nicht nur die einzelnen Verkehrsträger in die Planung einzubeziehen. Hinzu kommt natürlich noch das Personal. Nicht zu vergessen unter Umständen noch Feiertage in China und/oder in Deutschland."
Prinzipiell könne so eine Planung beliebig umfangreich sein – immer vorausgesetzt, es gibt die entsprechenden Daten. "Doch auch wenn es keine Echtzeitdaten gibt, sind die Prognosen aufgrund der historischen Daten und dem im Programm hinterlegten Algorithmus sehr viel besser als das sonst beschworene Bauchgefühlt", sagt Tinschert.

Info über Sendung steht drei Stunden vorher fest

Nicht nur in der Vorausplanung ergebe die Software Sinn. Im Bereich der KEP-Dienste hat Quintiq mit DHL Express einen namhaften Kunden. Da kann es dann auch mal Aufgabe sein, den optimalen Standort für ein Verteilzentrum zu finden. "Im Alltagsgeschäft geht es aber eher um einen dynamischen Zustellprozess. Wobei die Infos über die Sendungen erst etwa drei Stunden vor Fahrtantritt feststehen", berichtet der Quintiq-Mann.

Bei den Berechnungen gehe es dann auch gar nicht unbedingt darum, dass alles perfekt ist. Denn auch während des Zustellprozesses ändern sich die Gegebenheiten ständig. Ob Fahrzeugausfall oder Stau, auch die beste Planung ist ständigen Anpassungen unterworfen. "Ein wichtiges Thema ist hier die sogenannte Gebietsschneidung. Also ob es im Falle eines Falles nicht günstiger ist, wenn ein KEP-Fahrzeug aus dem Nachbarbezirk eine Sendung abholt und zustellt, weil er im Verlauf seiner Route schlicht näher dran ist." Aus seiner Sicht eröffnet das für die Zukunft noch weitaus größere Chancen: "Wer sagt denn, das nicht mal das braune Fahrzeug was für das gelbe mitnehmen kann – oder umgekehrt – und beide davon profitieren."

Das Optimum ist nicht immer das Beste für den Einzelnen


Ein Thema, das gerade auch bei Kooperationen in der Logistik als wichtig erweisen könnte. Ein Problem gibt es allerdings immer: "Das Optimum über alles ist nicht immer das Beste für den Einzelnen", erklärt Tinschert. Das Gleiche gelte auch bei Niederlassungen innerhalb eines Unternehmens – vor allem, wenn diese als Profitcenter eine möglichst gute Bilanz ausweisen müssen. "Selbst wenn sich aus diesen Gründen in der Praxis nicht immer die tatsächlich beste Lösung durchsetzen kann, führt auch ein Kompromiss zu einer weitaus besseren Lösung." Acht bis zehn Prozent an Optimierungspotenzial gebe es immer, erklärt Tinschert.

Für wen sich die Software von Quintiq rechnet, ist hingegen weniger leicht zu beantworten und letztlich ein Rechenexempel. Hängt das doch eher vom Umsatz und damit von dem vorhandenen Einsparpotenzial ab. Bei den beiden Logistikdienstleistern Ewals und Emons ist die Entscheidung für die Lösung von Quintiq bereits vor einiger Zeit gefallen.
Um sich am Markt weiter durchzusetzen, hat sich Quintiq ein nicht ganz alltägliches Bezahlmodell ausgedacht. In manchen Fällen vereinbart der IT-Hersteller anstatt eines konkreten Preises eine Beteiligung an der durch die Software gestiegenen Umsatzrendite für einen bestimmten Zeitraum. "So hat der Logistiker kein Risiko und spart dennoch Geld", berichtet Tinschert. Damit ist die IT dann doch nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eine Hilfe, die ansonsten geringe Marge erheblich zu verbessern.


Das Unternehmen

1997 hatten fünf Programmierer angefangen, an einer neuen Planungslösung für den Betreiber einer der weltweit größten Aluminium-Warmwalz-Anlage zu arbeiten. Ihre Mission:  Die Entwicklung einer Planungs- und Optimierungssoftware, die so konfiguriert werden kann, dass sie zu jedem Geschäftsmodell passt. Aus diesen Anfängen ist ein globales Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern mit Hauptsitzen in den Niederlanden und in den USA entstanden. Quintiq gehört seit Ende 2014 zu dem französischen IT-Konzern Dassault Systèmes (3DS), bekannt durch 3-D-Softwarelösungen wie das CAD-Planungswerkzeug Catia für den Maschinenbau. 3DS beschäftigt weltweit mehr als 10.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro.

Die Lösung

Die modular aufgebaute IT-Lösung von Quintiq hat zwar keinen Namen, ist dafür aber ein echter Allrounder. Im Hintergrund läuft immer dieselbe Logik – unabhängig von der Branche. Denn eines haben alle gemeinsam: Es geht immer um die Verbesserung von Prozessen. Darüber liegen dann verschiedene Vorlagen für einzelne Bereiche. Das kann dann eine Supply-Chain- oder Logistik-Planung sein oder in einer anderen Branche die Produktionsplanung. Ob die Lösung in der Cloud oder auf einem eigenen Server läuft, bleibt dem Nutzer überlassen. Der kann sich die Lösung – eigenes IT-Know-how vorausgesetzt – auch selbst anpassen. Das gilt sowohl für die Optik als auch für die Lösung an sich. Anhand der Daten erstellt das System Leistungskennzahlen (KPI). Die sind jedoch nicht eine Bestandsaufnahnme, also Ist-Werte, sondern vielmehr ein Blick in die Zukunft. Verändert man die Parameter, gleichen sich folglich auch die KPI an. Die Lösung ersetzt keinen Entscheider, sondern ist lediglich ein Werkzeug, um zu einem besseren Ergebnis im Datendschungel zu gelangen.

Portraits

Autor

Foto

Matthias Rathmann

Datum

19. Juni 2015
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