Hamburger Hafen, Süderelbe Zoom

Smart in die Zukunft: Hamburger Hafen vernetzt Verkehre

Hamburger Hafen vernetzt Verkehre intelligent und verbessert so die Anbindung des Hinterland.

Gleise, so weit das Auge reicht. Selbst das nasskalte Hamburger Schietwetter kann den Blick vom Dach des Towers Alte Süderelbe nicht trüben. Auf der einen Seite der A 1 die Vorstellgruppe des Containerterminals Altenwerder, auf der anderen das Zentrum der Hafenbahn als Bindeglied zwischen den Container-Umschlagterminals und dem europäischen Schienennetz. Der Tower fungiert als Schaltzentrale der Hafenbahn.
"Wir haben 2014 mit der Hafenbahn erneut ein Rekordergebnis erreicht", sagt Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority (HPA), die auf dem Wasser, der Schiene und der Straße für den Erhalt und die Entwicklung der Hafen-Infrastruktur verantwortlich ist.

Mit 44,4 Millionen Tonnen oder 2,2 Millionen Containern, die per Bahn in das Hamburger Hinterland transportiert wurden, wuchs das Aufkommen um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Um auch künftig dem steigenden Mengenwachstum Rechnung tragen zu können, hat die HPA 2014 rund 188 Millionen Euro in Ausbauprojekte des Hafens investiert. "Unser Ziel ist, die Auslastung der Hafenbahn mit unseren Partnern weiter zu steigern, um die Straße zu entlasten, aber auch um CO2-Emissionen zu senken", ergänzt Meier.

Modalsplit von 43 Prozent

Die Hafenbahn, die im nächsten Jahr 150 Jahre alt wird, hat einen Anteil am Modalsplit von 43 Prozent. 46 Prozent der Güter werden per Lkw befördert, rund elf Prozent mit dem Binnenschiff. Etwa zwölf Prozent des deutschen Schienengüterverkehrs beginnen oder enden im Hamburger Hafen. Täglich werden rund 200 Güter­züge mit 5.000 Waggons abgewickelt. "Die Zahl der Züge ist gar nicht wesentlich gestiegen, aber die Menge der Güter", erläutert der HPA-Chef. Die Containerzüge verzeichnen demnach nur noch wenig Lücken. "Für uns ist es natürlich besser, wenn ein 700-Meter-Zug voll ist, die Spur nur einmal blockiert und damit auch andere Verkehrswege entlastet, um Staus zu vermeiden", sagt er. Die Züge fahren vor allem in die entfernt gelegenen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg, aber auch nach Nordrhein-Westfalen.

Täglich 40.000 Lkw-Fahrten

Ein modernes, IT-gestütztes Betriebssystem sorgt dafür, dass der Bahnbetrieb präzise getaktet ist. Und nicht nur das. Die HPA hat mit der Strategie Smart Port ein Konzept aufgesetzt, mit dem sich die vorhandene Infrastruktur im Hamburger Hafen intelligent und effizient steuern und nutzen lässt. Es soll helfen, die vom Verkehr ausgehenden Emissionen zu reduzieren sowie Informationsflüsse zu optimieren, um die Warenströme besser zu steuern. Es gilt, die täglich rund 40.000 Lkw-Fahrten im Hafen zu entzerren. "Dahinter steckt eine Verkehrssteuerung, die den Hafen intelligenter macht. Dazu gehört aber auch, das physische Bau- und Instandsetzungsprogramm umzusetzen, um die Kapazitäten der vorhandenen Verkehrswege zu erweitern", erläutert Meier.
So mussten Lkw bislang an manchen Stellen gestoppt werden, wenn ein Zug über eine Brücke fuhr. Mit den Neubauten der Rethe- und Kattwykbrücke entfallen rund 40 Sperrungen pro Tag durch kreuzende Verkehre. "Wir wollen aber auch die Schienenwege ausbauen. Aktuell bekommen wir eine neue Ausfahrt in Richtung Berlin, die zweigleisig vorbereitet wird, um schnell auf etwaige Eng­pässe reagieren zu können", sagt der HPA-Chef. Auch das vorhandene System werde immer weiter verbessert. "Wir sorgen dafür, dass alles läuft und die Durchfahrgleise nicht zugeparkt werden." Dazu sei die HPA im ständigen Dialog mit den mehr als hundert Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), die im Hafen tätig sind. HPA, Terminaloperateure, EVU und IT-Dienstleister arbeiten eng zusammen und bieten Kommunikationsplattformen an, um die Auslastung auf den Zügen zu erhöhen. "Wir messen und zeichnen auf, wie der Verkehr fließt", ergänzt Meier. Dazu wurden im Hafen rund 300 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und etwa 700 Sensoren angebracht. Gemessen wird beispielsweise, wie stark Brücken gewichtsmäßig beansprucht werden, um sie rechtzeitig instand setzen zu können. Über das Cloud-basierte Informations- und Kommunikationssystem SPL, das aus einer Webapplikation und mobilen App besteht, können sich Hafenbetreiber sowie Transport- und Logistikunternehmen darüber hinaus alle relevanten Verkehrs-, Infrastruktur- und Logistikdaten in Echtzeit teilen.

Lkw-Fahrer können Auftragsdaten einsehen

Über Smartphones oder Tablet-PCs können aktuelle und vorausschauende Informationen über das Verkehrsgeschehen rund um den Hafen abgerufen werden. Lkw-Fahrer können Auftragsdaten einsehen und direkt mit den Disponenten kommunizieren. "Sollte der Container, den er abholen sollte, noch nicht da sein, kann er spontan einen anderen aufnehmen", erläutert Meier. Oder er fährt erst gar nicht in den Hafen rein, sondern schaut, wo es einen freien Parkplatz gibt. Damit vermeidet er Wartezeiten und kann seine Pausen aktiv planen.

Um die Gesamtverkehrslage zu analysieren und eine Kurzfristprognose abzuleiten, werden verfügbare Daten aus Messstellen wie Induktionsschleifen und Blue-tooth zusammenführt und um Verkehrsdaten etwa des ADAC ergänzt. Das Ganze heißt Effek­tive Verkehrslagedarstellung (EVE). Damit sollen Meldungen auf den Anzeigetafeln zur Dynamischen Information zur Verkehrslage im Hamburger Hafen (DIVA) generiert und belastbare Indikatoren zum Straßenverkehr wie Staustunden oder CO2-Ausstoß erstellt werden. "Der Verkehrsfluss wird trotz steigender Mengen immer besser. So etwas kann man nur schaffen, wenn alle Partner zusammenarbeiten", sagt Meier. Als Nächstes soll die Binnenschifffahrt mit ihren 106 Liegeplätzen ins Smart-Port-Konzept integriert werden.

Hamburger Hafen in Zahlen

7.200 Hektar ist der gesamte Hafen groß (etwa ein Zehntel von Hamburg),
Im Seegüterumschlag belegt Hamburg Platz drei, beim Containerumschlag Platz zwei,
Hamburg ist der drittgrößte deutsche Binnenhafen,
Der Hafen verbindet 950 Häfen in 178 Ländern,
156.000 Menschen sind direkt und indirekt von Hafenfunktionen abhängig,
140 Kilometer Straßennetz,
304 Schienenkilometer und 880 Weichen,
130 Brücken,
10.000 Schiffe laufen den Hafen jährlich an,
200 Güterzüge mit 5.000 Waggons täglich,
Mehr als 100 Eisenbahnverkehrsunternehmen operieren auf dem Hafenbahnnetz

Autor

Foto

Nici de Jong

Datum

22. Dezember 2015
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