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SLT 2 Mammut: Familienzuwachs bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat einen neuen Schwerlasttransporter: Ein beeindruckendes Gefährt mit dem Namen "Mammut".

In der Natur ist er längst ausgestorben und nur zwei Elefantenarten blieben übrig – bei der Bundeswehr ist es umgekehrt. Ihr betagter Schwerlasttransporter-Fuhrpark, bestehend aus dem vier Jahrzehnte alten "SLT Elefant" und der nur etwas jüngeren Straßenversion "Franziska", hat Zuwachs durch den "SLT 2 Mammut" bekommen. Die brachiale Sattelzugmaschine stellt ihre Artverwandten, die auch schon ziemliche Kraftpakete sind, locker in den Schatten.

Die Technik des bulligen Vierachsers stammt größtenteils aus dem MAN-Baukasten. Ende 2013 hat Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV), das Gemeinschaftsunternehmen der Münchner mit dem Rüstungsriesen Rheinmetall, die ersten Mammuts an die Logistikschule der Bundeswehr ausgeliefert. "Zuerst gab es eine Werkseinweisung durch die beteiligten Firmen – RMMV, Doll, Rotzler und RUD – und seither mehrere Bedienerlehrgänge", erzählt Oberleutnant Göbel von der Logistikschule.

Ganze sechs Wochen dauert der Lehrgang auf dem großen Areal in Osterholz-Scharmbeck, nördlich von Bremen. Voraussetzung ist nicht nur der C/CE-Führerschein, sondern auch der Bedienerlehrgang „alter Art“ auf Elefant oder Franziska. Bis Ende 2014 haben sich 36 Mann zum Mammut-Fahrer qualifiziert. In der Truppe sollen sie ihr Wissen nun weitergeben.

Panzerung schützt die Besatzung

Insgesamt zwölf "Sattelzugmaschinen 2 70t FSA", wie die interne Bezeichnung lautet, hat die Bundeswehr bisher bestellt. Sie basieren auf dem "HX81 44.680 8x8"-Fahrgestell von RMMV. FSA steht dabei für Fahrzeug-Schutzausstattung und bezieht sich auf die Kabine. Ihre Panzerung schützt die Besatzung vor Granatsplittern, Minen und Handwaffenbeschuss. Der Mammut ist ein echter Dickhäuter. Das ist den Erfahrungen des Afghanistan-Einsatzes geschuldet, wo die Bundeswehr im Laufe der Jahre immer schwerere Fahrzeuge im Einsatz hatte, aber kaum geeignete Transportmittel für deren schnelle Verlegung oder Bergung.Hinzu kommt, dass eines der wichtigsten Ladegüter in der Heimat, der Leopard-2-Panzer, mit jeder Entwicklungsstufe die 50-Tonnen-Marke immer weiter hinter sich lässt. Mit dem SLT 2 sind die Logistiker der Bundeswehr nun für die Zukunft gerüstet.

Zur Selbstverteidigung lässt sich auf dem Dach eine fernbedienbare leichte Waffen­station (FLW 100) von KMW montieren. Ihre Bedienung ist Aufgabe des Beifahrers, der auch sonst mit allen Sinnen am Fahrgeschehen beteiligt sein muss. Als "aktiver Beifahrer" hilft er dem Fahrer, die eingeschränkte Sicht wettzumachen. Die ABC-Belüftung rundet den Schutz der Besatzung ab. Dieses Sicherheitspaket hat seinen Preis: ein Leergewicht von fast 26 Tonnen und eine Höhe von über vier Metern (mit FLW 100).

Leistungsfähige Klimaanlage und gute Geräuschdämmung

In der Sommersonne heizt sich der Stahl ordentlich auf, weshalb im Mammut eine leistungsfähige Klimaanlage verbaut ist. Positiver Nebeneffekt der geschützten Kabine ist die geringe Geräuschkulisse. Neben dem Fahrlärm halten sich auch die Erschütterungen sehr in Grenzen. Hier leistet die Blattfederung ganze Arbeit. "Auch die Schaltung ist top", sagt Gerd Ulrich. Er ist seit 1995 als "Zivilkraftfahrer" (ZKF) an der Logistikschule und bestens mit der SLT-Familie vertraut. Ein weiterer Pluspunkt sind die luftgefederten Sitze: "Aus dem Mammut kannst du nach viereinhalb Stunden Fahrt aussteigen, als wäre nichts gewesen", lobt Ulrich. Außerdem gibt es zwei Notsitze im hinteren Teil der Kabine, die für die Besatzung geborgener Fahrzeuge vorgesehen sind. "Allerdings sind diese Sitze ungefedert", ergänzt Ulrichs Kollege Ralf Brünjes.

Gut gemeint, aber nicht alltagstauglich sind die Aufhängungen für zwei "Hängematten" im Kabineninneren. Auf die ausgereiften Schlafgelegenheiten und den Stauraum eines zivilen Fahrerhauses werden die SLT-Fahrer der Bundeswehr weiter verzichten müssen. Dafür fehlt auch schlicht und einfach der Platz. Mit der kompletten Führungs- und Kommunikationsausstattung, der FLW-Bedienung, der Klimaanlage und der ABC-Schutzbelüftung ist die Kabine trotz Hochdach schnell vollgestopft – zumal die dicke Wandstärke auf Kosten des Innenraums geht.

In Sachen Fahrkomfort setzt das MAN-Tipmatic-Getriebe (auf Basis der TC-Tronic von ZF) mit zwölf Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen neue Maßstäbe. Der Schaltvorgang läuft vollautomatisch oder per Tipphebel am Lenkrad ab – wie beim handelsüblichen MAN. Charakteristisch ist auch der Drehschalter für die Straßen- oder Geländeübersetzung und die diversen Sperren. Ansonsten präsentiert sich das Armaturenbrett recht rustikal. Ein nützliches Extra ist die Rückraum-Kamera. Beim kompletten Zug kann der Fahrer zwischen der Sicht vom Kühlturm oder vom Auflieger nach hinten wählen. ­Ulrich: "Das ist eine Unterstützung fürs Aufsatteln oder Rückwärtsfahren, aber auch für die Fahrt auf der Autobahn. Damit sehen wir, was hinter uns los ist.

V8 mit 680 PS und Euro 5

Der 680 PS starke, wassergekühlte V8-Motor sitzt im Gegensatz zu den Vorgängern  unter der Kabine. Die Abgasnorm liegt noch bei Euro 5. "Er war ja auch eine Weile in der Erprobung", erklärt Ulrich. Das Fahrerhaus lässt sich nun wie beim gewöhnlichen Front­lenker hydraulisch kippen – mit einer kleinen Einschränkung: "Da musste zu zweit pumpen, sonst schaffste das von der Ausdauer her nicht. Runter geht’s natürlich wesentlich leichter", grinst Ulrich. An die Kabine schließen der Kühlturm und zwei 20-Tonnen-Treibscheibenwinden von Rotzler mit je 75 Meter Seillänge an. Dazwischen hat RMMV einen Bedienstand, der über eine ausziehbare Leiter erreichbar ist, und das Ersatzrad installiert. Mittig auf der Windenanlage thront der Batteriekasten. Die Acht-Tonnen-Selbstbergewinde sitzt rechts zwischen den Achspaaren. Dort ist auch noch etwas Platz für den 75 Liter fassenden Adblue-Behälter. Der voluminöse Dieseltank ist auf der gegenüberliegenden Seite untergebracht; Inhalt: 840 Liter.

Zum Aufsatteln stehen der Bundeswehr sieben neue siebenachsige Semiauflieger mit 70 Tonnen Nutzlast und acht ­teleskopierbare, dreiachsige Semiauflieger mit 30 Tonnen Nutzlast zur Verfügung. Alle stammen von Doll Fahrzeugbau aus Oppenau. Ihre Ladeflächen lassen sich auf 3.300 beziehungsweise 3.000 Millimeter verbreitern. Zudem kann der Mammut einen umgerüsteten, vierachsigen Kässbohrer-Auflieger mit 50 Tonnen Nutzlast aufsatteln. Er ist zwar geländegängiger als der neue Dreiachser. "Die Erprobung hat aber gezeigt, dass sich der neue 70-Tonner mit seinen Pendelachsen am besten im Gelände macht", argumentiert Ulrich. Nicht zuletzt deswegen ist der SLT 2 ein Quantensprung für die Bundeswehr – Arten-Reihenfolge hin oder her. 

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

Bundeswehr/Ginel

Datum

2. Juni 2015
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