Klima Vergleichstest 20 Bilder Zoom
Foto: Thomas Küppers

Sieben Hersteller im Überblick

Klimaanlagen Vergleichstest

Der nächste Sommer kommt bestimmt. Was welche Klimaanlagen leisten, zeigt der direkte Vergleich der Fernverkehrszugmaschinen aller sieben Hersteller im Klimawindkanal von RTA in Wien.

Der Sommer ist ein merkwürdiges Ding. Sofern nicht vorhanden, wird er sehnlichst herbeigewünscht. Kaum legt er richtig los, ächzt aber der Mensch prompt unter der Hitze. Abhilfe schafft in der Freizeit das Schwimmbad, bei der Arbeit die Klimaanlage. Und es ist gut so, dass heute kaum einer mehr mit Handtuch um den Hals durch die Lande zu brausen hat, um dem Rinnen des Schweißes Herr zu werden. Denn ein Übermaß an Hitze in der Kabine schlaucht nicht nur den Fahrer, sondern kann auch ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellen, wie viele Studien gezeigt haben. Zu viel Hitze, das steht fest, macht unkonzentriert auf eine Art und Weise, die alkoholbedingter Fahrigkeit nicht nachsteht. Ist es dem Menschen zu heiß, kann zudem die Frustrationsschwelle gehörig sinken, bricht sich Aggression schneller Bahn als sonst. So kommt es, dass Forscher vor gut einem Jahrzehnt noch feststellen konnten, dass hohe Temperaturen die Unfallhäufigkeit tatsächlich stärker in die Höhe trieben als schlechtes Wetter.

Ob das heute auch noch gilt? Wahrscheinlich eher nicht. Denn die Klimatisierung ist ja auch beim Pkw inzwischen weitgehend Standard – und aus dem Lkw von heute erst recht nicht mehr wegzudenken. Um zu ermitteln, wo nun jeder Hersteller mit seinem System jeweils steht, dafür braucht es allerdings einen besonderen Test.

Verschiedene Testbedingungen im Klimawindkanal

Der Klimawindkanal in Wien als weltweit einzigartiges Labor für Versuche dieser Art ist die Bühne, auf der die Redaktion alle sieben Lkw-Hersteller zu genau diesem Zweck versammelt hat: die Güte der Klimaanlagen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Zu bestehen hatten die Kandidaten in insgesamt vier Disziplinen: Vorkonditioniert auf 35 Grad Celsius, brennt beim ersten Test "Isolation der Kabine gegen Sonnenglut" Sonnensimulation mit 700 W/m2 den Probanden auf den Pelz. Beim "Powerkühlen" der solchermaßen durchgeglühten Kabine, dem zweiten Test, haben die Klimaanlagen zu zeigen, wie schnell sie die Hitze aus der Kabine schaffen und bis auf welche Temperatur sie maximal hinabzukühlen imstande sind. Die "Regelgüte bei 35 Grad Celsius Außentemperatur" als dritte Prüfung zeigt, wie schnell und exakt die Kandidaten auf die Setpoints 24 Grad und 20 Grad Celsius bei  dieser Außentemperatur regeln. Die Prüfung ist einmal ohne und dann mit Besonnung zu absolvieren. Im vierten Test "Resistenz gegen größte Hitze" fährt die Außentemperatur auf 45 Grad hinauf, der Setpoint beträgt 24 Grad, Besonnung obendrein. Das bringt ans Licht, wie gut die Anlagen unter solch extremen Bedingungen den Setpoint 24 Grad halten können.

Unterzogen haben sich diesen Torturen die Probanden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Zuerst traten MAN, Volvo, DAF und Iveco im Klimawindkanal an, tags drauf folgten die Kandidaten Renault, Scania und Mercedes unter exakt den gleichen Bedingungen, zu denen auch gehörte: stets eine ziemlich knackige Luftfeuchtigkeit.
Verglichen mit ähnlichen Tests, die die Redaktion sieben und acht Jahre zuvor an gleicher Stelle unternommen hat, ist das Ergebnis durchweg: Echte Blößen – wie seinerzeit hier und da feststellbar – gibt sich bei der Klimatisierung heute kein Hersteller mehr. Interessante Unterschiede bei Konzeption der Klimatisierung und ihrer Bedienung bestehen aber durchaus im Einzelnen.

DAF

Der Umbau auf Euro 6 brachte nicht nur ein neues Chassis als Unterbau und der Kabine eine neue Tür: Nein, auch die Klimaanlage haben sich die Techniker in Holland im Zuge der Umstellung zur Brust genommen und ganz offenkundig ein leistungsfähigeres System als zuvor installiert. Wobei auch für die umgebaute Kabine, zumal wenn in besonders gut isolierter Façon wie in Wien angetreten, weiterhin gilt: Die tendenziell weniger üppige Verglasung des Fahrerhauses hilft beim Kampf gegen gnadenlose Sonneneinstrahlung schon einmal von vorn­herein und nicht zu knapp.

Denn mit einer durchschnittlichen Innenraumtemperatur (auf Kopfhöhe Sitz) von nur 39,4 Grad nach knapp zwei Stunden geht der DAF als kühlster Kopf unter allen Probanden und somit als Sieger in der Kategorie "Isolation gegen Sonneneinstrahlung" durchs Ziel. Handelt es sich dann allerdings darum, diese Temperaturen schnellst- und tiefstmöglich wieder zu senken, geht es der DAF dann eher ruhig an. Rund 50 Minuten dauert es, bis die Innentemperatur auf dem Weg nach unten die 25-Grad-Marke reißt. Insgesamt ist bei maximal möglicher Kühlung nach 70 Minuten eine Innentemperatur von 23,8 Grad erreicht: gut gemacht.

Geht's um die Regelgüte, so kann man dem DAF keinerlei Wankelmütigkeit vorwerfen, was den Verlauf der Kurven angeht. "Schön konstant" lautet das Prädikat, das sie allemal verdienen. Mit dem Treffen des Setpoints ist es allerdings, wie auch bei vielen anderen Kandidaten, so eine Sache: Die Software arbeitet mit einer Art Temperaturkompensation, die sich einen ganz eigenen Reim drauf macht, wie Außen- und Innentemperatur unter dem Vorzeichen des gewählten Setpoints am besten unter einen Hut zu bringen seien. Wer 24 oder 20 Grad Innenraumtemperatur tatsächlich bekommen will, muss schon ein paar Grad tiefer auf der Wählscheibe greifen, um diese Werte real zu erhalten. Ein bisschen Glücksspiel ist da immer dabei. So stellen sich dann – beim Setpoint immer eine Portion zu tief gegriffen – 22,1 sowie 21,3 Grad innen ein, als 24 respektive 20 Grad bei 35 Grad Außentemperatur verlangt sind. Zusätzliche Sonneneinstrahlung führt beim DAF dann zu um 2,6 Grad erhöhter Innenraumtemperatur, welche die Anlage dann aber zumindest auf konstantem Niveau halten kann.

Extrem-Hitzetest mit Bravour bestanden

Wesentlich besser tut die Klimaanlage des Holländers schließlich beim abschließenden Extrem-Hitzetest ihren Job. Da zeigt sie sich als das System mit den größten Reserven im ganzen Feld. 24,2 Grad innen bei tropischen 45 Grad draußen – so kühl bleibt's in keinem anderen Lkw zum Ende der Vorstellung. Einziger Wermutstropfen dabei: leicht überdurchschnittliche Werte bei der Luftfeuchtigkeit. Was Funktionsumfang und Bedienung angeht, hält es der Holländer mit Bescheidenheit und Simplizität. Eine Automatik gibt es nur für die Temperatur. Das Gebläse ist grundsätzlich manuell zu regeln. Die gummierten Bedienknöpfe verströmen fast schon nostalgisches Flair und stehen für limitierte Varianz bei den Einstellungen. Generell ist das Bedienmodul etwas mühsam zu erreichen, nicht leicht einzusehen und schon gar kein Musterbeispiel für ein integriertes Modul: Die etwas außerhalb des Spielfelds angebrachten Drucktasten für Umluft sowie Ein- oder Ausschalten wirken wie nachträglich aufgepropft. Qual der Wahl gibt es insgesamt recht wenig. Und genau das macht die Sache andererseits wieder kinderleicht: Die Gefahr, arg ins Grübeln zu kommen, besteht beim DAF nun wirklich nicht.

IVECO

Bella Italia: Da herrscht manchmal schon viel Afrika. Und deshalb hatte Iveco schon immer ein waches Auge auf vernünftige Klimatisierung. Der Turbostar aus den 80er-Jahren war zum Beispiel der erste Schwer-Lkw überhaupt, dem ein europäisches Werk die Klimaanlage serienmäßig mit auf den Weg gab. Extras bei der Isolierung sind beim Stralis nicht zu haben, braucht er auch nicht. Denn der jetzt in Spanien gebaute Italiener schlägt sich dennoch wacker beim Kampf gegen die sengende Glut der Sonnensimulation im Klimawindkanal. Nach knapp zwei Stunden tüchtigen Einheizens melden die Sensoren als durchschnittlichen Wert auf Kopfhöhe mit 40,8 Grad genau den gleichen Wert, der für die arktik-isolierten Kabinen von Renault, Scania und Volvo zu Buche schlägt.

Beim darauf folgenden Powerkühlen geht es der mittlerweile ja grundsätzlich in Spanien (und nicht mehr in Ulm) produzierte Iveco dann allerdings mit einer gehörigen Prise südländischer Gelassenheit an. Weist die Hitze mit eher geringem Eifer so nonchalant in die Schranken, dass gegen Ende des Abkühlversuchs noch immer 26,0 Grad in der Kabine herrschen. Auch hier gilt, dass die Regellogik der Klimatisierung von heute – und beileibe nicht nur im Iveco – öfter auch wundersame Wege beschreitet, die zu verstehen sogar den Technikern mitunter schwerfallen kann.

Denn mehr Kälte herzustellen ist gar kein Problem für das im Stralis installierte System. Der Regelgüte-Versuch beweist es klipp und klar: Konstant und anstandslos pendelt sich die Innenraumtemperatur mit exakt 23 Grad als Mittelwert auf Kopfhöhe nur wenig neben dem verlangten Maß von 24 Grad ein. 20 Grad, wie im nächsten Schritt per Drehregler des Bedienmoduls geordert, verfehlt die Anlage mit ­einem gemessenen Wert von 20,9 Grad ebenfalls nur knapp. Und die tendenziell fallende Kurve der Messwerte zeigt: Ließe man dem System nur noch etwas mehr Zeit, würde es den gewünschten Wert wahrscheinlich noch exakter treffen und die Temperatur so mustergültig konstant halten wie zuvor schon bei der gleichen Übung mit Setpoint 24 Grad.

Klassischer Aufbau mit klar strukturiertem Bedienmodul

Es ist auch ganz und gar nicht von schlechten Eltern, wie tapfer der Iveco Stralis sich gegen das barbarische Hitze- und Strahlungsbombardement im letzten Teil der Versuchsreihe schlägt: 26,6 Grad im Innenraum sind es, auf die er die 45 Grad Außentemperatur samt Sonnenstrahlung niederkämpfen kann. Damit belegt er in dieser Disziplin den dritten Platz im Feld. Ein guter Wert sind auch die rund 30 Prozent Luftfeuchtigkeit, die im Iveco am Ende der Testreihen herrschen.

Die Einstellung von Temperatur wie Gebläse geschieht über Drehsteller. Eine Automatikfunktion ist sowohl für die Temperatur als auch das Gebläse sowie die Luftverteilung geboten. Das Bedienmodul sitzt unterhalb von Handbremshebel und Aschenbecher etwas tief. Der Aufbau ist klassisch: Ums zentrale Display mit digitaler Setpoint-Anzeige gruppieren sich zur Linken die drei vertikal angeordneten Druckschalter für Umluft, On/Off sowie Defrost. Zur Rechten stapeln sich drei Drucktasten, die für die Art der Luftverteilung verantwortlich zeichnen. Die Außenposten des Arrangements bilden zwei gummierte Drehregler mit integrierten Drucktasten, von denen der linke für die Temperatureinstellung, der rechte fürs Gebläse zuständig ist. So schnörkellos wie die gesamte Anlage präsentiert sich also auch die Gestaltung des glasklar strukturierten Bedienmoduls, dem nur ein kleiner Schönheitsfehler anzukreiden wäre: Ist das Fahrlicht ausgeschaltet, dann hapert es auch etwas mit der Lesbarkeit des Displays.

MAN

Lass die Sonne rein: Mit reichlich Glas an Front und Flanke bietet der MAN in XXL-Format dem Zentralgestirn Angriffsfläche nicht zu knapp. Da bleibt es auch mit dem am MAN TGX serienmäßigen Isolierpaket nicht aus, dass eine gewisse Treibhausatmosphäre entsteht. Anders gesagt: Zusammen mit dem Scania bildet der MAN das Duo im Testfeld, das der Sonne am wenigsten Paroli bietet. Sonderlich tragisch zu nehmen ist das nicht: Das Gros der anderen Kandidaten schlägt sich nur geringfügig besser.

Zumal die Klimaanlage des MAN beim folgenden Abkühlversuch dann doch einigermaßen kurzen Prozess macht. Schon nach 20 Minuten meldet der auf Kopfhöhe Fahrersitz platzierte Sensor das Fallen der Temperatur auf die 25-Grad-Marke. Nach knapp zwei Stunden emsigen Werkelns hat die Klimatisierung die ­Innenraumtemperatur auf 22,3 Grad gedrückt, obwohl die Sonne draußen kräftig feuert und die Lufttemperatur konstant bei 35 Grad liegt. ­Etwas zwiespältiger fällt dann die Figur aus, die der MAN bei der Regelgüte macht. Bis die Klimatisierung sich bei Setpoint 24 Grad konstant einpegelt, dauert es eine gewisse Zeit.

Zu wenig Kontra bei intensiver Sonneneinstrahlung

Mit 25,1 Grad regelt die Anlage zudem etwas neben das Ziel. Bei Setpoint 20 Grad trifft‘s der MAN schon besser: 20,9 Grad zeigen die Sensoren als Durchschnittswert an, den die Klimatisierung zügig ­erreicht und vorbildlich konstant hält. Setpoint zurück auf 24 Grad und die Sonnenfluter des Klimawindkanals wieder aktiviert: Das lässt die Innenraumtemperatur des MAN, der wie der DAF über keinen Sonnensensor verfügt, doch etwas über Gebühr steigen. Auf knapp 27 Grad klettert während dieser Übung die Temperatur innerhalb des XXL-Gehäuses. Das ist der höchste beim Test in dieser Übung gemessene Wert und könnte nicht das einzige Indiz dafür sein, dass die Klimasteuerung des MAN intensiver Sonneneinstrahlung zu wenig Kontra gibt. Auch geht die Klimaanlage zum Schluss der Messungen etwas zaghaft gegen die immer mörderischer werdende Glut im Klimakanal vor und belässt es dabei, die Temperatur bei 29,2 Grad im Kopfhöhe-Mittel zu halten.

Das Bedienungsmodul sitzt, gut erreichbar und bestens im Blickfeld, zur Rechten des Volants im Armaturenträger. Seinerzeit eines der modernsten seiner Art, umweht das Ensemble heute doch schon ein Hauch von Nostalgie: Die digitale Temperaturanzeige dürfte gern größer und markanter sein. Eine Automatik besitzt der MAN TGX nur für Temperatur sowie Gebläse, nicht aber für die Luftverteilung. Im Gegenzug gibt‘s zwei Besonderheiten: So gibt es die praktische Sonderfunktion "Luftvorhang vorn und seitlich". Zum anderen bringt der Economy-Modus nicht etwa wie bei DAF oder Renault die Kühlfunktion einfach zum Erliegen, sondern lässt sie in einen Sparmodus übergehen, bei dem der Kompressor nicht ständig läuft, sondern nur bei Bedarf zur Tat schreitet.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren

Autor

Datum

10. Mai 2016
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.