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Sieben Euro-6-Lkw: Erste Hochrechnungen

Zwischenbilanz beim Praxistest mit sieben Euro-6-Lkw. Aus den bislang ermittelten Daten lassen sich die Betriebskosten fürs erste Jahr hochrechnen.

Das große Ganze – bei einem Fahrzeugvergleich richten sich die Blicke meist auf den Verbrauch. Denn der Dieseldurst hat über die Lebenszeit eines Lkw den größten Anteil an den Gesamtbetriebskosten. Schließlich fließen bei einer Laufleistung von 140.000 Kilometern im Jahr 42.000 Liter Kraftstoff in die Brennräume, falls das Fahrzeug genau
30 Liter je 100 Kilometer verbraucht. Bei einem durchschnittlichen Dieselpreis von 1,199 Euro im vergangenen Jahr summieren sich die Kraftstoffkosten auf rund 50.000 Euro. Kein Wunder also, dass Spediteure auf den Verbrauch achten, ihre Mitarbeiter in Sachen ökonomisches Fahren schulen und nach Optimierungsmöglichkeiten bei den Zugmaschinen und Motorwagen suchen.

Unterschiede beim Anschaffungspreis können Verbrauchsvorteil ausgleichen

Sollte eine Spedition bei der Fahrzeugbeschaffung sich deshalb ausschließlich nach den Verbrauchswerten richten? Nein. Denn das Fahrzeug mit dem niedrigsten Verbrauch ist nicht zwingend das kostengünstigste am Markt. Bereits die Unterschiede beim Anschaffungspreis können einen Verbrauchsvorteil auf lange Zeit hin ausgleichen.Spediteur ­Joachim Fehrenkötter etwa hat für den derzeit im Praxistest verbrauchsgünstig laufenden Mercedes Actros 104.039 Euro bezahlt. Der Iveco war bei der Anschaffung 16.239 Euro günstiger, liegt im Verbrauch beim Diesel 1,93 Liter und beim Adblue-Konsum 1,54 Liter je 100 Kilometer höher als der Actros. Bei einem angenommenen Adblue-Preis von 0,25 Euro pro Liter gleicht der Actros den höheren Anschaffungspreis über den Verbrauch erst nach mehr als 600.000 Kilometer aus.

Faktor Haltbarkeit

So sehr es verlockt, Lkw allein anhand von Kaufpreisen und Verbräuchen zu vergleichen, sollte ein wichtiger Faktor nicht außer Acht bleiben: die Haltbarkeit. Defekte am Fahrzeug sind nicht nur ärgerlich, sondern meist auch sehr teuer. Dabei fallen Reparaturkosten je nach Schaden oft weniger ins Gewicht als Ausfallkosten. Ein stehender Lkw verdient keinen Cent, er kostet Geld. Spediteure müssen Touren umplanen, Ersatzfahrzeuge organisieren und Kunden besänftigen, weil sonst Vertragsstrafen fällig werden.

Nach dem ersten Fahrzeugvergleich (Euro 5), der bis 2010 dauerte, kam Spediteur Fehrenkötter jedenfalls zu der Erkenntnis, dass Ausfallkosten von 500 Euro pro Tag und Fahrzeug nicht ausreichen, um den Aufwand zu kompensieren. Deshalb bewertet das Unternehmen bei der Neuauflage fahrzeugbedingte Ausfälle mit 1.000 Euro je Tag.

Mercedes Actros ohne Zwangspause

Bereits nach sieben Monaten verzeichnet Fehrenkötter acht Ausfalltage bei der Praxistest-Flotte. Der Mercedes Actros kommt als Einziger bislang ohne Zwangspause aus. Die Fahrzeuge von MAN, Iveco, Volvo und Scania mussten je einen Tag pausieren. Bei Renault und DAF summieren sich die Ausfälle schon auf je zwei Tage. Inklusive der angefallenen Reparaturkosten verdient Fehrenkötter jetzt schon rund 9.000 Euro weniger als geplant mit den sieben Lkw. Das schlägt sich auch in den Betriebskosten nieder.Nach Berechnungen von Dekra wird nach Ablauf der ersten zwölf Monate der Mercedes Actros in den Gesamtbetriebskosten mit 90.513,58 Euro pro Jahr die Nase vorn haben. Bei seinen Berechnungen berücksichtigt Dekra-Fuhrpark­experte ­Andreas Müller alle fixen und variablen Kosten. An einigen Stellen kommen noch einheitlich Standardwerte bei allen sieben Lkw zum Einsatz, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Volvo FH rangiert auf Rang zwei Hinter dem Actros rangiert der Volvo FH mit nur 36 Euro Abstand. Ohne einen Ausfalltag wegen eines losen Auspuffs würde der Schwede auf dem obersten Treppchen stehen. Im Mittelfeld von 92.000 bis 95.000 Euro verteilen sich ­Iveco, DAF, Renault und MAN. Die rote Laterne hängt nach der ersten Kalkulation am Scania.

Bei dem Schweden kommen gleich mehrere Faktoren unvorteilhaft zusammen. So ist der R450 mit den höchsten Anschaffungskosten ins Rennen gestartet. Zudem waren die Verbrauchswerte des Lkw von Beginn an auffällig schlecht. Nach einigen Diagnoseversuchen in der Werkstatt hat Scania die Kraftstoffpumpe des Lkw ausgetauscht. Seither läuft das Fahrzeug laut Fahrer besser und der Kraftstoffverbrauch entwickelt sich positiv. Für die insgesamt vier Werkstattbesuche inklusive dem Teiletausch veranschlagt Fehrenkötter einen Ausfalltag. Unterm Strich landet der Scania nach der ersten Hochrechnung bei 98.015,07 Euro Gesamt­kos­ten pro Jahr.

Wie sich  die Kosten über die Laufzeit entwickeln, zeigt das unten aufgeführte TCO-Ranking, das künftig Teil jeder Veröffentlichung ist. Welcher Lkw gewinnt, entscheiden am Ende nicht einzelne Faktoren, sondern eben das große Ganze.

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Portrait

Autor

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Karl-Heinz Augustin

Datum

20. Februar 2015
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