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Sicherheit: Raus aus dem toten Winkel

Ein Aktionstag an einer Mannheimer Grundschule zeigt den Kindern, wie viel der Lkw-Fahrer aus seiner Kabine sieht. Mit von der Partie ist die Spedition Fels, die gemeinsam mit der Organisation Round Table auftritt. 

Vor der Oststadtschule im Herzen von Mannheim steht ein Sattelzug. Doch der 40-Tonner der Spedition Fels ist an diesem Tag nicht auf logistischer Mission unterwegs. Vielmehr steht er auf einer abgesperrten Nebenstraße zwischen Grundschule und gegenüberliegender Kirche. Vom Kühlergrill sowie von den Seiten spannen sich Baustellen-Absperrbänder. Diese verdeutlichen eindrucksvoll, wo für den Fahrer der sogenannte tote Winkel ist.
Fahrer Jürgen Schnell lenkt seit 33 Jahren Lkw.

Nicht alle Bereiche sind gleich gut einsehbar

Auch wenn  er an seinem Mercedes Actros gleich mehrere Zusatzspiegel angebracht hat, sind dennoch nicht alle Bereiche rund um das Fahrzeug gleich gut einsehbar, wie er berichtet. Doch obwohl Schnell an diesem Tag eigentlich nicht die Hauptperson ist, umringen ihn schon bald die Kinder der dritten und vierten Klassen der Oststadtschule. Spätestens sobald sie selbst in die Lkw-Kabine geklettert waren und gesehen haben, wie weit der tote Winkel tatsächlich reicht.

"Ich habe selbst drei Kinder, die ich zum Glück unbeschadet groß bekommen habe", sagt Schnell. Dennoch sei er sich nach wie vor der Gefahr bewusst. "Gerade bei Kindern, die am Straßenrand stehen oder laufen, bin ich immer besonders vorsichtig", sagt er.

"Raus aus dem Toten Winkel" startete 2006

Im Mittelpunkt der Sicherheitskampagne stehen an diesem Tag allerdings Mirko Haucke und seine Mitstreiter vom Round Table Mannheim. Die Bundesvereinigung der Tabler, wie sie sich selbst nennen, hat die Aktion "Raus aus dem Toten Winkel" im September 2006 gestartet.

Im Zusammenspiel mit Transportunternehmer – wie in diesem Fall in Mannheim der Spedition Fels – geht es an die Grundschulen. "In der dritten und vierten Klasse findet die Verkehrserziehung mit dem Fahrrad statt", erklärt Verena Pikulik, die Konrektorin der Oststadtschule. Sie selbst ist  durch Andrea Kiefer auf diese Aktion aufmerksam gemacht worden. Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar hat selbst eine Tochter in der Mannheimer Grundschule. Über eine Veranstaltung des eigenen Hauses war sie auf die Aktion "Raus aus dem Toten Winkel" aufmerksam geworden. Denn auch dort hatte die Spedition Fels das Ganze schon einmal präsentiert.

Ohne diesen Zufall wäre es wohl nicht zu der Aktion an der Oststadtschule gekommen. Die Tabler bieten ihre Dienste zwar kostenlos an, da sich die Organisation aber ausschließlich über Spenden finanziert, fehlt schlicht das Geld, um das Angebot anderweitig zu bewerben.

Vor der Schule steht nun die gesamte Klasse 3 B auf der Beifahrerseite des Lkw – und alle Kinder im toten Winkel. In Dreiergruppen geht es dann vor den Lkw. Denn auch dort ist die Sicht eingeschränkt. Und natürlich darf jeder der Grundschüler darüber hinaus auch noch ins Fahrerhaus steigen, um sich selbst davon zu überzeugen, wie eingeschränkt das Sichtfeld ist. "Ich kann mir jetzt gut vorstellen, wie das für den Fahrer ist", sagt die achtjährige Miriam. Und ihre gleichaltrige Klassenkameradin Emily ergänzt: "Es war schon irgendwie cool. Ich hätte nicht gedacht, dass man das alles nicht im Spiegel sieht", ergänzt sie.

Den toten Winkel nachspielen

Zum Abschluss gibt es für jeden Grundschüler der Klassen drei und vier einen Pappaufsteller in Form eines Lkw-Fahrerhauses. Der regt nicht nur zum Basteln und Malen an. Vielmehr können die Kinder durchs Cockpit blicken. Mithilfe von Lego- oder Playmobil-Männchen können sie so nochmals den toten Winkel vor dem Fahrzeug nachspielen.

"Zudem könnt Ihr Euren Geschwistern und Eltern zeigen, was Ihr heute gelernt habt", sagt Haucke. Denn eines ist klar: Eine Gefahr ist der tote Winkel auch für Erwachsene, die sich dessen meist ebenso wenig bewusst sind wie ihre  Kinder.




Weitere Aktionen

Die Spedition Kellershohn aus Lindlar hat mit den Transportbotschaftern der Frachtenbörse Timocom einen Aktionstag Toter Winkel an der Grundschule Lindlar-Ost veranstaltet. Am Beispiel des blau-weißen US-Trucks von Timocom erlebten 53 Viertklässler, wie sie sich im Verkehrsgeschehen richtig verhalten. Auch dort gab es ein Pappgestell in Form eines Lkw-Fahrerhauses, um das Ganze daheim nochmals durchspielen zu können. Weitere Infos gibt es unter: www.transportbotschafter.de

Am Tag der Logistik informierten das Güterverkehrszentrum (GVZ) Augsburg zusammen mit der Dekra Akademie, dem Mercedes-Benz Nutzfahrzeug-Zentrum und DB Schenker ebenfalls über den toten Winkel. Dort staunten rund 160 Zehn- bis Zwölfjährige, wie viele Kinder hinter der A-Säule des 40-Tonners buchstäblich verschwinden.

Portraits

Autor

Foto

Carsten Nallinger

Datum

5. Mai 2014
5 4 3 2 1 5 5 1
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