Serie-Truck Jobs Böhler 6 Bilder Zoom

Serie Truck Jobs: Mit Sicherheit Abwechslungsreich

Nur wenige Berufe sind so vielseitig und spannend wie der Job des Abschleppwagenfahrers. Zwischen Hilfe in der Not und akuter Lebensgefahr liegt oft weniger als eine Fahrbahnmarkierung.

Stephan Lommatzsch ist mit Leib und Seele Abschleppfahrer. Gleichzeitig leitet er die Werkstatt von Auto Böhler in Karlsruhe. Er hat seinen Traumberuf gefunden, das spürt man, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Sein früherer Job als Testfahrer in der Prototypen-Abteilung von Mercedes-Benz hat ihn nicht erfüllt. "Mir fehlte die Abwechslung und der Kontakt zu Menschen", erzählt der gelernte Kfz-Meister. Er liebt die tägliche Herausforderung, die unterschiedlichsten Fahrzeuge schnellstmöglich wieder flottzumachen.

Kein Pannenauftrag gleicht dem anderen

Zu den Grundvoraussetzungen für den Beruf des Pannenhelfers zählen neben einer technischen Ausbildung im Kfz-Bereich ein hohes Maß an technischem Verständnis und Einfallsreichtum. Auf dem Seitenstreifen oder direkt auf der Fahrbahn können selbst kleinere Defekte schnell zu einer schwierigen Aufgabe heranwachsen. Der Seitenstreifen bietet nicht den Platz und die Bewegungsfreiheit einer Werkstatthalle. Gerade in diesen Situationen müssen schnelle Lösungsansätze her.

Niemals vergessen darf er dabei die eigene Sicherheit. Das Pannenfahrzeug muss vorschriftsmäßig abgesichert sein, um die Gefahr eines Auffahrunfalls zu verringern. Denn bei aller Begeisterung für den Beruf bleibt es ein gefährlicher Job. Oftmals liegen zwischen den Gelben Engeln und dem vorbeirauschenden Verkehr nur wenige Zentimeter. "Leider wird heute viel rücksichtsloser gefahren als noch vor 15 oder 20 Jahren. Selbst wenn wir Warntafeln mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung aufstellen, geht kaum ein Auto- oder Lkw-Fahrer vom Gas oder wechselt die Spur", erzählt Lommatzsch. Zwar dürfen Abschleppunternehmen eine Fahrspur sperren, doch bei besonders schwierigen Fällen ist es nötig, die Polizei einzubeziehen. Ein Polizeiauto erreicht eben eine höhere Aufmerksamkeit als eine Warntafel.

Aber nicht nur die körperliche Unversehrtheit, auch die psychische Belastbarkeit ist ein wichtiger Aspekt des Berufes. Den Anblick von Verletzten oder sogar Getöteten muss man lernen und verarbeiten können. "Wenn es sich um Frauen oder Kinder handelt, wird es selbst für die Hartgesottensten schwierig", meint Lommatzsch. Doch auch dieser Aspekt ist wohl oder übel Teil des Berufs. Bevor Lommatzsch weitersprechen kann, kommt ein neuer Auftrag ins Büro geflattert.

Reparatur geht vor abschleppen

Es geht auf einen Parkplatz im Durlacher Industriegebiet. Dort steht ein Mercedes ­Atego mit Luftverlust an der Bremsanlage. Der große Actros-Abschlepper bleibt erst mal auf dem Betriebshof zurück. Das ­oberste Ziel der Pannenhilfe ist es, den Wagen vor Ort wieder flottzubekommen. In vielen Fällen wird das Abschlepp- und Bergefahrzeug daher gar nicht benötigt.

Mit einem selbst ausgebauten Sprinter, in dem alle erdenklichen Werkzeuge für die verschiedensten Lkw- und Auflieger-Hersteller Platz finden, geht es in Richtung Indus­triegebiet. Stephan Lommatzsch geht bereits auf der Anfahrt im Kopf die möglichen Defekte durch, um vor Ort schneller den Grund für die Panne zu lokalisieren. Ein Luftverlust kann viele Ursachen haben: Eine gebro­chene Leitung, ein undichter Luftbehälter oder ein kaputtes Vierkreisschutzventil. Auf dem Parkplatz angekommen, macht sich der Kfz-Meister sofort an die Arbeit. Bereits nach kurzer Zeit hat er den Fehler gefunden: Das Vierkreisschutzventil regelt nicht mehr richtig. Nach kurzer Rücksprache entscheidet sich der Kunde, den defekten Atego abschleppen zu lassen. Zumindest wir können uns freuen, denn der schwere Actros hat nun seinen großen Auftritt.

Individuelle Vorbereitung ist wichtig

Der Pannenhelfer demontiert in der Zwischenzeit die ­Kardanwelle und bindet sie mit einem Spanngurt am Fahrzeugrahmen fest. Nach kurzer Zeit biegt der riesige gelbe Abschlepp-Lkw um die Ecke. Zu zweit machen sich die Experten daran, den Lift auf das abzuschleppende Fahrzeug anzupassen. Eine individuelle Vorbereitung ist wichtig, da jeder Lkw eine andere Spurweite und andere Ansatzpunkte hat. Der ­Atego wird an der Vorderachse angehoben und mit Ketten am Tragarm des Bergungsfahrzeuges fixiert. 

Zurück auf dem Betriebshof macht sich ­Stephan Lommatzsch an die Dokumentation. Auch der vermeintlich langweilige Papierkram gehört zum Beruf dazu, denn jeder Pannenauftrag wird protokolliert. Für Auto Böhler herrscht in den Sommermonaten Hochkonjunktur. Tim Böhler erklärt, dass überpro­portional viele Unfälle in den Sommermo­naten durch Unaufmerksamkeit und Reifenschäden verursacht werden. "Viele Fahrer überschätzen ihr Können am Steuer und ver­gessen den Reifendruck an den Beladungszustand anzupassen."

In der Zwischenzeit sortiert Stephan Lommatzsch das benötigte Werkzeug und bereitet den Sprinter für die nächsten Einsätze vor. Denn eines ist sicher für die Abschleppfahrer von Auto Böhler: Die nächste Panne lässt nicht lange auf sich warten.

Job Check

Arbeitgeber
Auto Böhler, Ottostraße 6, 76227 Karlsruhe

Einstiegsqualifikation
Kfz-Mechaniker, -Elektriker oder -Mechatroniker; Lkw-Führerschein

Aufstiegsmöglichkeiten
Teamleiter, Werkstattleiter, Fuhrparkleiter

Fuhrpark
Vier Abschlepp-Lkw verteilt auf sieben ­Niederlassungen in Karlsruhe, Rastatt, Bruchsal, Baden-Baden, Landau, ­Germersheim und Neustadt/W.

Arbeitsbedingungen
Geregelte Arbeitszeit zwischen 7.30 Uhr und 16:30 Uhr plus alle vier Wochen sieben Tage Rufbereitschaft (Werkstattfahrzeug wird mit nach Hause genommen)

Bezahlung
Gehalt kann nach Qualifikation selbst ausgehandelt werden und wird übertariflich bezahlt; Wochenend- und Nachtzuschläge

Positiv
Jeden Tag neue Herausforderungen bei der Pannenhilfe, geregelte Arbeitszeit, gute Bezahlung

Negativ
Vergleichsweise hohes Unfallrisiko, psychische Belastung bei Unfällen, Ruf- und Einsatzbereitschaft

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

13. Oktober 2015
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