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Schwerlastunternehmen in Thüringen: Speditionen leiden unter langsamen Behörden

Schwerlastspeditionen in Thüringen haben einen Standortnachteil: Genehmigungen dauern länger als in anderen Bundesländern.

Die Mühlen in den Thüringer Amtsstuben mahlen langsam. Das bekommen Schwerlasttransporteure seit Jahren zu spüren, sofern sie bei den dortigen Behörden die entsprechenden Genehmigungen beantragen. "Mittlerweile stellen etwa 80 Prozent unserer Unternehmen hier gar nicht mehr den Antrag", sagt Martin Kammer, Hauptgeschäftsführer des Landesverbands Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV). Denn die freistaatliche Genehmigungsbehörde arbeitet so langsam, dass Thüringer Transporteure im Wettbewerb oft das Nachsehen haben.

Angtragstellung in Thüringen besonders langsam

"Wenn etwa ein sachsen-anhaltinisches Unternehmen und eines aus Thüringen sich um den gleichen Auftrag bewerben und beide auch den Zuschlag bekommen könnten, würde die Antragstellung bei uns in Thüringen bis zur Genehmigung länger und komplizierter sein als in Sachsen-Anhalt", erklärt Kammer. Auch deswegen nutzen bereits viele Thüringer Schwerlastunternehmen über einen Genehmigungsservice die Behörden im nördlichen Nachbarland oder in anderen Bundesländern, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Daneben gibt es in Thüringen noch ein weiteres Hemmnis: 14 Tage hat ja die zuständige Behörde Zeit, um den Antrag, dem auch die Fahrtroute beiliegt, zu bearbeiten. Stellt sich während des Antragverfahrens heraus, dass eine der genannten Straßen gesperrt oder nicht geeignet ist, wird der Antrag einfach abgelehnt. "In anderen Bundesländern wird dann eine neue Route vorgeschlagen", erklärt Kammer. In Thüringen muss dagegen ein neuer Antrag eingereicht werden, der auch wieder die üblichen Lauffristen hat. "Und das ist eben das Komplizierte hier an dieser Sache", betont der LTV-Hauptgeschäftsführer.

Angst vor Repressalien

Natürlich kümmerte sich der Landesverband um die Problematik. Ein Stammtisch mit den Schwerlasttransporteuren brachte Erstaunliches zutage. "Viele Unternehmen, die sich schon mal beim Landesverwaltungsamt beschwerten, mussten im Nachgang mit Repressalien rechnen", sagt Kammer. Daher reagieren die Unternehmer auch nur noch sehr zurückhaltend. Das zeigte sich gerade erneut in einer Umfrage für eine Bachelorarbeit, die der LTV unterstützt und die derzeit von einer Studentin an der Fachhochschule Nordhausen erstellt wird. Obwohl absolute Anonymität zugesichert wurde, trauten sich viele Unternehmer nicht, den ausgefüllten Fragebogen an den Verband zurückzuschicken. "Es besteht die Angst, dass die Genehmigungsbehörde in irgendeiner Form diese Fragebögen in die Hände bekommt, was natürlich nicht der Fall ist", betont Kammer.

Wissenschaftliche Arbeit in Auftrag gegeben

Wegen der geringen Beteiligung setzt der LTV keine zu hohen Erwartungen an das Ergebnis der Bachelorarbeit. Allerdings will er diese wissenschaftliche Basis dazu nutzen, um mit allen Beteiligten noch mal über die Problematik zu reden. Eine ähnliche Gesprächsrunde gab es bereits nach dem Unternehmerstammtisch. Damals hatte der LTV Vertreter aus dem Landesverwaltungsamt, dem Landesamt für Bau und Verkehr, dem Wirtschafts- und dem Verkehrsministerium eingeladen.

Dabei stellte sich heraus, "dass die Dienstleistungsbereitschaft gerade im Landesamt Bau und Verkehr zur schnellen und zügigen Bearbeitung nicht im Fokus steht", resümiert Kammer. Das stieß bei allen anderen auf Unverständnis. Deshalb mahnte das Verkehrsministerium, "die Arbeit unternehmerfreundlich" zu gestalten. "Aber so richtig konnte sich keiner erklären, warum es nicht schneller geht", sagt der Verbandsvertreter.

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Karl-Heinz Augustin _ Montage: Monika Haug

Datum

17. Mai 2016
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