Fuhrpark der Spedition Schröder 14 Bilder Zoom

Schröder aus Ebernhahn: Mit Teamgeist zum Erfolg

Die zentrale Disposition ist auch bei der Fliesenspedition Schröder in Ebernhahn an der A 3 die entscheidende Schnittstelle für den Erfolg.

Freitagmorgen um sieben Uhr pfeift ein eiskalter Wind über die Höhen des Westerwalds. Das Thermometer zeigt unter minus zehn Grad an, die Lkw der Spedition Schröder können heute nicht gewaschen werden. Das passt so gar nicht zu dem sonst üblichen Auftreten der Spedition Schröder, die in Sichtweite des Maxi-Autohofs Mogendorf an der A 3 über 110.000 Quadratmeter Gelände verfügt, davon allein über 80 Prozent offene Lagerfläche für das wichtigste Transportgut des Logistikunternehmens: Fliesen.
"Etwa 100 Millionen Quadratmeter Fliesen werden jedes Jahr in Deutschland gebraucht", erläutert Geschäftsführer Joachim Altmann. "Jeweils die Hälfte kommt aus Deutschland und Italien. Und von diesem Gesamtvolumen transportieren wir etwa 20 Prozent. Allein bei uns auf dem Gelände werden ab heute Nachmittag etwa 3.000 Paletten verladen." Doch so weit ist es noch lange nicht.

Die Disposition ist ein eingespieltes Team

Erst mal muss sich Julian Heibel, 27, einen Überblick verschaffen, wo die Lastzüge, die am Donnerstag irgendwo in Deutschland entladen wurden, heute eine Rückladung bekommen können. Dazu nutzt er Kontakte zu Fliesenproduzenten in Deutschland oder anderen Speditionen. Das Gros der Rückladungen organisiert Heibel aber über Frachtenbörsen.
Heibel ist morgens der Erste von insgesamt sechs Mitarbeitern in der zentralen Disposition, die fünf anderen kommen eine halbe Stunde später ins Büro: Dispositionsleiter Jörg Hoffman, 40, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, Oliver Fasel, 41, der alle Kundenabholungen im Radius von 200 Kilometern organisiert, Tanja Zupp, 39, die zusammen mit Marc Glöckner, 22, bis zum Nachmittag für die Sendungserfassung zuständig ist. Dazu Cynthia Klothen, 20, die Auszubildende. Nur Sascha Schmidt, 35, der gewissermaßen als Libero fungiert, wenn Hoffman und Fasel nicht am Platz sind, hat noch Urlaub. Alles in allem ein eingespieltes Team, das ein Ziel verfolgt: Bis zum frühen Abend muss jeder der 125 eigenen Lastzüge eine Ladung für die kommende Woche haben. "Freitags", verrät Hoffmann, "geht alles irgendwie schneller. Auch die Fahrer arbeiten dann zügiger. Kein Wunder, schließlich wollen sie ja nach Hause."

Freitage sind Kampftage

Doch dieses Ziel ist gleich schon mal gefährdet. Ein Lkw steht in Wolfsburg bei Mercedes in der Werkstatt. Nicht die Zugmaschine ist allerdings das Problem. Kaum eine Speditionsflotte wird so intensiv gewartet wie die von Schröder. Jedes Ersatzteil ist mehrfach vorhanden, Türen, Kotflügel oder Brakken sind vorlackiert. Es gibt Ersatzmotoren und zwei sogenannte Feuerwehrfahrzeuge: Drei Jahre alte zugelassene Lkw, die zum Einsatz kommen, falls eine Reparatur länger dauert als geplant. Diesmal gibt es eine Panne am Auflieger.
Und schon tritt das größte Problem für Disponenten und Fahrer ein: Der Kunde macht um zwölf Uhr dicht, die Rückladung dagegen kann bis 20 Uhr abgeholt werden. Also setzt sich Heibel ans Telefon und sucht nach einer Lösung. Derweil steht bei Fasel das Telefon nicht still. Bis zu 150 Telefonate wickelt der Hobby- Triathlet pro Tag ab, um die Abholungen sicherzustellen. Freitag ist Kampftag, weil es am Donnerstag eher ruhig ist. Aber kurz vor dem Wochenende will im größten Industrieland Europas niemand mehr so richtig arbeiten, jedenfalls die Warenannahme nicht länger als bis mittags. Auch der Versand schließt häufig schon am frühen Nachmittag die Tore.

Erfahrene Fahrer verdienen mehr

Eigentlich ist der entscheidende Tag schon der Mittwoch. Denn bei Schröder hat jeder Fahrer "seinen" festen Lkw. Aber längst nicht alle Chauffeure wohnen in der Nähe der Spedition, immer öfter kommen sie aus anderen Bundesländern. So wie Maik Grädner. Er fährt meist in der Nacht zum Freitag auf den Hof, macht seine neun Stunden Pause und wird ab 17 Uhr für den Osten beladen. Am Montag liefert er bis nach Rostock aus. "Diese Fahrer kann ich natürlich nicht am Mittwoch nach Passau schicken", sagt Fasel. "Wir haben den Kollegen, die nicht am Standort wohnen, versprochen, dass sie am Wochenende zu Hause sind. Das setzen wir meistens um."
Natürlich hängt die Planung auch davon ab, wer auf dem Lkw sitzt. Langjährige Fahrer wie Uwe Siery kennen beinahe jeden Kunden und sprechen mit der Dispo schon mal ab, wie sie den Lkw lieber geladen haben wollen, weil sie die Öffnungszeiten und Routen eben aus der täglichen Praxis kennen. Schröder behandelt die Fliesen wie Sammelgut. Sie kommen, außer bei Komplettladungen, alle zentral aufs Lager, werden neu kommissioniert und gehen mit bis zu zehn Abladestellen wieder raus. Erfahrene Fahrer verdienen deshalb auch etwas mehr als das Einstiegsgehalt von 2.100 Euro. Neue Chauffeure werden langsam aufgebaut. "Wir haben zwei oder drei Komplettladungen als Einstiegstouren", sagt Hoffmann. "Wenn Die eigene Werkstatt garantiert Flexibilität bei der Planung.dann aber ein Fahrer erst beim Kunden merkt, dass der Auflieger gar nicht beladen ist, hat er leider auch bei uns nicht wirklich eine Chance."

In der Fliesenspedition herrscht eine lockere Atmosphäre

Die große Zahl der Lkw ermöglicht eine hohe Flexibilität. Die Einhaltung der Lenkzeiten ist die legale Richtschnur, wer die Ladungen nicht los wird, hat immer noch den nächsten Tag. Dann wird er wieder von Julian Heibel verplant. Der hat zwischenzeitlich einen Spediteur in Lehrte gefunden, der die Ladung des liegen gebliebenen Lkw für 50 Euro bis zum Montag zwischenlagert, die Rückladung des Fahrers ist gerettet. Auch dessen Freizeitplanung. "Wir wissen, dass manchmal die beste Planung nicht aufgeht, weil ein Stau dazwischenkommt", sagt Hoffmann. "Auch deswegen haben alle Mitarbeiter in der Werkstatt den Lkw-Führerschein, so dass sie bei Krankheit spontan einspringen oder einen Kollegen mit dem Pkw nach Hause holen können."
Es herrscht eine lockere Atmosphäre in der, so Fasel, leider nie genug Zeit bleibt, mit den Fahrern länger zu sprechen. Jeder macht halt seinen Job. Manche Kollegen wollen gar keinen Kontakt zu Disposition. Natürlich kennt Fasel aber auch seine Pappenheimer, die etwa in Köln extra trödeln, um nicht bis zwei Uhr noch in Alfter laden zu müssen. "Spätestens beim zweiten Mal fällt das allerdings auf." Am Nachmittag verteilt Hoffmann die Ladungen auf die Lkw, auf Wünsche geht er, wenn möglich, ein. Acht Staplerfahrer laden bis in den frühen Morgen die Fahrzeuge vor, die Papiere kommen in die Fächer. Die meisten Chauffeure melden sich am Samstag, damit sie wissen, wo sie hin müssen. Dann ist in der Dispo für diese Woche Schicht. "Am Freitagabend", sagt Fasel, "will ich nur im absoluten Notfall noch ans Telefon."

Fakten und Zahlen

Anschrift:
Gebrüder Schröder GmbH &Co. KG
Industriegebiet Fackelhahn
Sälzerstraße 6
56424 Ebernhahn
Telefon: (+49)26 23/60 85-0
Telefax: (+49)26 23/60 85-43
www.schroederspedition.de
info@schroederspedition.de
Gründungsjahr:
1939
Unternehmensgröße:
Mittelständische Inhabergeführte Fachspedition
Umsatz:
25 Millionen Euro
Schwerpunkt:
Nationale Fliesen- undlk Chemielogistik mit Planzügen, Teilladungsverkehre
Beschäftigte:
200
Fahrer:
140
Fuhrpark:
125 eigene Planzüge, davon 21 Hängerzüge mit Dreiachsanhängern, 12 Volumenzüge, 6 Mitnahmestaplerzüge, 6 Hebebühnenzüge, 86 Sattelzüge. Alle ziehenden Einheiten von Mercedes-Benz mit 440-450 PS. Alle Lkw ausgestattet mit Abstandsregeltempomat, Spurassistent, Standklimaanlage, Bi-Xenon-Licht. Anhänger und AUflieger von Kögel und Krone. 90 Prozent mit digitalem Tacho. Zwei "Feuerwehrfahrzeuge" für die flexible Planung, ein Mobilkran zur Entladung von Eisenbahnwagons
Eigene Werkstatt:
Ja, mit 6 Mitarbeitern, Diagnosezentrum, eigener Bremsenprüfstand, eigene Lackierung, Außenwaschanlage
Einsatzbereich der Fahrer:
95 % nationaler Fernverkehr, 5 % Italien und Belgien
Fahrleistung der Lkw
118.000 km im Flottendurchschnitt
Offene Stellen:
Immer wieder, auch für Fahrer aus anderen Bundesländern 

Autor

Foto

Bergrath

Datum

29. Mai 2012
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