Schmitz Cargobull-Vorstände Ulrich Schümer und Ulrich Schöpker Zoom

Schmitz Cargobull: Mehrwertdienste für Flottenkunden

Mehrwertdienste für Flottenkunden – die Schmitz Cargobull-Vorstände Ulrich Schümer und Ulrich Schöpker sprechen über die Kostenstruktur von Trailern. Fleet4You heißt das neue Service-Konzept von Schmitz Cargobull. Im Interview erklären die beiden Vorstände Ulrich Schümer und Ulrich Schöpker, wie sie die Kosten ihrer Kunden senken wollen.

Herr Schümer, Herr Schöpker, was zeigt Schmitz Cargobull auf der IAA?

Schöpker: Wir haben vor 10 bis 15 Jahren festgestellt, dass um den Trailer herum eine ganze Menge Produkte existieren, mit denen wir unseren Kunden das Leben erleichtern können und dem Kunden die Möglichkeit geben, Geld zu sparen. Diese Value-Added-Services haben wir Punkt für Punkt weiterentwickelt – angefangen bei der Finanzierung über den Full-Service-Vertrag bis hin zu einem Komplettsystem, wozu auch die Telematik gehört. Auf der IAA präsentieren wir nun die übergeordnete Ebene dazu. Unter dem Namen Fleet4You fließen alle diese einzelnen Bausteine zusammen und können über unsere Telematik ab sofort als Gesamteinheit kontrolliert werden. Damit helfen wir dem Kunden, seine Kosten im Griff zu behalten beziehungsweise sie zu reduzieren.

In welcher Weise?

Schöpker: Viele unserer Kunden kennen ihre Kosten gar nicht. Wie hoch ist beispielsweise der Reifenverschleiß? Die Kunden wissen oft nicht, wie die Kostenstruktur ihres Trailers aussieht. Über die einzelnen Bausteine, die wir mittels Fleet4You zusammenführen, können wir dem Kunden eine gläserne Kugel zur Verfügung stellen, wo er von allen Seiten draufgucken kann und seine Kosten im Blick hat. Wir können in der Telematik bereits alle technischen Dinge überprüfen: Ist eine Tür offen? Wie viel Gewicht ist auf dem Auflieger? Wie schnell ist er? Wie ist der Luftdruck? Wo ist der Trailer überhaupt? Das alles beziehen wir auf die Kosten des Trailers und erstellen daraus eine Übersicht für unsere Kunden.

Schümer: Im Zusammenhang mit Telematik steht auch noch das Thema Schnittstelle Trailer–Zugfahrzeug. Da geht es hin zur Standardisierung von Schnittstellen, damit der Fahrer vorne nicht verschiedene Displays haben muss, sondern über ein Display alle Daten der Zugmaschine und des Aufliegers sehen kann. Das ist ein Trend, der sich sicher in nächsten Jahren verstärken wird. Da sind wir auch im Gespräch mit Zugmaschinenherstellern.

Wie wird die Schnittstelle aussehen?

Schöpker: Wir haben zusammen mit T-Systems eine Lösung. Die Telekom hat eine Plattform geschaffen, zu der jeder seine Telematikdaten senden kann. Der Kunde kann sich dann die gesamte Flotte über diese eine Plattform darstellen lassen. Eigentlich bräuchte man einen Bildschirm für Daimler-Fahrzeuge, einen für Lkw von Volvo, einen für MAN, einen für Schmitz- und einen für Krone-Fahrzeuge. Mit der Lösung von T-Systems kann der Kunde alle Daten in einem Bildschirm darstellen lassen und hat eine Gesamtübersicht seiner Flotte. Außerdem bietet diese sogenannte Telematik-One-Plattform nicht nur den Anschluss an Truck- und Trailer-Telematik an, sondern auch an ERP-Systeme und andere Software der Logistik- und Speditionswelt. Damit hat man eine Plattform, auf der alle Schnittstellen miteinander kommunizieren können.

Welche Impulse erwarten Sie von der diesjährigen IAA?

Schöpker: Zunächst einmal ist das eine riesige Veranstaltung, bei der wir Kontakt zu unseren Kunden haben und mit ihnen sprechen können. Das ist besonders wichtig, weil unser Geschäft auch von der Kommunikation lebt. Die vielen Kunden, die in den zehn Tagen nach Hannover kommen, kann man schon aus zeitlichen Gründen nie alle besuchen. Im Gespräch können wir dann die Innovationen vorstellen, die wir in den vergangenen zwei Jahren auf den Weg gebracht haben. Nicht zuletzt erwarten wir uns natürlich Aufträge.

Schümer: Wir haben immer auf der IAA Aufträge geschrieben. Das ist für uns – alle zwei Jahre – auch eine Verkaufsmesse. Nicht nur eine Messe, um Dinge zu zeigen.

Welche innovativen Fahrzeugkonzepte zeigen Sie auf der IAA?

Schöpker: Aerodynamik ist ein Punkt. Wir zeigen einen Kühlauflieger, der mit aerodynamischen Verkleidungen versehen ist. Außerdem haben wir bei Daimler auf dem Stand eine komplett optimierte Zugeinheit stehen. Ein Actros- Motorwagen mit Euro 6 und dem besten cW-Wert am Markt mit einem aerodynamisch optimierten Auflieger dahinter. Wir machen das, weil die Themen CO2 und Nachhaltigkeit zurzeit stark diskutiert werden. Aber wenn ich mir das im Detail anschaue, bin ich persönlich noch nicht davon überzeugt, dass das die Lösung schlechthin ist.

Warum?

Schöpker: Weil die Verkleidungen erstens immer noch sehr teuer sind und zweitens sehr anfällig. Bei einer seitlichen Beladung beim Curtainsider auf dem Verladehof beispielsweise beschädigt ein Stapler schnell mal so eine Verkleidung. Und eine beschädigte Verkleidung zerstört sofort wieder den gesamten verbesserten cW-Wert. Ich sehe deshalb noch ganz andere Möglichkeiten, auf die unsere Kunden noch nicht so sehr einen Schwerpunkt legen – zum Beispiel Reifendruck. Der Reifen macht den Hauptanteil der Kosten aus. Wenn der Reifendruck nicht richtig ist, wenn ein halbes oder ein ganzes Bar fehlt, potenziert sich der Verschleiß extrem nach oben. Man könnte heute mit einfachsten Mitteln Reifendruckkontrolle mithilfe der Telematik ausüben. Ich bin davon überzeugt, das bringt im Vergleich zu den Verkleidungen wesentlich mehr, vielleicht das Doppelte an Einsparungen.

Trotzdem ist Aerodynamik derzeit das beherrschende Thema?

Schöpker: Ja. Aber wenn Sie jetzt hergehen und eine Schrankwand wie den Actros optimieren und damit den derzeit niedrigsten cW-Wert erreichen, haben Sie an der Seite des Fahrzeugs Strömungsabrisswinkel. Die können Sie am Auflieger entsprechend beruhigen, damit Sie ein Strömungsoptimum erreichen. Wenn Sie nun aber den für den Actros optimierten Auflieger nehmen und hängen ihn an eine MAN-Zugmaschine, sind die Optimierungen hinfällig, weil Sie am MAN ganz andere Abrisskanten haben. Da liegt das große Problem, denn die wenigsten Zugkombinationen bleiben in ihrem Leben zusammen.

Das heißt, die Idee, dass Trailer- und Fahrzeughersteller gemeinsam an Kombinationen arbeiten, ist nicht tragfähig?

Schöpker: Nein. Das sind ja alles erst einmal Überlegungen. Die hören sich gut an. Deshalb arbeiten wir auch mit den Herstellern zusammen. Wir arbeiten nicht nur mit Daimler, sondern auch mit MAN, Iveco und anderen Herstellern zusammen, um das jeweilige Optimum herauszufinden. Aber die optimierten Konstruktionen dann untereinander austauschen, ist bislang schwierig.

Sie haben im Bereich der Motorwagenaufbauten eine neue Strategie. Wie sieht die aus?

Schöpker: Wir haben in unserem Unternehmen immer eine Fünf-Jahres-Strategie. Die aktuelle Strategie für 2016/2017 beinhaltet die Entwicklung eines Geschäftsbereichs, der sich um Kipper-, Koffer- und Curtainsideraufbauten kümmert. Dieser Bereich soll eine Größenordnung von 300 bis 500 Millionen Euro Umsatz erreichen. Auf der IAA stellen wir die ersten Aufbauten in diesem Bereich aus – einen Ferroplastaufbau M.KO, also Motorwagen-Kofferaufbau und einen Kipperaufbau M.KI. Wir wollen in diesem Bereich mit einem eigenen Vertrieb in Europa in die Breite gehen.

Wie steht es um das Kühlgerät von Schmitz Cargobull?

Schöpker: Wir werden auf der IAA das Kühlgerät ausstellen. Wir sind mit dem Gerät derzeit im Feldtest. Es laufen draußen 15 Einheiten, hier in der Gegend fünf davon und zehn in unserer eigenen Flotte in Dänemark. Wir werden unseren Kunden auf der Messe eine Komplett-Kühllösung präsentieren für ein Kühlfahrzeug inklusive Kühlgerät und Telematik. Wir wollen der erste Hersteller sein, der für die Kühllogistik eine komplette Lösung bieten kann.

Wann geht das System in Serie?

Schöpker: Das ist noch nicht entschieden. Wir haben noch eine Testphase, die wir durchlaufen, um absolut sicher zu sein, dass nichts im Betrieb passiert. Aber dass wir mit dem Gerät kommen werden, ist sicher. Wir müssen nur zuvor alles absichern, was an Risiken auf uns zukommen kann.

Wie krisenfest ist Fahrzeugbau heute?

Schümer: Das hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Wir sind stolz darauf, dass wir mit unserer Billanz zum 31.3. im Wirtschaftsjahr 2011/12 eine Eigenkapitalquote von mehr als 58 Prozent haben. Ich glaube, es gibt nicht viele Unternehmen in Europa, die das haben. Das Bekenntnis unser Gesellschafter heißt 60 Prozent Eigenkapital. Da stehen wir als Geschäftsführung dahinter. Wir haben alle gesehen, wie anfällig die Branche sein kann. Da ist ein solides Fundament überlebenswichtig. Wir sind gleichsam stolz darauf, dass wir schuldenfrei sind und keinerlei Bankverbindlichkeiten haben. Deshalb fühlen wir uns von der Bilanzseite her sehr gut aufgestellt.

Zu guter Letzt Herr Schöpker: Werden Sie der Nachfolger von Dr. Bernard Krone als Vizepräsident des Verbands der Automobilindustrie?

Schöpker: Herr Krone wird als Vizepräsident sein Amt zur nächsten Wahl abgeben, diesen November. Ich bin gefragt worden, ob ich mich zur Wahl stelle. Und – ja, das habe ich getan. Aber die Wahl wird erst am 1. November entschieden. 

Zur den Personen Ulrich Schümer und Ulrich Schöpker

Ulrich Schümer (58) übernahm 2008 den Vorstandsvorsitz bei Schmitz Cargobull. Davor verantwortete Schümer rund zehn Jahre das Ressort Personal und Finanzen beim nordrheinwestfälischen Trailerhersteller. Der Diplomkaufmann begann seine Karriere 1986 als Chefkontroller bei Schmitz-Anhänger Fahrzeugbau.

Ulrich Schöpker (59) ist seit mehr als 36 Jahren Mitarbeiter bei Schmitz-Cargobull. Der Maschinenbau-Ingenieur leitet die Bereiche Vertrieb in Westeuropa, internationales Key-Account-Management, Vertriebscontrolling und Marketing. Außerdem verantwortet das Tochterunternehmen Cargobull-Telematics.

Portrait

Autor

Foto

Joachim Busch

Datum

21. September 2012
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