Alles über Transport Logistic
Besuch bei Schmitz Cargobull AG Zoom
Foto: Thomas Küppers

Schmitz Cargobull auf der Transport Logistic: Schmitz Cargobull: Messethema Digitalisierung

Ein Messeauftritt ohne Fahrzeuge: Der Trailerhersteller Schmitz Cargobull stellt auf der Transport Logistic vielmehr seine neuen digitalen Angebote vor. Welchen handfesten Nutzen die Telematikpakete und das neue zentrale Daten-Gateway bieten, erläutert Vertriebsvorstand Boris Billich im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell.

trans aktuell: Herr Billich, welche Bedeutung hat die Transport Logistic für Sie?

Billich: Wir haben seit der IAA gezielt auf die Transport Logistic hingearbeitet, sie ist für uns eine der wichtigen Messen. Für mich ist es die erste Transport Logistic in neuer Funktion. Ich kannte sie bisher nur als Besucher. Als Aussteller nehme ich eine neue Perspektive ein.

Schmitz Cargobull wird seinen Auftritt in den Messehallen erstmals ohne Fahrzeuge bestreiten. Welche Botschaft senden Sie damit aus?

Es kommt einer kleinen Revolution gleich, dass wir die Trailer weglassen. Das dokumentiert die Entwicklung, die wir in den vergangenen Jahren konsequent fortgeführt haben. Schmitz Cargobull ist mit seiner Trailer-Telematik führend. Wir bieten eine Vielzahl an Dienstleistungen rund um den Trailer an. Das ist die Botschaft auf der Transport Logistic.

Trotzdem ist der Trailer die Basis für alle Dienstleistungen aus Ihrem Hause. Könnte der Verzicht auf den Auflieger nicht auch missverstanden werden?

Das Fahrzeug ist weiterhin die Basis. Der Verzicht ist also schon eine gewisse Provokation. Außerdem schränke ich insoweit ein, als dass es auf dem Außengelände schon noch echte Fahrzeuge von uns zu bestaunen gibt. Doch weil die Kunden auf der Transport Logistic eben stark an der Digitalisierung interessiert sind, wollen wir unseren Teil zu diesem Megathema beitragen. Wir suchen auch in München bewusst die Nähe zu Anwendern, Entwicklern und Betreibern entsprechender IT-Plattformen und Apps. Schließlich produzieren wir eine Vielzahl an Daten, für die die Kunden Anwendungen wünschen. Dieser Datenmarktplatz entwickelt sich fast explosionsartig. An dieser Dynamik möchten wir partizipieren.

Was genau ist an Ihrer Lösung neu?

Wir stellen unseren Smart Trailer mit überarbeiteter Schmitz Cargobull-Telematik vor. Das Besondere daran ist das zentrale Daten-Gateway, das wir unseren Kunden zur Verfügung stellen und über das sie auf alle für sie relevanten Daten zugreifen können. Das ist die Basis für eine zentrale Diagnostik. Alle Teile, die im Trailer verbaut sind, können mit diesem Gateway kommunizieren. Und es ist die Basis für eine zentrale Sensorik: Alle Fühler, Temperaturschreiber und sonstigen Geräte, die etwas aufzeichnen, können sich ebenfalls über dieses Gateway austauschen.

Haben Sie mit dieser Lösung ein Alleinstellungsmerkmal?

Wir sind überzeugt, dass bei Qualität und Breite unserer Telematiklösung uns kein anderer Trailerhersteller das Wasser reichen kann. Wir haben ein Einfallstor in die digitale Welt des Trailers geschaffen. Es hilft als offenes System dabei, alle weiteren Subsysteme zu koordinieren. Ein Flottenbetreiber braucht keine drei, vier oder fünf Telematiklösungen mehr, sondern kann alles zentral über einen Knotenpunkt laufen lassen.

Worin liegt der konkrete Vorteil für den Kunden?

Ein handfester Vorteil: Betreiben Sie heute einen Tiefkühler, haben Sie einen separaten manuellen Temperaturschreiber. Der wird überflüssig. Sie haben also schon mal eine Kostenersparnis. In vielen Fällen ist damit auch eine Qualitätsverbesserung verbunden, weil Daten schneller und einheitlicher zur Verfügung stehen. Kunden haben die Möglichkeit, diese Daten in ihre Logistiklösung zu integrieren. Sie müssen keine Daten mehr manuell von einem ins andere System überführen, was mit Komplexität und Kosten verbunden und gleichzeitig noch fehlerträchtig ist. Ob es nun ein großer Mittelständler ist, der seine gesamte IT darauf eingestellt hat, oder ein kleiner Unternehmer, der zehn Lkw mit unserer Telematik betreibt – es fällt einfach viel weniger Arbeit an.

Bekommt ein Neukunde gleich die große Lösung oder kann er sich erst mal häppchenweise mit dem Angebot vertraut machen?

Wir haben das Telematikpaket nach Anwendungsbereichen gestaffelt. Ein Kunde, der einen Curtainsider bewegt, hat andere Anforderungen als ein Kunde, der einen Tiefkühler bewegt. Insofern gibt es schon unterschiedliche Informationspakete. Gemeinsam ist den Angeboten das zentrale Gateway, das bei allen Bausteinen identisch ist.

Welche Relevanz hat der Telematikbereich aktuell schon für Ihr Unternehmen – zum Beispiel gemessen am Umsatz?

Es würde der Bedeutung der Telematik nicht gerecht werden, wenn wir sie ins Verhältnis zum Trailer-Umsatz setzen würden. Ich sehe beides eher in Ergänzung zueinander. Vor 30 Jahren hatten wir unintelligente Fahrzeuge, die aus Stahl, Holz, Schaum und Gummi bestanden. Heute haben wir einen hohen Grad an Informationen, die man aus dem Fahrzeug auslesen kann. Die Telematik wird zum integralen Bestandteil eines Trailers. Mit ihr macht man die Datenauslese prozesssicher und unabhängig von manuellen Eingriffen. Das erhöht signifikant den Wert eines Trailers und lenkt den Blick auf den Grund des Transports – die Ladung.

Wie verbreitet ist Ihre Telematik bereits bei Ihren Kunden?

Die Penetrationsrate steigt von Jahr zu Jahr. Im Tiefkühlbereich greift bereits mehr als jeder Zweite auf eine solche Lösung von uns zurück. Bei den Curtainsidern ist die Quote geringer. Durch unsere Executive-Pakete, die wir auf der IAA vorgestellt haben, wird sich die Telematik aber auch bei den Curtainsidern durchsetzen. Ich gehe davon aus, dass wir zur nächsten IAA schon mehr Planensattel mit Telematik als ohne verkaufen werden. Noch ist die Telematik eine Option. Ab einem gewissen Punkt ergibt es Sinn, sie serienmäßig anzubieten. Noch sind wir nicht an diesem Punkt, doch rückt er näher.

Noch gibt es die Telematik nur gegen Aufpreis. Wie viel Überzeugungsarbeit müssen Sie bei Spediteuren leisten, die mit spitzem Bleistift rechnen?

So viel Überzeugungsarbeit müssen wir gar nicht leisten. Spediteure sind daran gewöhnt, die Gesamtbetriebskosten zu betrachten und nicht nur den Anschaffungspreis. Wenn Sie einen Kundenauftrag kalkulieren, gehen Sie doch genauso vor. Insofern gelten andere Maßstäbe, als wenn wir als Verbraucher im Supermarkt eine Flasche Ketchup zu 1,59 Euro mit der zu 2,29 Euro vergleichen.

Ist es nicht doppelt schwierig, Kunden die Telematik schmackhaft zu machen, wenn gleichzeitig eine Preiserhöhung für den Trailer angekündigt wurde?

Jeder, der die Medien verfolgt, weiß, dass die Rohstoffpreise gestiegen und Anpassungen für uns eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit sind. Daher müssen wir unsere Produkte und Dienstleistungen so effizient aufstellen, dass sich durch diese Kombination die Total Costs of Owner­ship beim Kunden reduzieren. Ein wesentlich stärkerer Kos­ten­trei­ber sind nicht ausgelastete Frachträume. Mit steigender ­Digitalisierung können Spediteure besser errechnen, wie sie ihre Trailer idealerweise einsetzen, um den Leerstand zu reduzieren. Was früher ein ausgebildeter Disponent mit langer Erfahrung und gutem Bauchgefühl gemacht hat, wird immer mehr von Algorithmen übernommen. Das gilt unabhängig davon, ob der Trailer nun einen Euro mehr oder weniger in der Anschaffung kostet. Es geht um eine Grundsatzentscheidung, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Wenn ich das will, komme ich um die Telematik nicht drum rum.

Lässt sich die erzielte Effizienz quantifizieren?

Dazu gibt es einen Blumenstrauß an Aussagen, der von ganz wenig bis ganz viel reicht. Es hängt immer davon ab, wie digital Sie heute als Logistikdienstleister aufgestellt sind und wie effizient Sie die Daten nutzen können. Man kann hierzu keine seriöse Zahl nennen. Dass die Einsparung im signifikanten Bereich liegt, ist in jedem Fall unstrittig.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

28. April 2017
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