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Schlagschrauber: Drei Modelle im Praxistest

Druckluft-Schlagschrauber erleichtern die Arbeit ungemein. Im Praxistest: ½-Zoll-Druckluft-Schlagschrauber von drei Herstellern.

Wenn es um das Anziehen und Lösen von Schrauben und Radmuttern geht, sind Druckluft-Schlagschrauber in ihrem Element. Akku-Schrauber hingegen würden schnell schlappmachen. Rund 75 Prozent der Anzieh- und Lösearbeiten lassen sich in einer Nutzfahrzeug-Werkstatt mit einem ½-Zoll-Druckluftschrauber erledigen, schätzt Maik Hanselmann, ausgebildeter Fahrzeugtechniker und Beauftragter für den technischen Vertrieb bei GSS Nutzfahrzeug in Langenbernsdorf. Zwar gibt es kleinere und größere Schrauber, doch ½-Zoll sei ein gutes Mittelmaß. In der GSS-Werkstatt hat Hanselmann drei Geräte von Berner, Chicago Pneumatic und Rodcraft einem ausgiebigen Test unterzogen.

Wie immer unter Praxisbedingungen. Zwei Kriterien standen dabei im Vordergrund: die Ergonomie und die Leistung. Was die Qualität der Schrauber angeht, fällt Hanselmann ein eindeutiges Urteil: "Das sind alles Profigeräte, an denen man lange Freude hat. Mit allen kann man gut arbeiten, alle sind sauber verarbeitet."

Schutzbrille, Gehörschutz und Handschuhe sind Pflicht

Die Schlagschrauber wurden von den Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt. Zur Lieferung gehört dabei jeweils nur das Gerät – Stecknippel, Schnellverschluss-Kupplungen und Druckluftschläuche sind standardmäßig in jeder Werkstatt vorhanden.

Schutzbrille, Gehörschutz und Handschuhe sollten bei Arbeiten mit den Druckluft-Schlagschraubern Pflicht sein. Entsprechende Piktogramme finden sich auf dem Gerät von Berner, und auch Hanselmann weist darauf hin. Nur ausnahmsweise wurde beim Fototermin für den Titel dieser Ausgabe auf Gehörschutz und Schutzbrille verzichtet. Noch ein Tipp vom Tester: Das regelmäßige Ölen und Fetten der Geräte nicht vergessen!

Berner BPT-IW (links)

Das Gerät von Berner ist laut Hersteller perfekt für den Reifenwechsel oder hartnäckige Anwendungen, zum Beispiel für rostige Schrauben, geeignet. Es bietet ein Twin-Hammer-Schlagwerk und ein Komposit-­Gehäuse. Die Lamellen bestehen laut Berner aus "neuem Material", das weniger anfällig für Wasser ist und eine größere Leistung und einen ruhigeren Motorlauf  verspricht. Das spezielle Lufteinlass-System soll ebenfalls die Leistung erhöhen. Ein kälteisolierter und vibrationsgedämpfter Griff ermöglicht dabei einen sicheren Halt. Das Anzugsmoment beträgt maximal 880 Nm, das Lösemoment 1.600 Nm. Für den Anzug gibt es drei Stufen, für das Lösen eine. Sie lassen sich an der Rückseite mit nur einer Hand verstellen. Die Drehzahl ist mit 7.500 U/­min angegeben. "Mit zwei Kilo­gramm ­Gewicht liegt der Schrauber sehr gut in der Hand", sagt Maik Hanselmann. Den Abzug des Geräts bezeichnet er als "feinfühlig". Das Urteil: "Ein solides, empfehlenswertes Werkzeug, das auf mich einen sehr guten Eindruck macht." Preis (unverbindliche Preisempfehlung): 199 Euro (netto).

Rodcraft RC2277 (Mitte)

Als "Beast" ist das Modell RC2277 von Rodcraft bekannt geworden – und tatsächlich weist ein Schriftzug "The Beast" an der linken Seite auf den Spitznamen hin. Das Gewicht beträgt rund zwei Kilogramm. Das Doppelhammer-Schlagwerk bietet im Rechtslauf drei Stufen mit einem Arbeitsdrehmoment von bis zu 900 Nm, der Linkslauf zum Lösen 1.250 Nm, und die Drehzahl gibt der Hersteller mit 8.200 ­U/­min an. Einstellen lassen sich die Drehmomente von der Hinterseite aus. Den Kompositgriff der Maschine hält Hanselmann für hervorragend: "Das liegt sehr gut in der Hand und ist richtig ergonomisch." Laut Hersteller ist der thermoisolierte Griff re­sis­tent gegenüber den meisten in einer Werkstatt verwendeten Chemikalien. Für besonders auffällig hält Hanselmann den Abzug: "Von allen drei Geräten lässt sich beim Rodcraft-Schrauber der Trigger am feinfühligsten durchdrücken." Das Urteil: "Empfehlenswert. Da lässt sich bestens mit arbeiten." Preis (unverbindliche Preisempfehlung): 179 Euro (netto).

Chicago Pneumatic CP7749 (rechts)

Das Modell CP7749 von Chicago Pneumatic verfügt über ein Doppelhammer-Schlagwerk mit Kompositgriff und zeichnet sich laut Hersteller durch Bedienkomfort und Balance aus. Das Schlagwerkgehäuse besteht aus Aluminium. Der Rechtslauf bietet 135 bis 704 Nm, der Linkslauf 1.300 Nm. Die Drehzahl beträgt 7.000 U/min, das Gewicht 1,8 Kilogramm. Das Gerät ist nicht nur rund 200 Gramm leichter als die anderen Testkandidaten, sondern auch erheblich kürzer. Unser Tester Hanselmann hat nachgemessen: Die Länge mit Schlagwerk beträgt 172 Millimeter, das sind 23 bis 28 Millimeter weniger als bei den anderen Geräten. Und noch ein Merkmal zeichnet das Modell von Chicago Pneumatic aus: Es lässt sich mit nur einer Hand bedienen. Die Schalter zum Einstellen der Drehrichtung und Stufen befinden sich in Höhe der Finger der haltenden Hand. Sowohl die kurze Bauform als auch die einhändige Bedienung begeistern Hanselmann: "Es gibt durchaus Arbeitssituationen, wo beides sehr nützlich ist." Das Urteil: "Empfehlenswert. Ein sehr gutes Profiwerkzeug, das sich feinfühlig bedienen lässt." Preis (unverbindliche Preisempfehlung): 240 ­Euro (netto).

Autor

Foto

Carsten Lange

Datum

25. November 2016
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Fred Dremel, Experte für Sozialvorschriften für das Fahrpersonal im Strassenverkehr, Arbeitszeitrecht , Kontrollgeräte Fred Dremel Sozialvorschriften
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