Automatisches Rottenwarngerät zur Warnung vor herannahenden Zügen mit Hilfe optischer und akustischer Signale an einer Gleisbaustelle Zoom

Schiene: Geld für Gleise

Um das Netz der Bahn auf Vordermann zu bringen, bräuchte es über 30 Milliarden Euro. Bahn-Chef Rüdiger Grube warnt vor unpünktlichen Zügen und Streckensperrungen.

Das Timing könnte schlechter sein: Wenige Tage, bevor sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe Verkehr im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zu den Themen Finanzierung und Schiene austauschen, sendet Bahn-Chef Dr. Rüdiger Grube deutliche Signale nach Berlin. Er fordert mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr an Investitionsmitteln für das Schienennetz. Das sagt der Manager in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel.

Überzogen dürfte diese Forderung nicht sein. Bereits seit dem Jahr 2009 mobilisiert der Bund nach Zahlen des Bundesverkehrsministeriums jährlich mindestens diesen Betrag. Allerdings sind dabei auch Sondereffekte wie die Mittel aus den Konjunkturprogrammen berücksichtigt. Doch sieht auch die mittelfristige Finanzplanung bis zum Jahr 2015 jährlich mindestens vier Milliarden Euro für die Schiene vor.

Investitionsstau von mehr als 30 Milliarden Euro

Zusätzliches Geld könnte das Unternehmen demnach an mehreren Stellen dringend gebrauchen. Grube spricht von einem Investitionsstau bei Gleisen, Weichen und Stellwerken von mehr als 30 Milliarden Euro. "Wenn sich nichts ändert, steigt der Rückstand bis 2020 auf gigantische 50 Milliarden Euro", warnt der Konzern-Chef.
In dem Fall habe man die Wahl zwischen zwei Optionen: "Entweder die Qualität der Bahn lässt deutlich nach, es gibt also mehr unpünktliche Züge. Oder wir müssen Strecken sperren", sagt er. Letzteres sei aber auch nicht im Sinne derer, die mehr Verkehr auf die Schiene verlagern wollten.

Den Grund für den hohen Investitionsbedarf sieht Grube nicht zuletzt im Alter vieler Schienenbauwerke. "Hunderte unserer Stellwerke hätte noch Kaiser Wilhelm einweihen können, 1.400 Bahnbrücken sind in einem so kritischen Zustand, dass wir sofort handeln müssen", erklärt Grube. Der Manager betont jedoch, dass er angesichts des immensen Bedarfs nicht "jammernd nach dem Staat rufen" wolle.

Auch die Bahn leiste ihren Beitrag. "Sie steht zu ihrer Verpflichtung, das Netz jedes Jahr mit beträchtlichen Eigenmitteln von über zwei Milliarden Euro in Schuss zu halten", versichert Grube. "Klar ist aber auch: Weil die Schiene jahrzehntelang vernachlässigt wurde, können wir es allein nicht schaffen."

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Martin Busbach

Datum

5. November 2013
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